Henning Chadde
13. Mai 2013

Alte Säcke, schön jung…

Das Verhör: „Ductape“ von Ducs

Mit Vollgas zurück nach vorn, made in Hanover: „Ductape“, CD-Cover

Hossa, als sich Kurt Cobain im April 1994 erschossen hat, war der Ducs-Frontmann Christian Kretzschmar gerade einmal drei Jahre alt. Nicht, dass die gute, alte Nirvana- und Grunge-Vorsteherdrüse gesanglich hörbar zu seinen Vorbildern zählen würde. Aber dennoch ist beim aktuellen Ducs-Debüt „Ductape“ eines kaum überhörbar: die Vorliebe des Trios, dessen Mitglieder zur Hoch-Zeit der Grunge-Ära alle nicht viel älter als ihr Frontmann gewesen sein dürften, für eben jenen Gitarren-Aufbruch von Anfang bis Mitte der Neunziger. Alice In Chains, Seether, eine fette Portion Stained, ein Schuss Foo Fighters, eine kleine Portion Stone Temple Pilots, bei den Ducs ist eines klar: ihre kompositorischen und soundtechnischen Inspirationen finden sie deutlich in der – fast hätte der zugegebenermaßen recht betagte Verfasser dieser Zeilen gesagt „näheren“ – Vergangenheit. Aber jene ist ja nun auch schon wieder gut und gerne schlappe zwanzig Jahre her.

Um so erstaunlicher, mit welcher Selbstverständlichkeit und Raffinesse sich die „Down Under City Surfers“, namentlich Christian Kretzschmar an Gitarre und Gesang, Malte Schalk am Bass und Drummer Sören Schalk, ihren vermeintlichen Vorbildern widmen. Und mit welch überraschender Qualität es ihnen gelingt, sie in die Neuzeit zu transportieren. Zudem die Ducs, die aus Wennigsen stammen, dem alten Achtziger- und Neunziger-Gütesiegel „Hanover Rock City“ tatsächlich eine Menge Ehre machen. Krachen Kopfnicker-Smasher wie „Get Up’n’Go!“, „Let It Die“ oder aber auch das abschließende „Fade“, das mit einem smart eingeschobenen QUOTSA-Riff-Einschlag überzeugt, doch überraschend eigenständig und gekonnt retro-vollbrüstig in die Lautstärke geneigten Gehörgänge. Und eben nicht nur in jene der good ole „Alten-Säcke-Fraktion“. Respekt, Burlis. Und gerne weiter so, erscheint doch 2014 schließlich der erste Ducs-Longplayer. Spannend. Übrigens: Als sich Mr. Cobain 1994 mit siebenundzwanzig Lenzen in den Rocker-Olymp verabschiedet und neben Morrison, Hendrix, Joplin & Co. Platz genommen hat, stand der Verfasser dieser Zeilen kurz vor seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag und verzapfte mit seiner damaligen Band Alexxis Machine eine ziemlich eigentümliche Art „Melvins-Eye-Hate-God-Whatever-Blues“. Schön, so schön war die Zeit. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

Ducs: „Ductape“, CD, 6 Songs, 21 min., Timezone Records

  • Übrigens: Am Samstag, dem 8. Juni, laden Ducs im Rahmen der Party Faust Forward zum offiziellen CD-Release-Konzert in die 60er-Jahre Halle des Kulturzentrums Faust. Um 24 Uhr geht es los, der Eintritt beträgt 5 Euro
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Kategorien: Musik

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