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Der Messias zu Gast bei Freunden

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Nord-Derby gegen den Hamburger SV

Keine Angst vor höheren Mächten: Hannovers Mittelfeld-Motor Sergio da Silva Pinto

Erst gestern haben unsere Roten gegen Anschi Machatschkala ein Sahnestück an Kampfgeist abgeliefert. Dass es dennoch nicht ganz gereicht hat, um eine weitere Europapokalrunde spielen zu dürfen, ist unglaublich, aber leider wahr. Hätte sich der eine oder andere Kopfball nicht ins Tor verirren können? Und dann dieses Schneechaos. Als hätte der russische Oligarch Suleiman Kerimov mit seinen Milliarden eine Schneemaschine vors Stadion gestellt, um Machatschkala einen Heimvorteil im Auswärtsspiel zu verschaffen… Bei mir zu Hause an der Stadtgrenze hat es jedenfalls nicht ansatzweise so doll geschneit wie in der AWD-Arena. Aber Hannover 96 ist mit erhobenem Haupte aus der diesjährigen Europa League ausgeschieden. Nichtsdestotrotz steht keine 48 Stunden später bereits das Bundesliga-Duell gegen den kleinen HSV aus Hamburg an. Seit Jahren ein Spiel, welches in beiden Fanlagern für gute Stimmung sorgt und fast unter dem WM-Motto von 2006 „Die Welt zu Gast bei Freunden“ laufen könnte. Hamburg zu Gast bei Hannover sorgt immer für eine gute Stimmung, denn schließlich können sich beide Fanblöcke gegenseitig mit „HSV!“ ansingen. Schön, wenn die befreundeten Fan-Gruppierungen sich gegenseitig hochschaukeln und ihre Vereinskürzel im Wechsel intonieren. Da rennen die Spieler auf dem Platz doch gleich doppelt so schnell, zumal sie den Überblick verlieren, welcher HSV gerade so lautstark nach vorne gepeitscht wird.

Ein Sechs-Punkte-Spiel

Wenn Hannover 96 und der Hamburger SV in den letzten Jahren in der Bundesliga ihr Nord-Derby austrugen, dann war meist eines der beiden Teams dem jeweils anderen nur um eine kleine Nasenlänge voraus. Als unsere Roten vor drei Jahren gegen den Abstieg kämpften, war in Hamburg noch das internationale Geschäft das angestrebte Saisonziel. Doch angesichts der hohen Fluktuation von Trainern in Hamburg und einer ziemlich bescheidenen Transferpolitik, hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Nun heißt das Ziel von Hannover 96 Teilnahme am europäischem Wettbewerb. In der hanseatischen Elb-Metropole wurde die Erwartungshaltung dagegen nach dem knappen Klassenerhalt in der letzten Saison etwas zurückgeschraubt. Der kleine HSV aus dem Hohen Norden wollte in erster Linie nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Und 2012/2013 haben die Hamburger durchaus positiv überrascht, so dass nun schon wieder erste Blicke Richtung Europa schielen. Hannover und Hamburg liegen in Bezug auf die bisher erreichten Punkte nahe beieinander. Wir sehen also morgen ein klassisches Sechs-Punkte-Spiel. Und darum können die Fans der beiden Teams noch so sehr befreundet sein: Auf dem Platz wird es zur Sache gehen.

Herr über Freistoß, Ecke und Strafraum: Rafael van der Vaart

Rafa unser, der Du bist im offensiven Mittelfeld

Viele Stimmen machen nach der verkorksten letzten Saison den neuerlichen Aufschwung des Hamburger SV an einem Namen fest: Mit dem Transfer von Rafael van der Vaart scheint der Messias persönlich zurückgekehrt zu sein. Sie wissen schon, der Spielerfrauen-Ehemann, bald eventuell Ex-Ehemann von Sylvie, Hollands schärfstem Export seit Linda de Mol. Aber zurück zu Hamburgs Messias. Oh Du Leibhaftiger, Rafael von Amsterdam, Dein Pass komme, Deine Idee geschehe – wie am Mittelkreis, so im Strafraum! Unsere wöchentliche Sylvie gib uns auf der Tribüne, denn Dein ist der Freistoß und die Ecke und die Rückennummer 23, in Ewigkeit. Amen! So sehen es die Fans der Hamburger. Doch ich begehe jetzt einen Frevel, quasi ein Sakrileg: Ich möchte behaupten, dass nicht nur der Herr van der Vaart an der Entwicklung des Hamburger Spiels seinen Anteil hat. Vielmehr hat der Verein mit Torsten Fink inzwischen schon seit knapp eineinhalb Jahre ein und denselben Trainer auf der Bank sitzen. Ein Trainer, der grade so den Abstieg verhindern konnte, durfte seine Arbeit fortsetzen. Kontinuität ist nach all der Fluktuation im Management und auf der Trainerbank in der Hansestadt etwas völlig Neues. Parallel dazu entwickelt sich ein neuer Top-Sturm, denn Heung Min Son und Artjoms Rudnevs kommen besser und besser in die Gänge. Der flinke kleine Südkoreaner und der klumpfüßige Lette: Dass diese beiden so einschlagen, hätte man so auch nicht gedacht. Aber der Heilige Geist schwirrt ja immer irgendwie über den Hamburgern.

Schwierig, aber nicht unmöglich: Die Trotzreaktion

Also fassen wir noch einmal zusammen: Hannover 96 stecken morgen die 99 intensiven Minuten aus der Europa League noch in den Knochen, während der Hamburger SV sich unter der Woche ausruhen durfte. Die Roten treffen außerdem auf eine selbstbewusste Truppe, die gerade einen richtigen Lauf hat. Doch gestern haben wir uns alle selber davon überzeugen können, dass 96 insbesondere in Spielen, in denen es um die Wurst geht, so richtig Dampf machen kann. Europa soll nun erst recht das Saisonziel sein. Und wer es schafft, in der eigenen Arena den Kameruner Starspieler Samuel Eto’o alt aussehen zu lassen, der wird doch wohl auch mit einem niederländisch-lettisch-südkoreanischen Dreieck zurechtkommen. Sergio da Silva Pinto kloppt vielleicht zu Beginn des Spiels ganz schnell einmal den Rafael van der Vaart um, wohlwissend dass er es sich dann mit dem Himmel verscherzt hat. Außerdem haben unsere Roten hoffentlich morgen noch einiges an übriggebliebenem Zielwasser in der Kabine, was der hanseatischen Hintermannschaft um Heiko Westermann nicht gerade schmecken dürfte. Der Kapitän der Hamburger wird jedenfalls aufpassen müssen, dass er sich nicht im Laufduell mit den quirligen hannoverschen Stürmern Abdellaoue, Ya Konan oder Diouf die Beine bricht. Wir hoffen also auf einen ähnlich guten Auftritt der Roten wie am Donnerstag, denn dann kann man trotz schwerer Beine morgen drei Punkte feiern.

Samstag, 23. Februar 2013, 15.30 Uhr
Hannover 96 – Hamburger SV

(Fotos: Hannover 96 / Wikipedia)

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