Marcel Seniw
19. April 2013

Bye bye, Europa?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den FC Bayern München

Kommt zum letzten Mal als Trainer der Bayern nach Hannover: Jupp Heynckes

Auweia 96, was ist denn da auf einmal los? Nicht nur, dass die Niederlage beim SC Freiburg vom vergangenen Wochenende wohl gleichbedeutend mit dem Ende aller europäischen Träume ist. Viel schlimmer als die ernüchternde Tatsache der tabellarischen Einöde wiegt jedoch der Abgang von Sportdirektor Jörg Schmadtke. Hannover 96 und der wohl beste Manager der jüngeren Vereinsgeschichte gehen ab sofort getrennte Wege – das ist schon heftig. Holte Schmadtke doch Spieler wie Ron-Robert Zieler, Didier Ya Konan, Mohammed Abdellaoue und Mame Diouf zu Hannover und das für wirklich gute Konditionen. Und es war Schmadtke, der die Mannschaft nach dem tragischen Selbstmord von Robert Enke als Mediator wieder auf Kurs brachte. Aber es ist nicht zu ändern. Mir wird Jörg Schmadtke jedenfalls fehlen. Schade.

Eine andere Liga

Aber genug der Hintergründe. Hinten ist von gestern. Vorwärts blicken ist angesagt. Und vor Hannover 96 liegt ein dankbarer Gegner, der morgen in die AWD-Arena kommt. Der FC Bayern, zukünftiger Deutscher Meister, schaut mal eben vorbei. Das wird lässig. Bayern hat bislang auswärts nur ein einziges Mal unentschieden gespielt – beim 1:1 in Nürnberg. In den restlichen 13 Auswärtsspielen der Saison gewann der FC Bayern immer und kassierte nur einen weiteren Gegentreffer. Die Ausgangslage scheint also eindeutig. Zumal Bayern München in der Rückrunde bislang jedes Spiel gewonnen hat. Jupp Heynckes stellt zurzeit aktuell das wohl beständigste Team Europas auf. Und nun steht in der Champions League das Giganten-Duell gegen den FC Barcelona bevor. Eventuell wird Heynckes also den ein oder anderen Akteur schonen, doch auch das muss nicht unbedingt Gutes für Hannover verheißen, denn Nürnberg kassierte von der bayrischen „B-Elf“ zuletzt ganze vier Gegentore und Hamburg gar neun. Bayern ist also stark wie nie und spielt momentan definitiv in einer anderen Liga als Hannover.

Sitzt zum ersten Mal ohne Sportdirektor Jörg Schmadtke auf der Trainerbank: Mirko Slomka

Endspiel

Hannovers allerletzte winzige Chance auf die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb führt dennoch nur über den FC Bayern. Die Fans erwartet also wird eine Art Endspiel gegen den neuen Deutschen Meister. Das bedeutet, dass das Team von Trainer Mirko Slomka sich zerreißen muss, um etwas zu bewegen. Jeder Spieler von 96 muss an das Limit gehen und ungefähr noch einmal 50 Prozent darüber, um dem FC Bayern Einhalt zu gebieten und dann vielleicht sogar Punkte zu holen, doch das wird schwer. Und trotzdem: Jeder, der morgen das rote Trikot trägt, muss sich gewiss sein, dass dieses Spiel das erste Endspiel von hoffentlich noch einigen sein kann. Noch ist es nicht zu spät, auch wenn mich diese Durchhalte-Parole selber langsam nervt, denn die Gesamtsituation sieht derzeit eher tragisch aus, wenn man ein Hannover 96-Fan ist. Schmadtke ist weg, Europa weiter entfernt denn je, der FC Bayern wirkt unschlagbar und aller Voraussicht nach steigt auch noch Eintracht Braunschweig in die Bundesliga auf.

Kann Hannover die Rekord-Bayern überhaupt schlagen?

Tja, diese Frage bereitet mir nicht nur metaphorisch betrachtet Zahnschmerzen. Nein, diese habe ich wirklich. Und zerrissen bin ich als heimlicher Bayern-Fan obendrein, doch ungeachtet aller Zahnschmerzen und Begleiterscheinungen rund um das Spiel, denke ich, dass das hannoversche Team morgen aufpassen muss, dass es nicht auseinandergenommen wird. Auch wenn die Truppe das Wissen um die letzte Chance verinnerlicht haben sollte, spielen die Münchener momentan einfach zu gut, um den Hannoveranern eine Chance zu lassen. Bye bye, Europa! Doch vielleicht irre ich mich ja. Im Fußball ist alles möglich, das ist ja gerade das Schöne.

Samstag, 20. April 2013, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – FC Bayern München

(Fotos: Wikipedia)

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Kategorien: Sports

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