Marcel Seniw
3. August 2013

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: die erste DFB-Pokal-Runde beim SC Victoria Hamburg

Der kürzeste Weg nach Europa: Der DFB-Pokal ist steinig, aber lukrativ

Am gestrigen Abend startete der DFB-Pokal in die erste Runde der Saison 2013/2014. Auch in diesem Jahr treten wieder 64 Vereine an, um sich den begehrten Pott unter den Nagel zu reißen. Und gerade auf die sogenannten kleinen Teams strahlt der Wettbewerb einen enormen Reiz aus, denn er ist eine einmalige Chance, Prestige zu gewinnen und obendrein der kürzeste Weg nach Europa. Wer den Pott holt, der spielt europäisch. Auch wenn oftmals schon der zweite Platz reicht, wie dem VfB Stuttgart in der Vorsaison. Aber dieser vermeintlich kurze Weg verlangt den Klubs alles ab. Kratzen, beißen, Gras fressen – im Pokal setzt sich nicht selten Kampfgeist und Einstellung gegen vermeintlich übermächtige, weil spielstärkere, Gegner durch. Die Floskel „der Pokal hat seine eigenen Gesetze“ gehört dementsprechend nicht umsonst seit Jahrzehnten gleichermaßen zum Wortschatz von Spielern, Verantwortlichen sowie Reportern.

In Hannover kennt man sich aus

Speziell im letzten Jahr gab es ein vorher nie dagewesenes Favoritensterben. Gleich sechs Bundesligisten konnten die erste Hauptrunde des DFB-Pokals gegen unterklassige Gegner nicht überstehen. Ganz krass wird es, wenn Profi-Fußball auf Amateur-Fußball trifft, denn dann sind die Claims meistens schon vor Anpfiff abgesteckt. Die Profis müssen siegen, um einer Blamage aus dem Weg zu gehen, und für die Amateure steht das Spiel des Jahres an. Ein Spiel, in welchem es nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen gibt. Jahr für Jahr kommt es deshalb zu Sensationen. Wie es sich anfühlt, gegen einen Außenseiterauf die Schnauze zu fallen, das kennt auch der eine oder andere Spieler von Hannover 96. In der Saison 2010/2011 fuhren die hannoverschen Kicker als haushoher Favorit zum SV Elversberg. Nach einem trostlosen, weil torlosem, Spiel flogen unsere Roten im Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb. Peinlich. Aber irgendwie vertraut. Im Pokal ist eben alles möglich.

Krasser Außenseiter

Am morgigen Sonntag spielt Hannover 96 in Hamburg. Nicht beim HSV, welcher angesichts der momentanen Verfassung eventuell leichter zu bespielen wäre, sondern beim SC Victoria Hamburg, einem Amateur-Klub aus der Regionalliga Nord. Im Stadion Hoheluft steht für den krassen Außenseiter das Spiel des Jahres an. Mit Freude wurde von Vereinsseite aufgenommen, dass man mit Hannover 96 einen Gegner aus der ersten Bundesliga zugelost bekam, der dann auch noch zu einem Nord-Derby anreist. Doch trotz der klaren Rollenverteilung muss Hannover auf der Hut sein. Der SC Victoria hat sich nämlich schon einmal einen Namen als Favoritenschreck gemacht. Rot Weiß Oberhausen war damals das Opfer. Aber auch Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner hat seine eigenen Erinnerungen an den SC Victoria. Als er im letzten Jahr noch auf Seiten des SC Freiburg tätig war, setzte es beinahe eine derbe Überraschung. Kurz vor Ende der Partie konnten die Breisgauer das Blatt noch wenden und siegten in Hamburg knapp mit 2:1. Volle Konzentration ist also gefordert, wenn es vor 10.000 Zuschauern im selbstverständlich ausverkauften Stadion Hoheluft zur Sache geht.

Der Favorit sollte sich durchsetzen

Hannover 96 hat also eine ziemlich undankbare Aufgabe vor sich. Alles andere als ein klarer Sieg würde als Sensation für den Viertligisten ausgelegt werden. Eine Niederlage käme einem Super-Gau gleich. Auch ein gut gefülltes Lazarett kann nichts an der Tatsache ändern, dass elf Profis auf elf Amateure treffen und somit ein Sieg für Hannover Pflicht ist. Aber 96 wird das Ding schon schaukeln. Sowohl die Erfahrung der Pokalpleite beim SV Elversberg als auch das beachtliche Auftreten der Hamburger im letzten Jahr werden den Favoriten von Beginn an wachsam sein lassen. Das Ziel von Hannover 96 heißt ja schließlich in diesem Jahr internationaler Startplatz. Und wenn man die Chance hat, den kürzesten Weg zum Saisonziel zu gehen, da man weiß, dass im Pokal alles möglich ist, dann sollte man diesen auch, so lang es irgendwie möglich ist, gehen.

Sonntag, 4.August 2013, 14.30 Uhr:
SC Victoria Hamburg – Hannover 96

(Foto: Wikipedia)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Sports

Kommentiere diesen Artikel