Susanne Viktoria Haupt
1. April 2013

Für Eltern oder Kinder

Seitenansicht: „Der Reggaehase Boooo und die rosa Monsterkrabbe“ von Jens Strohschnieder

Niedlich, aber nur bedingt zielgruppentauglich: „Der Reggaehase Boooo und die rosa Monsterkrabbe“, Buchcover

Der kleine Reggaehase Boooo mit den vier O’s ist, wie sein Name schon sagt, ein absoluter Reggae-Fan, besonders von der im Reggae-Wald lebenden Band „Green Rainjackets“. In seinem ersten Abenteuer „Der Reggaehase Boooo und der König, der nicht mehr tanzen wollte oder konnte“ verhalf er den Musikern zur Wiedereröffnung ihres Proberaums und er wurde gar eine Art persönlicher königlicher Berater, da er dem König das Tanzen lehrte. Nun steht ein neues Abenteuer bevor: Vier Nashörner holen Boooo von der Königsgarde ab, weil eine riesige rosa Monsterkrabbe auf dem Weg in den Reggae-Wald sein soll, um alle Anwohner zu fressen. Sogar den HipHop-Wald soll das Riesentier schon zerstört haben, und so wundert es niemanden, dass die königlichen Minister panisch an den dubiosesten Rettungsplänen arbeiten und auch die restlichen Bewohner des sonst so entspannten Waldes in heller Aufruhr sind. Und in dieser Situation soll Boooo nach einer Lösung suchen. Da kommt ihm der Ska-Vogel gerade recht, denn der glaubt ebenso wie Boooo, dass man sich die Krabbe erst einmal anschauen sollte, bevor man Panik verbreitet. Und so macht sich Boooo auf dem Rücken des Ska-Vogels auf die Suche nach der Monsterkrabbe, die ausgerechnet an dem Samstag eintreffen soll, an dem die „Green Rainjackets“ ein großes Konzert geben…

„Der Reggaehase Boooo und die rosa Monsterkrabbe“ ist ein Kinderbuch für Kinder von 35 Monaten bis zehn Jahren. Doch auch wenn die Geschichte niedlich verfasst ist: Sie ist für Kinder in diesem Alter noch nicht gänzlich verständlich. Denn Reggae, Ska oder HipHop sind genauso wie der Ausdruck „zu kommerziell“ oder Anspielungen auf einen Mauerbau für die ganz jungen Leser noch nicht greifbar. Vor allem für diejenigen unter ihnen, die bereits selber lesen, sind die englischen Ausdrücke – genauso wie die Songtitel der Band „Green Rainjackets“, die in dem Buch Verwendung finden – ohne elterliche Erklärung noch zu schwierig, um sie eigenständig zu erfassen. Die beiliegende Hörspiel-CD, die sowohl das Buch als Hörfassung beinhaltet als auch musikalische Einspielungen von Boooo’s Lieblingsband, ist aber sehr gelungen und lässt die Geschichte in ihrer Vielfalt erlebbar werden. Insgesamt aber erscheint die Serie um den Reggaehasen mehr wie eine Kinderbuchreihe für Eltern, die ihre Kinder schon früh an ihre eigenen Vorlieben heranführen möchten und im kindlichen Bücherregal gerne „alternative“ und „coole“ Lese-Exemplare stehen haben, statt auf die wahren Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen. Vollständig misslungen ist „Der Reggaehase Boooo und die rosa Monsterkrabbe“ aber dennoch nicht, und mein siebenjähriger Probeleser fand das Werk durchaus lustig und würde er es eventuell auch noch ein zweites Mal lesen. Gegen die Kinderbuch-Elite kommt Boooo allerdings nicht an.

Hinter dem Konzept der Reggaehasen-Reihe steht die deutsche Reggae- und Ska-Band Yellow Umbrella. Geschrieben wurden die Bücher von Leadsänger Jens Strohschnieder, und die Band steuerte gemeinschaftlich die Musik zur Hörbuch-CD bei. Die sehr gelungenen Illustrationen wiederum kommen von Łukasz Rusinek, der unter anderem das Album-Cover zu Yellow Umbrellas Album „little planet“ gestaltete und seit 1996 in der bekannten polnischen Reggae-Combo Paprika Korps die Leadgitarre spielt. Sprecher der Hörbuchversion ist der in Deutschland bekannte Ska- und Reggae-Künstler Dr. Ring Ding, der mit bürgerlichem Namen Richard Alexander Jung heißt und auch schon als Moderator für den WDR tätig war.

Jens Strohschnieder: „Der Reggaehase Boooo und die rosa Monsterkrabbe“, Kinderbuch, 32 Seiten, Voland & Quist, ISBN-13: 978-3863910068, 18,90 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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