Marcel Seniw
1. März 2013

Die Zeche prellen im Ruhrpott

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtspiel bei Borussia Dortmund

Der Schrecken aller vierten Offiziellen: Jürgen Klopp

Was war das für ein fulminantes Spiel am vergangenen Samstag! Hannover 96 hat den kleinen HSV aus Hamburg einfach mal mit einem 5:1-Sieg aus der heimischen Arena gefegt. Vor dieser Leistung kann man einfach nur den Hut ziehen. Immerhin hatte das Team von Mirko Slomka gerade 41 Stunden zuvor noch einen harten Fight in der Europa League geleistet. Und der Hamburger SV kam auch noch mit der Empfehlung eines 4:1-Auswärtserfolges beim amtierenden Meister Borussia Dortmund angereist. Das war wirklich stark von Didier Ya Konan, Mame Diouf, Moa Abdellauoe und Co. und obendrein ein ganz wichtiger Sieg auf dem Weg nach Europa, da sich momentan die halbe Bundesliga um die begehrten Plätze fünf und sechs zu prügeln scheint. Aber zur Gegenwart: Morgen trifft Hannover 96 im Signal Iduna Park auf den amtierenden Double-Sieger Borussia Dortmund. Und die Mannschaft von Coaching-Zonen-Rumpelstilzchen Jürgen Klopp steckt in einer handfesten Krise. Denn der BVB konnte in den letzten drei Bundesliga-Partien grade einmal lächerliche fünf Tore erzielen und vier Punkte holen. 96 hingegen holte sieben Punkte und ballerte die Kugel acht Mal in die Maschen. Außerdem schied Dortmund unter der Woche aus dem DFB-Pokal aus.

Jürgen Klopp und die Schiedsrichter

Doch sollte 96 es im Ruhrpott tatsächlich wagen, in Führung zu gehen, dann Gnade Ihnen Gott, Herr vierter Offizieller! Sie sind dann nämlich die ärmste Sau da draußen, wenn Dortmund-Trainer Klopp wieder in einen seiner tollwutähnlichen Rauschzustände gerät. Ihre Kollegen pfeifen sich einen Brei zusammen, welchen Sie dann ausbaden müssen. Dabei sind Ihre einzigen Aufgaben doch nur das Täfelchen-Hochhalten und Stollen-der-Einwechselspieler-Überprüfen. Und dennoch bangte schon so mancher Ihrer Kollegen um sein Leben, wenn Jürgen Klopp vor Wut schäumte und zum Hulk mutierte. Trotzdem: Es mag viele Kritiker an Klopps impulsiver Art als Trainer geben, Lutz Michael Fröhlich aber, Leiter der Abteilung Schiedsrichter beim DFB, hat den Vogel abgeschossen. Als Obermacker seiner Zunft ist es selbstverständlich, dass er versucht, seine Pfeifen vor dem bösen schwarz-gelben Mann mit der Kappe zu schützen. Doch als er Klopp dann vorwarf, dass dessen Verhalten gegenüber den Unparteiischen dafür sorgen könnte, das Schiedsrichter in unterklassigen Ligen verprügelt werden könnten, ging er doch etwas zu weit. Denn ich mag diesen bekloppten Klopp einfach, Gegner am Samstag hin oder her. Schaue ich knappe 28 Kilometer Luftlinie von Dortmund in nordwestliche Richtung und sehe dort Jens Keller auf der Schalker Bank wie ein Häufchen Elend kauern, dann wird mir klar: Fußball und Emotionen gehören einfach zusammen.

Ein hartes Pflaster für Spielleiter: der Signal Iduna Park in Dortmund

Nicht die schlechteste Ausgangslage

Nach zwei Meistertiteln in Folge und dem letztjährigen Double aus Pokal und Meisterschaft läuft es 2012/13 zum ersten Mal unter Jürgen Klopp auch international für Dortmund recht gut. Der BVB könnte am Dienstagabend im Rückspiel gegen Shakhtar Donetsk in das Viertelfinale der Champions League einziehen. Das wichtigste Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte steht an. Wirtschaftlich gesehen locken Millionen, sportlich Ruhm und Ehre. Da könnte die Mannschaft von Jürgen Klopp angesichts der Tatsache, dass sie in der Liga ja nicht mehr allzu viel nach oben und nur bedingt nach unten zu blicken braucht, eventuell gegen unsere Roten den einen oder anderen Spieler schonen, da die einzig verbliebene Titelchance nunmehr die Champions League ist. Und nach dem intensiven Pokal-Fight vom Mittwoch gegen Bayern München könnte dieses Szenario erst recht eine ernsthafte Option darstellen. Das würde Hannover 96 natürlich richtig gut in den Kram passen, zumal sich bei der Mannschaft von Klopp-Kontrahent Mirko Slomka grade ein Lauf andeutet. Aber ob 96 auswärts ausgerechnet gegen Dortmund wieder ein Sieg gelingen kann? Die letzten beiden Heimspiele gegen Machatschkala und Hamburg haben jedenfalls bewiesen, dass die Truppe wirklich heiß auf Europa ist. Das Auswärtsspiel in Dortmund könnte also genau zum richtigen Zeitpunkt kommen, um alle drei Punkte mitzunehmen und nichts zu hinterlassen. Um also sozusagen die Zeche zu prellen.

Gewagtes Rechenspiel

Borussia Dortmund gegen Hannover 96. Ein Spiel, welches für Tore, Tore, Tore steht. Beim letzten Aufeinandertreffen im Signal Iduna Park im DFB-Pokal-Achtelfinale im letzten Dezember hagelte es eine derbe 1:5-Klatsche für die Roten. So etwas wird aber morgen nicht passieren, wenn man die aktuellen Ergebnisse beider Teams gegen den Hamburger SV als Maßstab heranzieht. Dortmund verlor vor zwei Wochen 1:4 gegen Hamburg, Hannover ballerte den kleinen HSV mit 5:1 zurück in die Elbe. Pi mal Daumen ergibt das ein 9:1 für Hannover. Subtrahiert man nun das verlorene Pokalspiel, kommt man trotzdem noch auf einen 4:0-Erfolg für Hannover. Berücksichtigt man dann noch die Auswärts-Lethargie unseres Teams, dann reicht es summa summarum für ein 2:1 für Hannover 96. Sollte es dennoch eine Niederlage geben, wovon ich nicht ausgehe, da ich heute wieder meine rote Brille aufhabe, dann möchte ich an dieser Stelle an meine ehemaligen Mathelehrer verweisen, welche sich die Zähne an mir ausbissen. Mathe war halt nicht so meine Stärke.

Samstag, 2. März 2013, 15.30 Uhr:
Borussia Dortmund – Hannover 96

(Fotos: Wikipedia/Christopher Neundorf)

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Kategorien: Sports, Unrat

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