Marcel Seniw
13. September 2013

Sapperlot, was sah i da?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim FC Bayern München

Kein gutes Pflaster für Hannover 96: die Münchener Allianz Arena

Gut, zugegeben, mein bayrisch ist alles andere als wiesntauglich, mein Schuhplattler ähnelt eher dem vielzitierten sterbenden Schwan und auch die Musik von Blaskapellen sorgt bei mir nicht unbedingt für Schunkelstimmung. Wenn man aber in München weilt,, passt man sich den Gegebenheiten an und empfindet irgendwann sogar Blasmusik als gar nicht mehr so schlimm. Doch was mussten meine Augen in den letzten Tagen leiden. Als mehr oder weniger heimlicher Bayern-Fan hat es mir glatt die Haxen weggerissen, als ich das neue Auswärts-Dress des FC Bayern München gesehen hab, das an eine typisch bayrische Tracht erinnern soll. Prinzipiell wären die Trikots ja noch zu ertragen, wären da nicht diese seltsamen Trachten-Janker, mit denen die Bayern morgen auf den Platz treten werden. Diese sind aber gar nichts gegen das wahre Übel: der Seppel-Hut! Wenn der FC Bayern München morgen wirklich mit diesen Hüten auf den Platz gelaufen kommt, möchte ich die DFL dann doch darum bitten, sich dem Ganzen anzunehmen. Dem Gegner vor dem Spiel mit Psychotricks die Kraft zu rauben, weil dieser sich vor Lachen auf dem Boden kringelt, ist nicht die allerfeinste Art. Hat man in München etwa Angst vor dem Gegner aus Hannover?

Die „Über-Bayern“

Diese Frage kann man getrost mit nein beantworten. Der FC Bayern ist amtierender Triple-Sieger, gewann die Titel in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Neuerdings liest man häufig sogar das Wort „Quadrupel-Sieger“, da die Bayern auch den europäischen Supercup gegen den FC Chelsea London gewannen. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge ergehen lassen: Quadrupel! Ich habe jedenfalls Skrupel, dieses Wort über die Lippen zu bringen. Triple klingt einfach gewohnter, auch wenn es das erste im deutschen Fußball war. Sollten die „Über-Bayern“ im Dezember auch noch die Klub-Weltmeisterschaft für sich entscheiden, gibt es dann wohl die nächste Bezeichnung, vor der ich mich sträuben werde. Angst werden die Bayern morgen also keine haben. Respekt vor 96 hingegen schon.

Präsident Kind fordert Sieg

Hannover 96 spielt morgen also in der Münchener Allianz Arena vor, wo es zuletzt eine Reibe nach der anderen für gab. Generell ist der FC Bayern kein gutes Pflaster für die Roten. In der letzten Saison setzte es zwei derbe Klatschen für Mirko Slomkas Team (1:5 und 0:6). Insgesamt konnte Hannover in 24 Bundesliga-Spielen gerade einmal fünf mickrige Punkte aus München mitnehmen. Daher konnte man auf der heutigen Pressekonferenz auch so manch ehrfürchtigen Ton vom Chef-Coach vernehmen. Man fahre nicht unbedingt als Topfavorit nach München, aber wolle trotzdem dort etwas Zählbares mitnehmen, wenn es denn irgendwie möglich wäre, sagte Mirko Slomka. Präsident Martin Kind will sich hingegen erst gar nicht mit einem Unentschieden begnügen und fordert einen Sieg. Was die Einstellung eines 48-jährigen Saisonstart-Rekordes doch alles bewirken kann!

Münchens System-Umstellung – ein Vorteil für 96?

Die Chancen für 96 stehen aber nicht wirklich gut, um aus München Punkte zu entführen. Die Statistik ist das eine, die momentane Situation das andere Problem der Roten, da sowohl Mittelfeldakteur Andre Hoffmann als auch vor allem die beiden Top-Scorer der Vorsaison, Mame Diouf und Szabolcs Huszti, verletzt oder gesperrt ausfallen. Einen solchen Substanzverlust kann Hannover im Gegensatz zu den Bayern nicht einfach so kaschieren. Der FC Bayern stellt momentan einfach das Maß aller Dinge dar. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber für 96. Wenn die Bayern ihr typisches Ballbesitz-Spiel aufziehen und tief in des Gegners Hälfte stehen, so haben die letzten Spiele gegen Freiburg und Chelsea gezeigt, kann man sie mit schnellem und präzisem Umschaltspiel nach Ballverlust ärgern. Das neue System unter Trainer Pep Guardiola ist noch nicht bis zur Perfektion ausgereift. Mit der asltbewährten hannoverschen Taktik des Zehn-Sekunden-Angriffs könnte da morgen sogar etwas gehen in München, auch wenn ich es nicht wirklich für möglich halte. „Wenn wir es schaffen, diese wenigen Prozentzahlen an Ballbesitz gegen Bayern München in Konter umzusetzen, dann wäre das super“, äußerte sich Mirko Slomka. Dem kann man sich nur anschließen und hoffen, dass die Spieler von Hannover 96 nach dem Einlauf der Mannschaften angesichts der Bekleidung des Gegners nicht vor Lachen am Boden liegen.

Samstag, 14. September 2013, 15.30 Uhr:
FC Bayern München- Hannover 96

(Foto: Marcel Seniw)

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Kategorien: Sports, Unrat

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