Jörg Smotlacha
22. April 2013

Kopfkino

Das Verhör: „Komplize“ von Komplize

Noise-Rock mit diversen Spannungsbögen: Komplize, CD-Cover

Mit einem speziellen Artwork kommt das zweite Album der hannoverschen Noise-Rock Combo Komplize daher: Die Songtitel werden auf dem Back-Cover der CD ausschließlich als Bilder dargestellt und auch im Innenteil des Booklets dominieren, neben den deutschen Songtexten, die Fotos – allesamt formalistische Detailaufnahmen von Gebrauchsgegenständen. Und genauso ambitioniert kommt die Musik des Trios in die Wertung: Da sind neben Gitarre, Bass und Schlagzeug auch Megafon, Stylophon, Baritone und Kaoss Pad im Einsatz, und es sind jede Menge Geräusche und Wortfragmente zu hören. Der Rest ist Core, ist Stoner, ist ein bisschen Emo, manchmal Indie, auf jeden Fall Alternative und durchaus eigen und deswegen hörenswert.

„Meer und los“, „Götzendienst“, „Vor dem Start“ oder „Dein Kopf geht auf“ – die Songs der Hannoveraner leben durchweg von diversen Tempowechseln und einem hohen Spannungsbogen. Und auch wenn letzterer manchmal ein wenig überzogen wird und die Band in ihrem durchaus beeindruckenden Sound-Kosmos möglicherweise zuviel auf einmal will – die Songs sind im Schnitt knapp sechs Minuten lang -, bleibt festzuhalten: Komplize machen keine Kompromisse, brettern in einem Moment ungeniert nach vorn, nur um im nächsten ruhigere Passagen beinahe bis in die Unendlichkeit auszudehnen. Das alles ist großes Kopfkino. Am Überzeugensten gerade dann, wenn eine Idee auch einfach mal im Raum stehen darf wie im brachialen „Frust“, dem ruhige startenden, sich erst ganz langsam zu einem wahren Soundwall auftürmenden „Kois“ oder dem melodischeren, namenlosen Song Nummer sechs. Keine Frage: Tim Nielsen, Holger Banse und Ben Weingart sind eine Bereicherung für den modernen Noise-Rock. Nicht nur in Hannover.

Komplize: „Komplize“, CD, 9 Songs, 53:19 min., Selbstvertrieb

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Kategorien: Musik

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