Heike Werner
14. September 2007

Seelen in Öl

Vom Ausdruck des Alltags: Ein Portrait des hannoverschen Malers Markus Koenig

Markus Koenig malt Alltagswelten. Aber es ist eine seltsame Welt, die sich in seinen Bildern wiederfindet. Dem Betrachter begegnen Menschen, die diese Welt zwar geformt haben, sich dessen aber nicht bewusst sind. In ihren fragenden Gesichtern zeichnet sich die Sinnsuche ab, und dennoch scheinen sie seltsam gleichgültig distanziert, als hätten sie diese Suche längst aufgegeben. Das „Wozu?“ scheint beinahe hospitalistisch und nur repitativ in ihren selbstversunkenen Gedanken wiederzukehren, einen Energiestoß, sich zu verändern, loszugehen und den schlussendlichen Sinn tatsächlich zu finden, entfacht es nicht. Markus Königs Protagonisten erdulden sich und die Welt, in der sie leben. Und in dieser einsam anmutenden Duldsamkeit verharren sie, scheinen beinahe abwesend erstarrt. Sie warten – auf was auch immer – und auf das, was immer auch geschieht.

"es ist spät geworden", Ölbild

Markus Koenig, „es ist spät geworden“,
Öl auf Leinwand 2007, 80 cm x 80 cm

Der hannoversche Maler mag es eigen. Die Palette der Farben seiner Ölbilder ist nicht festgelegt. Über diesen Betrachtungswinkel erschließt sich kein visionärer Zusammenhang zu Koenigs Werk. Die Gestaltung bleibt frei und die Motive wiederholen sich nicht zwanghaft, als seien sie einem roten Faden, einem Thema verhaftet. Und doch hängen sie alle seltsam zusammen: Beginnend bei einer photografischen Erinnerung oder Karikatur, bis hin zum Portrait und zur unbefangenen natürlichen Darstellung von Landschaften und Stadtansichten. Es ist die Einsamkeit, welche in den Bildern mitschwingt, die den Betrachter unweigerlich einfängt und in ihren Bann zieht.

“die flucht, ein rastplatz”, Ölbild

Markus Koenig, „die flucht ein rastplatz“,
Öl auf Leinwand 2005, 60 cm x 120 cm

Koenig ist überzeugter Autodidakt. Dennoch hat er es schon zu beachtlichen Erfolgen gebracht. Ein Highlight seiner künstlerischen Karriere war das Jahr 2000 mit seinen Ausstellungen „Solidarité pour la Paix“ in Nantes und „Visages“ in La Montagne. Drei Jahre später kehrte der Maler nach Frankreich zurück und verbrachte einen intensiven Arbeitsaufenthalt bei dem Bildhauer Pierre Garcon. 2006 schloss sich der Kreis. Mit der Einzelausstellung „Position II“ und dem gleichnamigen Katalog brachte Koenig sein Schaffen als expressiver, ausdrucksstarker Künstler auf den Punkt. Garcon ehrte ihn mit einem Vorwort.

Markus Koenig auf der Bank

Maler mit Seele: Markus Koenig

Augenzwinkernd kokettiert der 41-jährige mit seinen Erfolgen. Nach eigener Aussage habe er ja nie gelernt, wie man malt. Klassisches Understatement angesichts der Tatsache, dass Koenig eine Vielzahl beeindruckender, teils großformatiger Bilder sein Eigen nennen kann – über 80, um genau zu sein. Es ist kaum zu übersehen, dass der Künstler sich in den engen Zusammenhängen von malerischen Vorgaben nicht wohlfühlt. Bereits in der Schule stellte sich bei ihm das Gefühl ein, sich nicht verwirklichen zu können. Die Begeisterung für die Kunst hat ihn seitdem dennoch nie verlassen. Und so ist Koenig überzeugt auf seinen eigenen Ausdruckspfaden geblieben, denn hier findet er die Freiheit und Verwirklichung, die er für seine Kunst und gleichsam für sein Leben braucht.

“friedensgipfel”, Ölbild

Markus Koenig, „friedensgipfel“,
Öl auf Leinwand 2000, 80 cm x 100 cm

Ursrünglich wollte der Vater von vier Kindern „ganz viele Sprachen“ studieren, schließlich lernte er je ein Jahr Spanisch und Russisch, später absolvierte er eine Ausbildung zum Fotografen. Es folgte ein Sozialpädagogik-Studium und parallel dazu eine erste intensive Auseinandersetzung mit ernsthafter Malerei. „Gemalt habe ich schon immer, aber erst ab diesem Zeitpunkt habe ich begonnen, mein Auge auf bestimmte Dinge zu richten und meinen Blickwinkel zu schärfen“, erzählt Koenig. Am liebsten malt er mit Öl, obwohl er von sich selbst sagt, „eigentlich am besten zeichnen“ zu können. Doch die Malerei scheint ihm eine direktere Form des Audrucks zu ermöglichen. Koenig hat dabei feste Grundsätze entwickelt: „Ich mische keine Materialien, male dafür gern Objekte, die schon einmal komponiert wurden und verknüpfe verschiedene Stile miteinander. Dann nehme ich kleine Veränderungen vor, um meine Ideen einfließen zu lassen.“

ACDC frei nach Markus Koenig

Altbekannt und doch neu: Markus Koenig, „ACDC“,
Öl auf Leinwand 2004, 100 cm x 80 cm

Bei aller Ernsthaftigkeit seiner Werke kommt bei Markus Koenig auch der Spaß an an seiner Arbeit nicht zu kurz. So malt er gern Dinge, über die er lachen kann und kombiniert Gegenstände und Personen zum Beispiel aus der Werbung. Die Verbundenheit mit seiner Wahlheimat Hannover, wo er seit 1998 lebt, scheint dabei immer wieder durch. Schließlich ist es die Alltagswelt, die Markus Koenig auf eine ganz besonders eigensinnige Weise darstellt. Der Künstler bleibt auf der Suche: „Er spricht uns laufend an und wühlt uns auf. Und das ist gut so. Die dekorative Kunst kaschiert nur die Widersprüche dieser Welt. Das schöpferische Werk trägt zu ihrem Wandel bei“ schrieb Pierre Garcon über Markus Koenig. Diese Worte treffen ins Schwarze.

Bei Jacqueline frei nach Markus Koenig

Markus Koenig, „bei jacqueline“,
Öl auf Leinwand 2000, 80 cm x 70 cm

Nicht verpassen:

Am 28. September wird Markus Koenig beim KULTURKIOSK von langeleine.de einen Einblick in seine (Schaffens-)Welt gewähren. Im Anschluss wird eine Auswahl seiner besten Ölbilder bis zum 20. November in einer großen Ausstellung im Café Siesta auf dem Faust-Gelände zu sehen sein.

mehr Infos und Bilder von Markus Koenig:
www.pik-art.de

(Foto: Heike Werner)

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Kategorien: Kunst, Menschen

Ein Kommentar

  1. Bernd sagt:

    Markus Koenig geht meisterlich mit Farben und Formen um, seine Gemälde sind hervorragend komponiert. Mir gefallen Flächigkeit und Kontraste des Bildes ACDC.
    Bernd

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