Jörg Smotlacha
22. Juli 2013

Akustik? Punk!

Das Verhör: „By The Lamplight“ von Larry And His Flask

Ruhiger als die Vorgänger-Alben und dennoch ziemlich wüst: „By The Lamplight“ von Larry And His Flask

Eine erstaunliche Bandgeschichte hat die aus Central Oregon stammende Bluegrass- und Folk-Punk-Combo Larry And His Flask hinter sich. Nachdem die 2003 gegründete Band als dreiköpfige Punkrock-Kapelle gestartet war und in schließlich immer größerer Besetzung eine stattliche Anzahl selbstvertriebener EPs und Alben herausgebracht hatte, änderte sie 2008 sowohl ihre Besetzung als auch Instrumentierung radikal. Fortan spielten alle Band-Mitglieder ausschließlich akustische Instrumente und nun waren Banjo, Stand-Bass und ein paar ausgewählte Blasinstrumente Stilmittel und Erkennungsmerkmal von Larry And His Flask. Was blieb, war das Prinzip „Party geht vor Perfektion“, und wer im Juni das Konzert der US-Amerikaner in der Glocksee gesehen hat, der durfte bestaunen, dass selten eine im weitesten Sinne unter Folk fungierende Band dermaßen über die kleine Bühne des Cafés gefegt ist wie Gitarrist und Leadsänger Ian Cook und seine ebenfalls gesangsstarken Mannen.

Nach den ziemlich temporeichen und mit überaus energetischem Speed-Banjo-Attacken aufwartenden Vorgänger-Alben „All That We Know“ (2011) und „Hobo’s Lament“ (2012) haben Larry und seine Flachmänner nun mit „By The Lamplight“ ein deutlich ruhigeres Werk vorgelegt. Zunächst überrascht das A Capella-Intro von „Pandemonium“, bevor „Out Of Print“ eher als Swing’n’Jazz in die Wertung kommt. Mal rumpelt es im Midtempo („Barleywine Bump“), dann wieder gibt es puren Singer/Songwriter-Sound zu hören („Gone From You“) oder melodischen Folk-Punk („The Battle For Clear Sight“). Natürlich können Larry And His Flask auch eine richtige Rock’n’Roll-Combo sein („Home Of The Slave“) oder dank ihrer Blasinstrumente kurzzeitig wie eine Mariachi-Band klingen, die sich kurz verirrt hat („Cruel Twist Of Fate“). Am Ende ziehen sie das Tempo jedenfalls noch einmal deutlich an: „Muffled Thrums“ und „Tides“ holpern beschwingt durch die Gegend und werden dominiert durch punkige Drums, ohne die Vielseitigkeit der Band zu verleugnen. Mal ist ein Fünkchen Ska zu hören, mal eine Prise Blues, mal ein Hauch Jazz und mal eine Ahnung von Hardcore – nichts jedoch wirkt konstruiert, stets klingt alles wie aus einem Guss. Hörenswert und sehr eigen.

Larry And His Flask: „By The Lamplight, CD, 12 Songs, 42:53 min., Silver Sprocket

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Kategorien: Musik

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