Jörg Smotlacha
27. Mai 2013

Slow Motion in Rock

Das Verhör: „Garbage Man“ von Donkey Pilots

Eine Menge Müll im Hirn: „Garbage Man“ von den Donkey Pilots, Cover

Der Herr auf dem Cover der CD ist offenkundig ein Bastard, der den Müll einer ausgearteten Konsumgesellschaft in seinem Kopf trägt: Da ist eine Pistole zu sehen, ein Hamburger, eine Spielkarte und sogar ein verschreckt blickender Pacman. Dementsprechend folgerichtig verspricht der Pressetext zur neuen Donkey Pilots-CD ein wildes Werk, ein „Fegefeuer von Sex, Schmutz und Seele“. Umso erstaunlicher ist aber, wie entspannt das Hamelner Quartett auf seinem Debüt daherkommt. Sanftmütig und stur ist er, der erdige Rock, den die selbsternannten „Godfathers of Blow Rock“ ihren Hörern da bieten. Und damit machen sie ihrem Namen alle Ehre.

Den Beginn macht das launig krachende „Celebrate Myself“, dem das beschwingt groovende „First Class Depression“ folgt. Depressiv ist das alles bei Weitem nicht, sondern eher eingängig und tanzbar. „Dog Shit Avenue“, „Sweet“ und „Space Station Of Your Worried World“ schrauben dann das Tempo noch zurück, und Hector Pascal, Tyler Bourbon, Alecks van Bexx und Morgan S. Tender beweisen, dass man mit einigen Prisen Blues, Psychedelic und Indie sowie einer schwer groovenden Rhythmus-Section herzhaft rocken kann, ohne voll auf den Putz zu hauen. Song Nummer sechs, „Vampire“ ist dann gar eine kleine Perle in Slow Motion, bevor er richtig Gas gibt: Die Tracks der Donkey Pilots sind wie guter Whiskey – lange gereift, erst sanft und dann im Abgang ganz stark.

Und auch auf der zweiten Hälfte des Albums bleiben die Hamelner, die in den letzten beiden Jahren mit Phillip Boa auf Tour waren und für „Garbage Man“ immerhin Siggi Bemm Jr. (Boa, Lindenberg, Tiamat) als Produzenten gewinnen konnten, sich treu. „Salem“ und „The Devil“ schleppen sich langsam in die Gehörgänge, „Wannabehappy?“ bietet ungewohnt melodiöse Gitarrenläufe und auch die Single-Auskopplung „Pissed“ ist nicht aufgeregter als nötig. Erst „World Of Pressure“ überrascht mit seinen Punk-Anleihen, bevor das Album dann mit „Silent Seducer“ entspannt ausklingt. Das alles ist wie ein guter, alter Esel: zeitlos, dickköpfig und treu, immer bereit, schwere Lasten zu tragen. Ganz bestimmt kein „Garbage“ und auch kein Fegefeuer, aber nicht ohne Eleganz. Hörenswert.

Donkey Pilots: „Garbage Man“, CD, 12 Songs, 47:22 min., Dog Shit Ave Records

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Kategorien: Musik

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