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Teetrinken in Fürth?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth

Irgendwie putzig, aber für die Gastgeber keine Festung: In der Trolli Arena hat Greuther Fürth in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen

Ich muss sagen, ich bin völlig fertig mit den Nerven. Nach den Gala-Auftritten von Bayern München und Borussia Dortmund in der Champions League in dieser Woche stehen die beiden deutschen Vertreter mit jeweils einem Bein im Finale der Königsklasse. Und das findet auch noch im Londoner Wembley-Stadion statt. Zwei deutsche Teams in einem Champions-League-Finale gab es noch nie – und dann ausgerechnet in England? Die Fußballwelt zeigt sich dieser Tage also wieder einmal von seiner so erfreulichen wie ironischen Seite. Und es ist einfach stark, wie sich der deutsche Fußball in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Das erkennen jetzt auch die Briten an: Das Fachmagazin „World Soccer“ kürt in seiner Mai-Ausgabe [1] die Fußball-Bundesliga zur besten Liga der Welt.

Hannover besser als Barcelona

Es bleibt also festzustellen, dass Hannover 96 in der besten Liga der Welt spielt. Und ist dennoch von der Champions League leider meilenweit entfernt. Aber 96-Trainer Mirko Slomka könnte in den kommenden Tagen einen Anruf einer unbekannten Nummer erhalten. Der Anrufer könnte ein gewisser Tito Vilanova sein, Trainer des FC Barcelona. Doch was könnte Vilanova von Mirko wollen? Er will bestimmt nicht Konstantin Rausch nach Barcelona lotsen, denn der scheint sich schon mit dem VfB Stuttgart über ein neues Arbeitspapier einig zu sein. Aber er könnte Slomka fragen, wie man gegen den FC Bayern Tore schießt. Denn wenigstens das hat Hannover 96 dem katalanischem Star-Ensemble voraus.

Fränkische Abschiedstournee

Seien wir ehrlich, der Tito wird wohl nicht bei Mirko Slomka anrufen. Und der hätte auch gar keine Zeit für solche Kinkerlitzchen, denn er hat sich und seine Mannschaft auf das Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Greuther Fürth vorzubereiten. Die Fürther spielen zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in der Bundesliga. Und es wird wohl auch vorerst zum letzten Mal sein. Fürth hat zwar rechnerisch noch Chancen auf den Klassenerhalt, doch bei aller Fußball-Romantik glaubt niemand mehr daran. Die Fürther haben ihr Schicksal aber mit Humor genommen. So hat man zum Rückrundenauftakt beispielsweise eine recht originelle Plakataktion [2] gestartet. Und der Online-Fanshop der Fürther verhökert seinen „1.Liga Tee“ inzwischen für den halben Preis. Die Frage ist jedoch, ob sich der Kräutertee mit Guarana und Krauseminze überhaupt trinken lässt, oder ob man davon Bauschmerzen bekommt. Halt so wie Fürther Fußballfans an so gut wie jedem Wochenende. Für Fürth geht es also morgen gegen Hannover 96 um nichts mehr, die Mannschaft kann befreit aufspielen. Beleg dafür war bereits am letzten Sonntag der Derby-Sieg in Nürnberg, welcher für die Fans fast großartiger als ein weiteres Jahr Bundesliga ist. Da es für unsere Roten wohl oder übel am morgigen Abend auch um nichts mehr geht, könnte sich ein interessantes Spiel zweier völlig unbeschwert auftretender Mannschaften entwickeln.

Hannover 96-Fans hoffen, dass ihre Mannschaft morgen nicht nur zum Teetrinken nach Fürth fährt

Auf Schmadtke folgt Dufner

Ob Hannover aber wirklich so befreit ist, bleibt abzuwarten. Zwar hat die Dauerthematik ob der Hassliebe zwischen Trainer Mirko Slomka und Manager Jörg Schmadtke seit letzter Woche ein Ende, doch brachte deren Abgang auch erhebliche Unruhe mit sich. Schmadtke zog sich von seinem Amt zurück und ebnete den Weg für den neuen Sportdirektor Dirk Dufner, der seinerseits vom SC Freiburg kam. Sechs Jahre war Dufner dort aktiv und dabei recht erfolgreich. Doch missfiel ihm anscheinend der Ausverkauf beim Sport Club. Vier Spieler haben sich nun schon für andere Vereine entschieden. Tendenz steigend. So machte sich also auch Dufner auf die Suche nach einer neuen Herausforderung. Sehr passend, dass man in Hannover gerade einen neuen Manager suchte.

Auswärtssieg!

Hannover 96 wird morgen Abend in Fürth siegen. Das ist Fakt! Warum? Die Stürmer haben jetzt schon ziemlich lang nicht mehr getroffen, und der Knoten muss einfach mal wieder platzen. Die Abwehr stand, mit Ausnahme des Spieles gegen die übermächtigen Bayern in letzter Zeit immer besser. Mit Cherundolo kehrte der Kapitän zurück an Bord und auch der langzeitverletzte Lars Stindl ist seit zwei Wochen wieder mit dabei. Leon Andreasen ist nach seinem Kreuzbandriss ebenfalls wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Das Lazarett lichtet sich. Da kommt doch Stimmung auf. Außerdem möchten die Roten kein guter Gast sein und fahren hoffentlich nicht nur zum Teetrinken ins Fränkische, denn Fürth hat noch kein einziges Heimspiel in dieser Saison gewonnen. So soll das auch bleiben. Und ganz nebenbei hat Hannover 96 ja sogar dem großen FC Barcelona etwas voraus.

Freitag, 26. April 2013, 20.30 Uhr
SpVgg Greuther Fürth – Hannover 96

(Fotos: Wikipedia)

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