Jörg Smotlacha
9. September 2013

Feuer im Herzen

Das Verhör: „Pura Vida Conspiracy“ von Gogol Bordello

Auf großer Fahrt: Gogol Bordello mit ihrem Album „Pura Vida Conspiracy“, CD-Cover

Wer einmal unter der Regie von Rick Rubin ein Album aufgenommen hat, der hat es später schwer. Was soll danach noch kommen? Steht der verschrobene Soundtüftler und Produzent doch dafür, in die Jahre gekommene Altmeister wie Johnny Cash, Neil Diamond, die Red Hot Chili Peppers oder zuletzt Black Sabbath kräftig aufzupäppeln und auf die Quintessenz dessen zurückzuführen, was die Musik der jeweiligen Künstler einst ausmachte. Mit Spannung durften Fans der New Yorker Gypsy-Punk-Combo Gogol Bordello also den Nachfolger des 2010er-Albums „Trans-Continental Hustle“ erwarten, der unter der Ägide des Altmeisters entstanden war.

Nun sind Gogol Bordello weniger eine Rentnerband als vielmehr eine junge wilde Zirkustruppe, die sich durch ihren wüsten Stilmix weltweit eine große Fanschar erspielt hat und auf jedem Festival gern gesehen ist. Und was die 1999 vom ukrainischen Immigranten Eugen Hütz gegründete Band auf „Pura Vida Conspiracy“ zum Besten gibt, ist denn auch ein kleiner Befreiungsschlag nach der eher ruhigeren und stilistisch konsistenten Vorgängerplatte. Zu hören sind Anklänge aus Folk, Samba, Punk, Balkan, Humppa und gar Metal und die neunköpfige Band zelebriert in jedem der zwölf Songs das titelgebende Leben als ob es kein Morgen gäbe.

„Pura Vida Conspiracy“ startet furios mit dem Opener „We Rise Again“, der alles enthält, was die Band ausmacht, nimmt dann mit dem luftigen „Dig Deep Enough“ Tempo raus und sofort wieder auf, entführt seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf die hohe See („The Way You Name Your Ship“ und „We Shall Sail“), wird dann ein wenig folkiger („The Other Side Of The Rainbow“), nur um am Ende erneut schwer abzurocken („John The Conqueror“). Produzent Andrew Sherps, der die Nachfolge von Rubin angetreten hat, lässt der Band hierbei viel Freiraum – und der wird ausgiebig für jede Menge wilde Stilwechsel genutzt. Sänger Eugen Hütz steht derweil mehr denn je im Vordergrund und hat an seinem Songwriting gefeilt. Das Ergebnis ist ein Album, das – wie immer bei Gogol Bordello – jede Party in Schwung bringt. Rick Rubin war gestern, Gogol Bordello sind heute. Mittendrin im Leben und mit Feuer im Herzen.

Gogol Bordello: „Pura Vida Conspiracy“, CD, 12 Songs, 51:14 min., Rough Trade

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Kategorien: Musik

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