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Wo der Rubel rollt

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Europa-League-Spiel bei Anschi Machatschkala

Prima Landstrich, um ein bisschen mit dem Bugatti durch die Gegend zu cruisen: Dagestan, Heimat von Anschi Machatschkala

Liebe Hannover 96-Fans, macht Euch bereit für die englischen Wochen! Der diesjährige Europapokal-Wettbewerb geht in die K.O.-Phase und bietet wieder genügend Gründe für abgeknabberte Fingernägel. Im letzten Jahr konnten unsere Roten gerade noch knapp vom späteren Europa-League-Sieger Atletico Madrid gestoppt werden. „Auf Nach Europa!“ lautete das Motto während der Spielzeit und Europa wurde ganz schön gerockt. Aber auch in der aktuellen Saison konnte Mirko Slomkas Team seinen Fans unter der Woche schöne Stunden bereiten. Hannover ist in dieser Europa-League-Saison noch ohne Niederlage. Ob Levante, Enschede oder Helsingborg – keines dieser Teams konnte gegen die hannoverschen Spieler einen Dreier in der Gruppenphase holen. Dieser Umstand lässt Vorfreude aufkommen, selbst wenn die Roten den ersten richtig dicken Brocken erst morgen vor der Brust haben. FK Anschi Machatschkala heißt der Gegner im Sechzehntelfinale. Anschi was, bitte? Anschi Machatschkala. Wer sich nun fragt, ob der Autor beim Tippen dieser Zeilen betrunken war, dem sei versichert, dass dies nicht so war. Die heißen wirklich so!

Liegt Machatschkala in Afrika?

Würde Machatschkala in Afrika liegen, wie man angesichts des ungewöhnlichen Namens vielleicht vermuten könnte, dann wäre das Team nicht spielberechtigt für die Europa League. Wer also ist dieser unbekannte Gegner und wo kommt er her? Machatschkala liegt am kaspischen Meer, tief im Südwesten Russlands und ist knapp zwei Flugstunden von Moskau entfernt. Und Moskau spielt eine sehr zentrale Rolle für FK Anschi Machatschkala, da der Verein seine internationalen Spiele in der Hauptstadt austrägt. Auch wenn der Fußball um kuriose Geschichten nicht verlegen ist: In diesem Fall geht es der UEFA um nichts anderes als die Sicherheit, denn Machatschkala ist die Hauptsstadt der russischen Teilrepublik Dagestan. Durch unzählige verschiedene Volksgruppen gilt Dagestan als russische Krisenregion schlechthin, und deshalb treten unsere Roten in Moskau gegen Machatschkala an.

Fünf-Sterne-Schmuckstück im Herzen von Moskau: das Luschniki-Stadion

Wie Rinderhack für Veganer

Und warum ist Anschi nun ein so schwerer Gegner, obwohl selbst Fußballstammtische bei diesem Verein in Erklärungsnöte kommen? Ganz einfach: Weil im modernen Fußball von heute stinkreiche Milliardäre in sehr kurzer Zeit entscheiden können, sich einen Verein unter den Nagel zu reißen. So geschehen bei Anschi Matschkala durch den Multi-Milliardär Suleiman Kerimow. Kerimow stammt aus der Region Dagestan und wollte dort schönen Fußball etablieren. Dies mag den einen oder anderen an Hoffenheim erinnern, doch Kerimow hatte noch mehr Millionen zur Hand. Rubel versteht sich. Also mussten Stars gekauft werden. Da aber Machatschkala am Arsch der Welt liegt und in etwa ungefähr so viel Anziehungskraft auf Profifußballer ausstrahlt wie ein Kilo Rinderhack auf Veganer, musste Herr Kerimow seine Muskeln, sprich seine Millionen, besonders dolle spielen lassen. Beispiel: Den einstigen Weltstar Samuel Eto’o zog es nach Engagements in Barcelona und Mailand in die russische Pampa. Bei einem geschätzten Jahreseinkommen von 20 Millionen Euro wäre mir persönlich die sportliche Perspektive auch egal.

Mit dem Bugatti durch Dagestan

Laut heutigem Stand der Dinge wird Eto’o gegen Hannover 96 aber nicht spielen können. Der Rücken zwickt beim Kameruner. Mit 31 Jahren und einem solchen Gehalt kann man sich aber auch ein bisschen ausruhen. Grund zur Freude sollte beim 96-Anhang aber dennoch nicht aufkommen. Denn Multi-Milliadär Kerimow hat erst kürzlich wieder einmal seine Brieftasche geöffnet und 40 Millionen Euro für den Brasilianer Willian ausgegeben. Dieser wollte eigentlich unbedingt aus der Ukraine zum FC Chelsea wechseln, um sich in der starken englischen Liga für die WM 2014 in seiner Heimat zu empfehlen. Aber dann muss er wohl am Flughafen in das falsche Flugzeug gestiegen sein. Kyrillische Schrift ist ja auch verdammt schwer zu lesen. Vielleicht aber hat Willian auch auf seinen Landsmann Roberto Carlos gehört, der erzählt haben könnte, dass Kerimow tolle Präsente für seine Spieler auf Lager hat. Denn die einstige Abwehr-Legende von Real Madrid erhielt während seiner kurzen Zeit in Machatschkala zum Geburtstag einen Bugatti Veyron im Wert von 1,8 Millionen Euro. Zweifellos ein Geschenk, welches einen Fußballer auch mal in ein falsches Flugzeug steigen lässt.

Zusammengewürfelte Millionentruppe

Liebe Hannover 96-Fans, Grund zur Sorge besteht dennoch nicht. 96 wird auch auf dem russischen Kunstrasenplatz des Luschniki-Stadions zurechtkommen und der zusammengewürfelten Millionentruppe den Zahn ziehen. Die Roten werden sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel schaffen. Denn auch wenn man ein oder zwei Topstars im Team hat, spielen die anderen Spieler bei Anschi noch immer hölzernen Rumpelfußball. Von diesem Team kennen selbst Hardcore-Fußball-Experten vielleicht grade einmal die Hälfte der Namen in der Startaufstellung. Unter diesen Umständen können sogar Sofian Chahed und Koka Rausch als international erfahren gelten, nur kassieren sie eben nicht ansatzweise so viel Asche wie die Spieler des Gegners. Außerdem hat Hannover mit Szabolcs Huszti einen Spieler im Team, der den Fußball aus Russland noch allzugut kennt. Wenn nun hoffentlich auch noch der kurzfristig verletzte Mame Diouf, Mister Europapokal himself, rechtzeitig für einen Einsatz fit wird, dann heißt es warm anziehen im Eispalast zu Moskau, lieber Herr Kerimow!

Donnerstag, 14. Februar 2013, 18 Uhr
FK Anschi Machatschkala – Hannover 96

(Fotos: Sergei Mikhailovich Prokudin-Gorskii/Wikipedia)

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