Marcel Seniw
16. Februar 2013

Die Bier-Räuber aus dem Sherwood Forrest

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim 1.FC Nürnberg

Hoffentlich aus hannoverscher Sicht nicht die einzige Ausbeute im Frankenland: Nürnberger Rostbratwürste

„Mund abwischen und weitermachen“, so sollte das Motto der Mannschaft von Hannover 96 drei Tage nach der Europapokal-Niederlage gegen Anschi Machatschkala lauten. Verloren ist noch nichts in der Europa League, auch wenn das Spiel sowie das Ergebnis vom vergangenen Donnerstag nicht viel Mut gemacht haben. Doch vor heimischer Kulisse und auf einem echten Rasenplatz lässt sich hoffentlich ein besserer Ball spielen als auf so einer Kunstrasen-Attrappe wie in Moskau. Also Kopf hoch, Jungs! Doch zunächst steht das Tagesgeschäft Bundesliga wieder an, und für müde Beine und hängende Köpfe bleibt keine Zeit. Das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg hat nun oberste Priorität. Und drei Punkte sind fast schon Pflicht, will man sich ins obere Tabellendrittel schießen, welches zur erneuten Teilnahme am europäischen Wettbewerb in der kommenden Saison berechtigt. Selbst wenn Mirko Slomkas Elf bei Auswärtsspielen so seine Probleme hat: Aus Nürnberg muss eigentlich mehr mitgenommen werden als nur ein Paar Rostbratwürste.

Vize-Rekordmeister trifft auf schwächelndes Auswärtsteam

Die Chancen auf einen Dreier bei den Franken stehen theoretisch gar nicht einmal so schlecht. Immerhin stellen die Nürnberger den drittschwächsten Sturm der Liga. Da könnte man als 96-Fan fast schon ins Träumen geraten und hoffen, dass das Team vielleicht, also ganz eventuell und auch nur wenn es wirklich keine Umstände machen sollte, auch auswärts einmal zu null spielen könnte. So könnte man die bittere Auswärtsbilanz von acht Niederlagen in zehn Spielen zwar nicht geradebügeln, doch zumindest etwas aufbessern. Doch der Gegner aus Nürnberg ist immerhin amtierender Rekord-Auf- und -Absteiger (jeweils sieben Mal) sowie deutscher Vize-Rekordmeister (neun Titel). Zumindest Letzteres klingt top, ist aber Schnee von Vorgestern. Denn als der 1.FC Nürnberg 1968 letztmalig die Meisterschale überreicht bekam, hat Mirko Slomka seine Geschäfte noch in Windeln und nicht im Fußball gemacht.

Wie war nochmal gleich der Name? Das Nürnberger Stadion kennt viele Bezeichnungen

Kreative Fans wünschen Bier und karitative Spende

Die Fans der Clubberer, wie die Mannschaft der Nürnberger auch genannt wird, erinnern sich gerne an die guten alten Zeiten zurück. Diese Heldenverehrung geht so weit, dass die Anhänger auf sympathische Art und Weise fast schon „kriminell“ wurden. Als das altehrwürdige „Städtische Stadion“ zu Nürnberg, besser bekannt als Frankenstadion, seit 2006 aber im Besitz eines ziemlich easy klingenden Namens eines Kreditanbieters, 2012 nach dem Ende des Sponsorenvertrages von der Stadt wieder in „Stadion Nürnberg“ umbenannt wurde, beschwerten sich die Fans, die gegen eine solche Übergangslösung waren. Schließlich hatten sie sich seit Jahren dafür eingesetzt, dass man ihre Pilgerstätte zu Ehren der ehemaligen Vereinslegende Max Morlock endlich in Max-Morlock-Stadion umbenennt. Doch ohne Moos nichts los. Und so hört das Nürnberger Stadion seit dem Februar auf den Namen „Grundig-Stadion“. Die Fans aber waren kreativ und sicherten sich die Rechte an der Internetdomain www.grundig-stadion.de. Um diese wieder freizugeben und somit dem neuen Sponsor den gewünschten Namen für die Homepage der Arena zu überlassen, forderten sie „reichlich Bier“ und eine Spende, welche einer karitativen Einrichtung zugute kommen soll. Der Nürnberger Technik-Konzern soll sich auf die kleine Erpressung der Fans eingelassen haben. Und vielleicht wird der Fanblock demnächst in „Robin-Hood-Tribüne“ umbenannt…

Vieles spricht für ein Unentschieden

An dieser Stelle würde ich normalerweise begründen, warum Hannover 96 morgen gegen den 1.FC Nürnberg gewinnen wird. Da ich aber in den letzten Wochen mit drei von fünf meiner siegesgewissen Vorhersagen daneben lag, und zwar immer bei Auswärtsspielen, mag ich meine fußballerische Kompetenz heute nicht schon wieder aufs Spiel setzen. Daher nehme ich heute die rote Brille einfach einmal ab und nenne noch ein paar Zahlen, denn dann kann sich jeder anhand der Statistik eine eigene Prognose zurechtbasteln. In 33 Aufeinandertreffen in der Fußball-Bundesliga zwischen dem 1.FC Nürnberg und dem HSV aus Hannover gab es für beide Teams jeweils elf Siege, elf Unentschieden und elf Niederlagen. Und auch das Torverhältnis steht bei 51:51. Da spricht vieles für ein Unentschieden. Die Heim- und Auswärtsbilanz erspare ich mir an dieser Stelle. Soviel sei aber verraten: Wenn Ron-Robert Zieler seinen Kasten morgen sauber hält und sich im Laufe der 90 Minuten auch mal der eine oder andere Ball im Netz des 1.FC verirren sollte, dann kann 96 das Frankenland zum fünften Mal nicht nur mit Wurstspezialitäten, sondern auch mit drei Punkten verlassen.

Sonntag, 17. Februar 2013, 15.30 Uhr:
1.FC Nürnberg – Hannover 96

(Fotos: Wikipedia/Schlurcher, Wikipedia/Florian K.)

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Kategorien: Sports, Unrat

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