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Eine Insel mit zwei Bergen

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim FC Augsburg

David Alaba und Sascha Mölders während des Spiels Bayern München gegen den FC Augsburg

Verdammt nochmal, was für eine langweilige Woche haben wir Bundesliga-Passionierten da gerade hinter uns? Während die Liga Woche für Woche Dramatik vom Feinsten bietet, hat die Nationalmannschaft mal wieder Business as usual betrieben. In zwei Spielen gegen Kasachstan hat Jogi Löws Team zwar sogar das „Falsche-Neun-System à der Spanier probiert und das sah auch ganz nett aus, aber ich bevorzuge dennoch den echten Stürmer, den Typen, der mal draufhält im Strafraum und nicht noch ein Zuckerpässchen nach dem anderen spielt. Aber egal: Deutschland hat beide Spiele trotz neumodischer Stürmer-Philosophie gewonnen, und wir können uns nun wieder den wirklich wichtigen Themen, sprich der Fußball-Bundesliga, widmen. Dort gibt es nämlich Spannung pur auf den Plätzen und keine Pseudo-Fans, die ihren eigenen Torhüter aufgrund eines Patzers gleich in Grund und Boden pfeifen. Hannover 96 hat mal wieder eine Auswärtspartie vor sich. Das bedeutet, dass ich an dieser Stelle prinzipiell mit meiner Kolumne aufhören, da wir in Hannover ja allmählich zur Genüge kennen, was 96 auswärts Woche für Woche erreicht. Aber aufgeben kommt nicht in Frage, und so schreibe ich weiter, in der immerwährenden Hoffnung, die Roten auswärts siegen zu sehen…

Augsburger Puppenkiste

Der Gegner von Hannover 96 kommt diese Woche aus Augsburg. Augsburg? Ja, na klar. Sorry, lieber FCA, aber ich kann mir den Witz mit der Puppenkiste kaum verkneifen – und daran seid Ihr auch noch selber schuld. Denn wenn man als Tor-Hymne „Eine Insel mit zwei Bergen“ wählt, dann kommt kein Kolumnist dieser Welt am Vergleich mit Jim Knopf und seinem Kumpel, dem Lokomotivführer Lukas, vorbei. Doch zu den Fakten: Die Augsburger spielen im zweiten Jahr Bundesliga und haben es geschafft, sich nach einer völlig verkorksten Hinserie mit mickrigen neun Punkten, sich auf den 16. Platz, der zur Relegation gegen den Dritten der Zweiten Bundesliga berechtigen würde, vorzukämpfen. Und Kampfgeist besitzt die Truppe von Trainer Markus Weinzierl, auch wenn es in der Hinrunde manchmal so aussah, als hätten die Augsburger Marionetten auf den Platz geschickt. Dumm nur, dass die Fäden irgendwie verknotet waren. Aber zur Rückrunde haben die Spieler ihre Fäden dem Anschein nach zerschnitten. Der FC Augsburg holte bereits 15 Zähler in der Rückrunde. Die Mannschaft hat den Abstiegskampf jedenfalls angenommen. Besonders aufpassen müssen unsere Roten heute auf Sascha Mölders. Der ist ein „echter Neuner“ und ein Mittelstürmer vom alten Schlag: technisch limitiert, aber mit Wucht. Eine richtige Kante sozusagen. In der Hinrunde war Mölders lange Zeit verletzt und konnte sein Team nicht mit seinen Toren unterstützen. Seit dem elften Spieltag jedoch knippst der Sturm-Tank wieder. Neun Tore stehen für ihn bereits zu Buche. In 16 Spielen nicht die schlechteste Quote.

Hier lassen Augsburger ihre Puppen tanzen: die SGL Arena

Das Spiel von Hannover 96 verleitet zum Ärgern

Als Autor dieser Zeilen stoße ich an dieser Stelle aber dennoch an Grenzen. Augsburg gibt trotz der Puppenkiste einfach nicht allzu viel her. Würde beispielsweise David Alaba, Spieler des FC Bayern, beim FC Augsburg spielen, hätte ich eine nette Story über Jim Knopf schreiben können: Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Außerdem versuche ich mich so gut es geht zu weigern, über unsere Roten zu schreiben. Ernsthaft, das Spiel vor zwei Wochen gegen Borussia Mönchengladbach hat mich zu ungeahnten Tiraden des Ärgers verleitet. Da ist mir die Galle hochgestiegen. Spielaufbau? Fehlanzeige! Struktur im Spiel? Fehlanzeige! Lange Bälle auf Diouf? Ohne Ende! Was brachte es? Nichts. Sergio da Silva Pinto aber brachte das Fass mit seiner völlig bescheuerten und unnötigen Roten Karte zum Überlaufen. Da bleibt für das morgige Spiel beim FC Augsburg wenig Hoffnung.

Das Orakel streikt

Wie unsere treuen langeleine-Leser bereits wissen, folgt an dieser Stelle normalerweise eine Schlussfolgerung, warum Hannover 96 sein nächstes Spiel dennoch gewinnen wird. Darauf habe ich aber dieses Mal keine Lust. Heute streikt das Orakel in mir. Sind wir es doch inzwischen nur allzu gewohnt, dass die Roten ihre Punkte in der Fremde lassen. Mal ehrlich: Martin Kind sollte Sponsoren für die nächste Saison gewinnen, die den 96-Fans bei Auswärtsspielen die Tickets plus Reise sponsern. Denn ernsthaft: Wer will sich denn noch freiwillig ständig Hannovers Auswärtsdebakel live vor Ort geben? Das Ganze grenzt schon fast an Masochismus und ist deshalb nur etwas für die ganz Harten. Ich für meinen Teil habe zuletzt sogar schon am Fernseher Brechreize bekommen. Teilweise auch den Hoeneßschen Kopf in Rot und das Gesichtsfasching eines Jürgen Klopp. Deshalb bitte ich die Truppe von Mirko Slomka, dass sie heute einfach mal wieder Fußball spielt. Dann schreibe ich nächstes Mal auch wieder ganz nett über Hannover 96. Versprochen.

Samstag, 30. März 2013, 15.30 Uhr:
FC Augsburg – Hannover 96

(Fotos: Wikipedia/Augsburger Puppenkiste)

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