Jörg Smotlacha
25. März 2013

Phoenix aus der Asche

Das Verhör: „American Twilight“ von Crime And The City Solution

Erruptiver Ausbruch: Crime And The City Solution: „American Twilight“, CD-Cover

Crime And The City Solution gehören sicherlich zu den Bands, die nur Insidern bekannt sind. Und deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass diese Formation gut 25 Jahre nach ihrer Gründung im australischen Sydney noch einmal zurückkommt, um mit der CD „American Twilight“ wie ein Phoenix aus der Asche ihr ganz eigenes künstlerisches Statement abzugeben. In ihrer Frühzeit machte die Band um Sänger Simon Bonney vor allem mit ihrer monotonen Fuzz-Gitarre von sich reden, gehörte zur australischen Post-Punk-Szene, freundete sich in Melbourne mit Nick Caves Schüler-Projekt The Boys Next Door an und zerbrach schließlich 1979, ohne ein einziges Album aufgenommen zu haben. 1985 reformierte Bonney Crime And The City Solution in Berlin und London unter Beteiligung des leider viel zu früh verstorbenen, genialen The Birthday Party-Gitarristen Rowland S. Howard, seines Bruders Harry Howard und des multitalentierten Nick Cave-Mitstreiters Mick Harvey, um fortan im Umfeld der Einstürzenden Neubauten und der Bad Seeds sein Unwesen zu treiben. In dieser Phase entstanden die in der Szene vielbeachteten und doch stets im Schatten von Caves Schaffen stehenden Veröffentlichungen „Room of Lights“ (1986), „Shine“ (1988), „The Bride Ship“ (1989) und „Paradise Discotheque“ (1990). Und in dieser Zeit stießen auch die Violinistin Bronwyn Adams und der Neubauten-Gitarrist Alexander Hacke zu Crime And The City Solution, die 1987 einen Gast-Auftritt in Wim Wenders Spielfilm „Der Himmel über Berlin“ hatten, nur um sich schließlich 1991 erneut aufzulösen.

So viel zur Vorgeschichte. 2012 dann die Überraschung: Aus Berlin waren Neuigkeiten zu vernehmen, denen zu Folge Crime And The City Solution in der Besetzung mit Bonney, Adams, Hacke, Schlagzeuger Jim White, Videokünstlerin Danielle de Picciotto, Keyboarder Matthew Smith und Bassist Troy Gregory wieder aktiv geworden waren. Die eigentliche Überraschung aber war die Beteiligung des alten 16 Horsepower- und Woven Hand-Masterminds David Eugene Edwards an der zweiten Gitarre. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dass sich Edwards, ein so genialer wie einzelgängerischer Musiker, einem Projekt angeschlossen hatte, das von so unterschiedlichen Charakteren leben sollte. Aus dem Gerücht aber wurde Realität. Und nun sind Crime And The City Solution zurück und haben vor ein paar Tagen ihre aktuelle CD „Amertican Twilight“ veröffentlicht, die in der ehemaligen amerikanischen Industriemetropole Detroit aufgenommen wurde.

Das Ergebnis ist zunächst einmal ein erruptiver Ausbruch, wie ihn sich ein Nick Cave schon lange nicht mehr erlaubt hat. Die ersten drei Songs des Albums, „Goddess“, „My Love Takes Me There“ und „Riven Man“, leben von Bonneys düsterem Gesang, Hackes und Edwards infernalischen Gitarren und sind überraschenderweise Noise Rock pur. Die Musik brodelt vor sich hin und präsentiert eine Band auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität. Nein, dies ist kein belangloses Comeback, wie man leider so viele erlebt, sondern eine Aussage. Dann nimmt die CD spürbar Tempo heraus, wird fast balladesk und zieht in den Songs „Domina“ und „The Colonel (doesn’t call anymore)“ alle musikalischen Register und Facetten, nur um dann doch – wenigstens ein einziges Mal -, in Track 6, „Beyond Good And Evil“, eine Reminiszenz an das große Vorbild Nick Cave abzugeben. Der Titelsong „American Twilight“ schließlich rockt noch einmal richtig los, bevor das Album mit „Streets Of West Memphis“ melancholisch ausklingt. Aller Ehren wert.

Crime And The City Solution: CD, 8 Songs, 41:06 min., Mute Artists Ltd (Goodtogo)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Musik

Kommentiere diesen Artikel