Marcel Seniw
6. April 2013

Die Bluthunde aus dem Schwabenländle

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart

Ließ letzte Woche gegen Dortmund sein Rudel von der Leine: Bruno Labbadia, Trainer des VFB Stuttgart

Wahnsinn, Hannover! Ich traute meinen Augen kaum. Es war geradezu unfassbar. 2:0 gewonnen auf des Gegners Platz! Das wir das noch erleben durften in dieser Saison, konnte ich kaum glauben. Da bedarf es schon einer echt fiesen Oster-Kolumne, in der ich keinen Pfifferling auf die Roten setzte, um das Team von Mirko Slomka mal wieder zum Siegen zu bringen. Nicht nur, dass Hannover 96 in Augsburg einen Dreier perfekt machte, der Vater des Erfolges, dank astreinem Doppelpack, hieß auch noch ausgerechnet Konstantin Rausch. Während die Entstehung seines ersten Treffers eher an einen Flipper-Automaten als an Fußball erinnerte, war der Lupfer zum 2:0-Endstand richtig Zucker, oder besser gesagt einfach Koka. Denn wie im Kokain-Rausch feierte der Junge seinen sehenswerten zweiten Treffer: Trikot aus, Funktionsunterwäsche aus und Abfahrt! Aber es musste ja so kommen. Denn erst wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, kann 96 auswärts siegen. Und das war vom Wettergott Akkurat eingefädelt: Dieses Ostern erinnerte wirklich eher an Weihnachten. Da ließ sich der Weihnachtshase Mirko Slomka auch nicht lumpen – er hat dem Koka Rausch bestimmt extra dicke Eier unter den Osterbaum gelegt. Wenn jetzt noch das Wetter besser wird und das kommende Heimspiel gewonnen wird, dann ist jedenfalls wieder eitel Sonnenschein in Hannover angesagt…

Nach den Schwaben ist vor den Schwaben

Beim anstehenden Heimspiel kommt der Gegner wieder aus dem Schwabenländle, denn diesen Sonntag ist der Prügeltrupp vom VfB Stuttgart zu Gast in Hannover. Man spricht im Fußball ja immer häufiger von den gewaltbereiten Fußball-Fans, welche sich unter dem Sammelbegriff Hooligans eintüten lassen. Bei den gemütlichen Schwaben ist das allerdings ein wenig anders. Dort sind die Fans allesamt ganz nette Häuslebauer. Dafür haben es aber die Spieler des VfB Stuttgart faustdick hinter den Ohren, wie Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, seinerzeit selbst ein unerschrockener Seitenlinien-Freibeuter, am letzten Wochenende erfahren durfte. Im Interview nach dem Spiel seiner Borussen gegen den VFB mahnte Klopp an, dass die Stuttgarter seine Spieler kaputt getreten hätten. Der Trainer blieb dabei allerdings ungewohnt ruhig. Ob Klopp wohl Angst hatte, dass Bruno Labbadia, Cheftrainer des VfB, seine Bluthunde auch auf ihn hetzen könnte? Man weiß es nicht. Dem Kloppo ist jedenfalls nichts passiert. Nur Marcel Schmelzer läuft nun mit einer schicken Zorro-Maske über den Platz, um sein gebrochenes Näschen zu schützen. VfB-Stürmer Martin Harnik hatte Schmelzer mal so richtig in die Fresse getreten. Daher maulte Jürgen Klopp ungewohnt herum und unterstellte dem VfB, unfair zu spielen. Rudelführer Labbadia konnte den Worten Klopps hingegen wenig abgewinnen. Der smarte Bruno konterte die Aussagen des gegenerischen Trainers gelassen und meinte zu den Unfairness-Vorwürfen nur: „Sollen wir so spielen wie der HSV in München?“. „Konsequent“ solle der VfB auch gegen Hannover (auf)treten. Die 96er sind also gewarnt.

Gibt diese Woche wieder den Ton an im 96-Angriff: Mame Diouf

Schwäbische Wundertüte

Der VfB Stuttgart ist ein traditionsreicher Verein, der zur Bundesliga gehört wie Trainerwechsel zur TSG Hoffenheim, wo sich derzeit bereits der vierte Trainer der Saison probiert. Dabei beweist der VfB Jahr für Jahr wieder, dass er anscheinend den Begriff Wundertüte patentieren lassen möchte. Währende das Team 2007 noch deutscher Meister wurde, dümpelt es ganze sechs Jahre später im Niemansland der Bundesliga herum. Fast schon traditionell spielten die Schwaben in der Hinrunde richtig Grütze, worauf dann meistens eine Aufholjagd in der Rückrunde folgte. Aufgrund dieser Tatsache kam der Club meistens irgendwie zur Teilnahme an den europäischen Klub-Wettbewerben. Immerhin verpasste der VFB in den letzten zehn Spielzeiten nur zwei Mal das europäische Geschäft – drei Mal probierte er sich dabei sogar in der Champions League. Ob es in dieser Saison für die Schwaben aber noch für Europa reicht, darf angesichts des derzeitigen 13. Tabellenplatzes und einem Abstand von sieben Punkten auf Platz sechs arg bezweifelt werden.

Versprochen ist versprochen

Letzte Woche habe ich bei meiner Vorhersage zum Spiel in Augsburg an dieser Stelle noch geschimpft wie ein Rohrspatz zur Paarungszeit, der keine Vogelfrau abbekam. Das ist allerdings Schnee von Ostern. Wie versprochen, schreibe ich nun wieder ganz lieb, in der festen Überzeugung, dass Hannover 96 noch die Europa League erreichen wird. Es muss einfach so kommen, wenn nun sogar Konstantin Rausch Auswärtssiege klarmacht. Durch den Sieg in Augsburg hat Hannover 96 jedenfalls den letzten Platz in der Auswärts-Tabelle abgeben können. Und heimstark ist das Team von Trainer Mirko Slomka ja ohnehin. Mit dem VfB Stuttgart kommt aber immerhin das viertbeste Auswärts-Team der Liga. Also ist eine gehörige Portion Wachsamkeit angesagt. Und dennoch sage ich, die Roten schaffen morgen einen Dreier. Mit extra fest getapeten Knöcheln, XXL-Schienbeinschoner, wie sie Eishockey-Torhüter tragen, und einer Prise Aggressivität, sollte 96 Brunos Bluthunde an der kurzen Leine halten können. Da morgen auch Mame Diouf und Sergio da Silva Pinto ihre Sperren abgesessen haben, kehren der aggressive Leader und der laufstarke Tor-Garant zurück. Darüber hinaus konnte man letzte Woche auch mal wieder zu Null spielen. Da kann doch in einem Heimspiel eigentlich nichts schieflaufen, erst recht gegen ein Team, bei welchem man in der Hinserie schon gewinnen konnte. Also: Auf gehts, Hannover, holt drei Punkte für Europa!

Sonntag, 7. April 2013, 17.30 Uhr:
Hannover 96 – VfB Stuttgart

(Fotos: Wikipedia)

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Kategorien: Sports, Unrat

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