Jörg Smotlacha
4. Juni 2006

„Ich bin eine Live-Band“

Im Gespräch mit Mirco Buchwitz, dem Shooting Star der hannoverschen Literatur-Szene

Mirco Buchwitz hat im jungen Alter von 32 Jahren schon eine Menge Höhen und Tiefen des Literatur-Business kennen gelernt und den Schrecken der deutschen Provinz erlebt. Einmal zum Beispiel hat er in einer Kneipe in Duisburg gelesen. Vor vier Leuten. Und da diese vier Leute einen amtlichen Skat gekloppt haben, baten sie den Künstler, leiser zu sein. Das war das einzige Mal, das Buchwitz einen Auftritt abbrach.

Mirco Buchwitz

Mann mit vielen Gesichtern: Mirco Buchwitz

Allermeistens aber erntet Buchwitz, der sich als seine eigene Live-Band versteht, mit seinen Soloprogrammen wohlverdienten Applaus, denn der Mann hat einen Sprachwitz, der seinesgleichen sucht. Während andere „mit Depri-Texten“ begonnen haben, so Buchwitz auf Nachfrage nach den Beweggründen für das Schreiben, war sein Ausgangspunkt, „das Leben besser zu verstehen.“

Lieber woanders, aber in Hannover zu Hause

Mittlerweile wird Mirco Buchwitz, der es meisterlich treffsicher versteht, Beobachtungen voller Skurrilität mit Poesie, Nachdenklichkeit und Komik zu verbinden, gefeiert. So hat der Spoken Word-Künstler im letzten Frühjahr Hannovers Poetry Slam gewonnen und hätte diesen Titel möglicherweise ständig aus dem Stand verteidigt, wenn er nicht, charmant, wie er nun mal ist, manchmal spät am Abend auf derlei Ehren verzichtet hätte, weil er „jetzt schon ein bisschen getrunken hat“. So im September 2005 geschehen. Und Buchwitz wäre nicht Buchwitz, wenn er nicht dabei über sich selbst, Hannover und die Literatur-Szene geschmunzelt hätte. Buchwitz nimmt es locker, denn er weiß was er kann.

Die Ein-Mann-Band ist längst auf der Überholspur. Mirco Buchwitz hat jüngst mit der Veröffentlichung seiner Hörbuch-CD „Lieber woanders“ bewiesen, dass er nicht nur in vielen literarischen Genres zu Hause ist, sondern auch sämtliche Spielwiesen selber mähen kann. Der 32-Jährige hat nicht nur die gesamte Musik alleine eingespielt, sondern auch die perfekt harmonierenden Sounds selbst produziert.

Mirco Buchwitz und Henning Chadde

Nachgefragt: Mirco Buchwitz in der Sendung „Buchfrust“ mit dem langeleine-Kollegen Henning Chadde

Grenzwertig, aber erst recht immer unterhaltsam

Manchmal wundert sich Mirco Buchwitz. Denn er ist nicht nur einer der besten Entertainer Hannovers, sondern auch ein guter Beobachter. Und die Eigenarten des ewigen Literatur-Zirkus bringen auch einen Mann, der vielleicht verdientermaßen irgendwann einmal von seiner Kunst leben kann, zum Lachen: „Das Schöne bei den Slams“, jenen Dichterwettstreiten, bei denen das Publikum den Sieger wählt, „ist das Abstimmungsverhalten.“ Zum Beispiel in Darmstadt: „800 Ringe auf Holzstöcke zu schieben, das hat schon etwas Entwürdigendes.“

Buchwitz ist auf vielen Bühnen zu Hause. Eine davon ist OraL, Hannovers erste Lesebühne, bei der der 32-Jährige Gründungsmitglied ist. Bei seinen Auftritten mit der siebenköpfigen OraL-Truppe geht es vor allem darum, die Leute zu unterhalten: „Man kann auch mal auf der Bühne tanzen oder sich selbst umbringen“. Natürlich meint Buchwitz das nicht wörtlich, aber sofort fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu, dass es schon darum gehe, grenzwertige Dinge zu tun, wie „bei einer schlechten Mini-Playback-Show“.

Mirco Buchwitz

Hat immer eine klare Linie in der Birne – Mirco Buchwitz

Tolle Idee, sich Mirco Buchwitz als Teilehmer an einer schlechten RTL-Show vorzustellen. Bestimmt würde er auch dort eine gute Figur machen. Der Autor dieses Textes trinkt ein letztes Bier mit dem Allround-Künstler und muss grinsen, als Buchwitz seine Geschichten als „gutbeobachtetes Zwischenfutter“ bezeichnet. Aber dann denkt er an den doppelten Boden. Den doppelten Boden und die philosophischen Ausflüge, mit denen Buchwitz seine scheinbar banalen Alltagsbeobachtungen versieht. Vorsicht, der Mann ist gefährlich. Und gut.

Nicht verpassen:

Mirco Buchwitz ist am 23. Juni zu Gast auf der langeleine-Release-Party. Der 32-Jährige wird Highlights aus seinen Programmen und neue Storys zum Besten geben.

Mirco Buchwitz: www.mircobuchwitz.de

(Fotos: Jörg Smotlacha)

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Kategorien: Literatur, Menschen

Ein Kommentar

  1. Very interesting page. I would like to listen to or watch a concert performance.

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