Henning Chadde
10. Juni 2013

Hellcome back again!

Das Verhör: „…Like Clockwork“ von Queens Of The Stone Age

Vergangenheits- und Auferstehungs-Bewältigung in zehn Songs und einem Guss: „…Like Clockwork“, CD-Cover

Well, den Titel des neuen Queens Of The Stone Age-Albums, „…Like Clockwork“, sollte man zumindest nicht nach schweizerischen Genauigkeitsmaßstäben bierernst nehmen. Denn mit der Verlässlichkeit eines Schweizer Uhrwerkes hat die Veröffentlichungs-Dynamik der Rock- und Weirdo-Bande rund um Mastermind Josh Homme mal gar nichts zu tun. Im Gegenteil: Ganze sechs Jahre musste der geneigte Fan auf den Nachfolger des überaus drogengeschwängerten, dadurch aber nicht weniger kongenialen Albums „Era Vulgaris“ aus dem Jahre 2007 warten. Jahre, in denen die Band – und vor allem der Ausnahme-Gitarrist und Sänger Homme – mit schweren Schicksalsschlägen und Kreativ-Talfahrten zu kämpfen hatte und kurz davor stand, das finale Auflösungs-Handtuch in den Stoner-Rock-Ring zu werfen. Verdenken hätte man es ihnen nicht können, gelten die Queen“ doch mittlerweile als unantastbare Klassiker und Erneuerer eines Rock-Genres, dem seit seinem Bestehen schon von Anfang an riff- und soundtechnischer Entwicklungs-Stillstand vorgeworfen wurde. Indes, die Queens Of The Stone Age leben und scheinen abgeklärter – und abgehangener – denn je um die musikalische Ideen-Ecke zu schauen. Wie gewohnt allerdings aus dem Hinterhalt. Und jener liegt nach wie vor nicht hinter irgendeiner Säule auf dem roten Promi-Rock-Teppich verborgen, sondern lauert verwegen dreckig im sexy-schweißigen Dust-Millieu, das mit jeder Menge Haken, Kanten und einem Groove versehen ist, der unweigerlich Ärsche in Bewegung zu setzen vermag. In der Großraumdisco, im Underground-Club, in der Schwulen-Bar gleichsam wie auf der Indie-Hochzeit, bei Männlein und Weiblein zugleich und auf den Festivals in der ganzen Welt.

Greifen wir an dieser Stelle noch einmal ein paar Zeilen zurück, denn der Titel ist vermutlich doch durchaus programmatisch zu verstehen – im ernsten Sinne: Fühlte sich die Band laut Homme in den letzten Jahren und den ersten gemeinsamen Sessions zur neuen Platte noch komplett ausgebrannt und beinahe desaströs orientierungslos, als liefe die Zeit nicht nur gegen sie, sondern ihre langsam und unweigerlich ab. Umso erstaunlicher, dass im positiven Umkehrschluss und End-Ergebnis dann doch wieder die schweizerische Verlässlichkeit zu zitieren ist: Und so rocken die Queens Of The Stone Age auf „…Like Clockwork“ derart präzise und punktgenau ab, dass man unweigerlich an eben jenes Qualitätsmerkmal denken muss. Dabei schalten sie im Gegensatz zu ihren bisherigen Werken einen deutlichen Gang zurück und legen mehr Wert auf eine kompakte Homogenität des Albums, denn auf einstige Speerspitzen- und Überhit-Rocker à la „No One Knows“, „First It Giveth“ oder „Little Sister“. Klingt ungewöhnlich? Das tut es, aber der Band und ihrem Gesamt-Oeuvre tut das deutlich gut. Und hey: Wie gewohnt gibt sich eine überaus illustre Schar an Mit- und Gastmusikern die Klinke in die Hand – allen vorweg sei hier nur Sir Elton John höchstpersönlich genannt. Kling nochmal ungewöhnlich? Sicher, aber QOTSA wären nicht QOTSA, wenn man dies den Songs vordergründig anhören würde.

Vielmehr liegt die Fläche aller Entdeckungen auf „…Like Clockwork“ selbstbewusst vielschichtig zwischen den berühmten Zeilen. Und da tut sich so einiges, was so mancher Fan von seinen vermeintlichen Götter-Lieblingen in dieser Form niemals erwartet hätte. So kann man sogar sagen, dass „…Like Clockwork“ im Gegenteil zur großen, lautstarken Club- und Rock-Live-Präsenz vergangener Tage seine absolute Stärke erst als waschechte Kopfhörer-Platte ausspielt, die ihre tatsächlich nicht zu erwartende monumentale Größe erst nach und nach zu entblößen weiß. Dann aber wie gewohnt mit beachtlicher Seele, Tiefgang und einem musikalischen Ideen-Reichtum, das im internatioanlen Rock-Genre nach wie vor seinesgleichen sucht. Nachzuhören nicht zuletzt auf Songs wie „I Sat By The Ocean“, „If I Had A Tail“, „Kalopsia“, „Fairweather Friends“ oder auch dem abgefahren groovendem Hoch-Gesangs-Töner „Smooth Sailing“ und dem titelgebenden Album-Schließer „Like Clockwork“. Aber wie gesagt: das seien hier nur Standard-Beispiele, da sie als eben solche zumeist in eine waschechte Platten-Kritik reingehören. Auf „…Like Clockwork“ regiert definitiv die Gesamtsumme aller Einzelteile. Überaus beeindruckend, dabei stets doch schmerzhaft, hintergründig bissig und gleichzeitig überaus relaxed und erhaben. Respekt. Auf ganzer Linie. „Hellcome back, Jungs!“

Queens Of The Stone Age: „…Like Clockwork“, CD, 10 Songs, 46 min., Matador

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Kategorien: Musik

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