Franziska Öllerer & Jörg Smotlacha
21. September 2007

„Wir haben auch alle Bausparverträge“

Mit einer ordentlichen Prise Retro und jeder Menge Rock’N’Roll im Herzen: PopJohnPaul passen in keine Schublade und sind ziemlich bodenständig

Sebastian Heidel, Jan Plösser, Bastian Flohr und Jörg Hochstetter kommen pünktlich zum Interviewtermin, sind ausgesprochen gut gelaunt und entsprechen auch sonst keinerlei Rockmusiker-Klischees. „Wir sind ziemlich umgänglich“, sagt Bastian, der Gitarrist der hannoverschen Newcomer PopJohnPaul, die einen ausgesprochen coolen Mix aus Garage, Punk, Soul und Guitar spielen, und gibt sich wie seine Band-Kollegen alle Mühe, ganz wie der nette Junge von nebenan zu wirken. Grinsend fügt er hinzu: „Wir spielen auch auf Geburtstagen, Silberhochzeiten und bei der Eröffnung von Supermärkten – aber nur bei Wal-Mart.“

PopJohnPaul

Boygroup in Rock: PopJohnPaul im Gespräch mit langeleine.de

Unbändige Spielfreude

Die Koketterie mit dem braven Schwiegerjungs-Image ist selbstredend genauso ironisch gemeint wie die Anekdote mit den Silberhochzeiten. Die Musik der vier Mittzwanziger konterkariert das Bild: „Du hat gesagt, du bist ganz gern allein, und ich könnte dich nicht leiden“ schreit Sänger Sebastian in „Denksport“ zu druckvollen Sixties-Beats. Schon nach den ersten Akkorden ist damit die Frage nach den Wurzeln der Band geklärt. In klassischer Rockformation eingespielt – Schlagzeug, Bass, Gitarre – erinnern die Songs von PopJohnPaul hier und da ein wenig an die frühen Tocotronic, während man sich gleichzeitig auch auf dem Soundtrack zum nächsten, noch ungedrehten Tarantino-Movie wähnt. Doch es ist mehr: Eine unbändige Spielfreude und ein wütender, kaum zu bremsender Gesang – die Jungs wollen rocken, und zwar nicht weniger als alles.

PopJohnPaul

Die netten Jungs von nebenan? PopJohnPaul

Eigenregie ist Trumpf

Unter dem aktuellen Namen existieren PopJohnPaul erst seit Januar 2007. Zwar haben Sebastian, Bastian und auch Jan schon früher zusammen gespielt und sich unter anderem an Punk und Hardcore versucht, doch mal fehlte die Zeit, mal fehlten die Mitmusiker. Erst, als mit dem Schlagzeuger Jörg die aktuelle Besetzung komplett war, konnten die Jungs richtig durchstarten. Der Name wurde gefunden, eine neue Band-Website gestaltet, Merchandising-Artikel in Auftrag gegeben, und die Songs aus dem Repertoire erhielten ihren letzten Feinschliff und wurden endlich digitalisiert. Das Besondere: Alles geschah in Eigenregie. PopJohnPaul liehen sich die technische Ausstattung von befreundeten Musikern. Jan, der an der FH Informationsmanagement studiert, sorgte für die technische Realisierung der von Sebastian konzipierten virtuellen Heimat. Eine Demo-CD mit vier Tracks ist erhältlich, und derzeit arbeitet das Quartett mit Hochdruck an seinem Debut-Album, das im Oktober aufgenommen werden soll.

PopJohnPaul

Arbeiten hart: Bastian, Sebastian, Jan und Jörg

Keep on soulrockin‘ – „Handmade music ohne viel Schnickschnack“

„Soulrockin‘ music“ nennen PopJohnPaul ihre Stilrichtung und legen Wert auf die Feststellung, dass es sich um „handmade music ohne viel Schnickschnack“ handelt. Womit wir wieder bei dem Thema Vorbilder angelangt wären. In dem Stück „Mir fällt auch nichts bessers ein“ zitieren die Saiteninstrumente die frühen The Cure, während der Song „Surf on“ eine veritable Tanz-Vorlage für Uma Thurman und John Travolta abgeben würde. Natürlich sind es im Besonderen die Sixties, und auf Nachfrage nennen PopJohnPaul die Kinks und die Pretty Things, aber auch The Libertines und Tokyo Sex Destruction als ihre Einflüsse.

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Von Hannover in die Welt –
PopJohnPaul auf der Rampe der Faust-Warenannahme

Angetreten, um zu bleiben

PopJohnPaul arbeiten ziemlich diszipliniert, fahren zweimal die Woche über die B6 zu ihrem Probenraum, der sich in Ottensen befindet. Und auch wenn die Musik im Moment vor allem ein „geiles, aufwändiges Hobby“ ist – die vier hätten nichts dagegen, zu bleiben: „Wenn sich das ergeben würde, dass man nur noch Musik machen könnte, würde man nicht nein sagen“, meint Basti, der als Krankenpfleger in der Psychiatrie arbeitet und einen vier Monate alten Sohn hat. Das Nahziel der Band ist ganz entschieden, viel live zu spielen und zunächst einmal Hannover zu rocken. Der Anfang ist gemacht: Im Juli begeisterte das Quartett mit seinem charismatischen Mix aus deutsch- und englischsprachigen Songs das Publikum im Kulturpalast Linden, und nun folgen Gigs bei Faust, im S.O.M.A. und im Béi Chéz Heinz.

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Nackt spielen kostet extra –
Jan Plösser und Sebastian Heidel auf der langeleine-Besetzungscouch

Bei aller Vorliebe für den guten alten Rock’N’Roll wären PopJohnPaul aber nicht PopJohnPaul, wenn sie während unseres Interview-Termines nicht erwähnen würden, dass sie selbstverständlich auch eine fulminante Boy-Group abgeben: Da ist der eher nachdenkliche Jörg, von Beruf Veranstaltungstechniker, der „Sweet-Girlie-Typ“ Basti, der coole Sänger Sebas und schließlich der Chef-Organisator Jan, der „Planer“. Also doch die netten Jungs von nebenan? „Wir haben auch alle Bausparverträge“, ergänzt Basti, während Sebastian, der ziemlich gut Geräusche imitieren kann, durch ein imaginäres Funkgerät mit sich selber spricht. Genug! Es wird Zeit, PopJohnPaul endlich live auf der Bühne zu sehen. „Wir spielen auch nackt“, sagt Sebastian – „das kostet aber extra!“

Nicht verpassen:

Am 28. September gastieren PopJohnPaul in der Faust-Warenannahme und bringen mit ihren Garage-Soul-Punk- & Guitar-Sounds den KULTURKIOSK von langeleine.de zum Grooven.

PopJohnPaul im Netz:
www.popjohnpaul.de

(Fotos: Heike Werner (4), Pressefoto)

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Kategorien: Menschen, Musik

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