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Rezitator mit Sprengkraft

von Matthias Rohl, Donnerstag, 13. September 2007

Mit Lesungen aus Adolf Hitlers “Mein Kampf” sorgte der Schauspieler Serdar Somuncu international für Furore. Jetzt gastiert der streitbare Bühnenberserker im Pavillon – und liest aus der Bild-Zeitung!

Serdar Somuncu

Gnadenloser Provokateur: Serdar Somuncu

Keine Frage – der Mann traut sich was! Klickt man etwa auf des Künstlers Webseite, wird man mit den Worten “ausgezeichnet mit dem goldenen Edmund-Stoiber-Siegel für angepasste Kanaken” begrüßt. Serdar Somuncu, geboren 1968 in Istanbul und ausgebildet in Schauspiel, Musik und Regie, sorgte international für Furore, als er zwischen 1996 und 2001 mit einer spektakulären Lesung aus Adolf Hitlers “Mein Kampf” quer durch Europa tourte – mit über 1500 Auftritten vor mehr als 250.000 Zuschauern. Von der taz hierfür bereits 1996 als “Mann des Jahres” gekürt, galten Somuncus Auftritte fortan besonders in der Neonazi-Szene als Provokation.

Mit einer Lesung in Sachsenhausen - vor ehemaligen Häftlingen des Lagers - und in Wurzen, einer von vielen “national befreiten Zonen”, weckte Somuncu weltweites Interesse – von Berichten in den Tagesthemen bis hin zu Interviews in der jüdischen Wochenzeitung “Aufbau” in New York, der Jerusalem Post, beim BBC in London, der türkischen Tageszeitung “Hürriyet” oder dem finnischen Staatsfernsehen in Helsinki.

Nicht selten las Somuncu unter massivem Polizeischutz – drapiert mit kugelsicherer Weste. So stürmten 2005 im sächsischen Dippoldiswalde etwa 25 vermummte Personen den Saal und entrollten auf der Bühne ein Transparent. Somuncu blieb gelassen, ging von der Bühne – und versuchte später unter stehenden Ovationen des Publikums die Protestierer zur Diskussion zu bewegen. Die verunsicherten Störer verließen, von der Polizei flankiert, den Saal – und der deutsch-türkische Bühnenberserker setzte sein Programm fort.

Jetzt gastiert der 39-jährige im Pavillon mit seiner neuen Stehgreif-Performance – und liest aus der druckfrischen Ausgabe der Bild-Zeitung. Mit gewohnt hoher Drehzahl und frappanter Wandlungsfähigkeit in Stimme und Ausdruck, lässt Somuncu es kräftig krachen – und zieht alle Register seines politischen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrundwissens. Ein Spaziergang wird dieser Abend ganz sicher nicht – weder für den Künstler noch für das Publikum. Indes, brillant und brisant allemal. Nicht verpassen!

Donnerstag, 13. September 2007:
Serdar Somuncu – “Bild lesen”, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: VVK 15,30 Euro

(Foto: Pressefoto)


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Rubrik: Tagestipps, Politik, Bühne

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