langeleine.de - Das Online-Journal für Hannover

“Ich bin nicht so ein Typ, der etwas Anderes sucht, wenn man etwas Gutes hat”

von Jörg Smotlacha      Samstag, 29. September 2007

Über Vereinstreue, alte Freundschaften, Ralf Rangnick, die schönen Seiten Hannovers und Ausländerfeindlichkeit in Deutschland - ein Interview mit Altin Lala

Altin Lala ist ein Phänomen. Er ist mit Hannover 96 in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen und durch dick und dünn gegangen. Seit neun Jahren lebt er Vereinstreue wie kein anderer - und ist obendrein ein Familienmensch, wie er im Buche steht. Lala war lange Jahre Hannovers Kapitän, dann hat er das Amt ohne Murren an Nationaltorwart Robert Enke abgegeben. Trotzdem ist das sympathische Urgestein nicht wegzudenken aus Hannovers Bundesliga-Elf. langeleine.de hat Altin Lala in der AWD-Arena getroffen.

Altin Lala

Seit neun Jahren bei Hannover 96: Altin Lala

langeleine.de: Altin, nach fünf Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse bist Du ein etablierter Bundesligaspieler und in ganz Deutschland bekannt. Was würdest Du heute beruflich machen, wenn Du kein Fußballprofi geworden wärst?

Altin Lala: Diese Frage habe ich mir auch immer selber gestellt. In Albanien war mein Traum schon als kleiner Junge, Fußballer zu werden. Aber als ich etwas erwachsener wurde, habe ich auch darüber nachgedacht, was ich sonst gemacht hätte. Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich heute gerne Sänger werden, aber dafür habe ich wohl keine Stimme. Außerdem habe ich Maschinenmechaniker gelernt in Albanien. Wahrscheinlich hätte ich das gemacht, wenn ich kein Fußballer geworden wäre.

langeleine.de: Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Spiel für Hannover 96?

Lala: Das war 1998 in der Zweiten Liga gegen Karlsruhe. Das ist über 9 Jahre her, aber ich kann mich noch ganz genau erinnern. In der 80. Minute hat Kobylanski ein Tor geschossen. Karlsruhe war damals ein Absteiger aus der Bundesliga und wir haben 1:0 gewonnen. Das war ein Super-Erlebnis.

langeleine.de: Wie war die Vorgeschichte? Hannover 96 ist ja erst Dein zweiter Verein in Deutschland. Wie bist Du nach Hannover gekommen?

Lala: Ich war circa fünf Jahre lang in Fulda und spielte in der Hessen-Auswahl. Dort war der ehemalige 96-Trainer Reinhold Fanz ebenfalls Trainer. Fanz wollte mich nach Hannover holen, und das war für mich natürlich eine Ehre, dass er mit mir arbeiten wollte. Und dann hat es irgendwann geklappt und ich bin nach Hannover gekommen.

Altin Lala

Altin Lala vor seinem Wohnzimmer, der AWD-Arena

langeleine.de: Nun bist Du ja schon neun Jahre in Hannover, und wir freuen uns alle, dass Du so lange bei 96 geblieben bist. Gibt es besondere Gründe für diese Vereinstreue?

Lala: Hannover 96 ist ein sehr guter Club - auch damals schon in der zweiten Liga mit dem Riesenstadion und den Fans. Und dann haben wir den Sprung in die Bundesliga geschafft. Außerdem habe ich hier eine neue Heimat gefunden. Meine Kinder sind hier geboren und ich fühle mich in Hannover sehr wohl. Und ich bin auch nicht so ein Typ, der unbedingt etwas Anderes sucht, wenn man etwas Gutes hat. Wenn ich noch einmal die Möglichkeit hätte, würde ich genau das Gleiche machen. Ich hatte Angebote, aber es war für mich wichtiger, sich hier mit der ganzen Familie fest einzuleben. Das ist uns gut gelungen und darüber bin ich glücklich.

langeleine.de: Wenn man zurückdenkt an all die Jahre und die vielen Spieler, die Dir begegnet sind: Mit wem hast Du besonders gerne zusammen gespielt?

Lala: Auf jeden Fall mit Steve Cherundolo - der spielt auch seit neun Jahren hier! Sonst gab es eigentlich sehr viele: Ob das Fredi Bobic oder Kostas Konstantinidis war, oder Jaime, Popescu und de Guzman - da gibt es viele Namen. Aber auch der Jan Simak und Krupnikovic, das waren sehr tolle Spieler. Viele gute Leute, die später sehr erfolgreich waren, haben hier gespielt. Otto Addo, Gerald Asamoah - mit denen habe ich auch ein Jahr gespielt. Für mich war der beste Spieler Jan Simak. Von seiner Qualität her. Leider hat es nicht so geklappt bei ihm, aber für mich ist er der beste Spieler.

langeleine.de: Ganz besonders in Erinnerung ist das Aufstiegsjahr 2002. Gibt es noch Kontakt zu alten Weggefährten wie zum Beispiel Krupnikovic, Stefulj und Simak?

Lala: Ja, auf jeden Fall. Mit Simak will ich gerne einfach mal wieder telefonieren (lacht). Krupnikovic spielt ja jetzt in Paderborn, hat sich hier eine Wohnung gesucht und will mit seiner Familie wieder in Hannover leben - das finde ich schön. Stefulj ist in Kroatien, da bekomme ich immer wieder Nachricht, was er so macht. Man sieht einige Spieler, mit denen man früher zusammen gespielt hat, zum Beispiel auch Fredi Bobic, der jetzt bei Premiere tätig ist, immer wieder. Und dann freut man sich. Jeder macht seinen Weg, aber die Erinnerungen bleiben. Besonders an das Aufstiegsjahr - das war ein Superjahr, wo wir schon frühzeitig angedeutet haben, dass wir aufsteigen. Für mich war das mit die schönste Saison in meiner Karriere. Seitdem kann ich mir vorstellen, wie sich Bayern München so fühlt, wenn sie eine tolle Saison spielen. So war es bei uns auch. Mit 75 Punkten und 93 Toren, das ist immer noch Rekord in der zweiten Liga!

AWD-Arena

Volle Ränge - Hannover steht hinter 96

langeleine.de: Es gab ja einige Trainer während Deiner Zeit in Hannover - wer hat Dich am meisten beeindruckt?

Lala: Ralf Rangnick hat einen großen Verdienst, dass Hannover 96 in die Bundesliga aufgestiegen ist. Wir hatten fast die gleiche Mannschaft wie in dem Jahr zuvor, und da hatten wir den zehnten Platz gemacht. Rangnick hat bei uns mit großem Erfolg die Viererkette eingeführt, die damals in Deutschland noch nicht so bekannt war. Wir haben sehr viel Spaß gehabt, und er hat uns super eingespielt. Außer Steve Cherundolo, der aus Amerika kam, wusste ja in Deutschland keiner, wie das geht, und am Ende hatten wir eine Super-Mannschaft. Rangnick war der Trainer, der hier den großen Unterschied gemacht hat.

langeleine.de: Ganz nebenbei hast Du auch schon bald 60 Länderspiele für die albanische Nationalelf gespielt. Was bedeutet es für Dich, für Dein Land anzutreten?

Lala: Das ist vor allem ein Kindheitstraum. Als kleiner Junge habe ich in Tirana gewohnt, und da wurden immer alle Länderspiele gespielt. Ich wohnte zwischen zwei Stadien und habe mir fast jedes Wochenende zwei Spiele angeschaut. Selbst Nationalspieler zu werden, ist schon immer ein Traum gewesen, und der ist wahr geworden. Man spielt gerne und man spielt auch mit Herz. Das ist ein gutes Gefühl bei Länderspielen. Diese Atmosphäre und die Hymnen - das ist wunderschön.

Der Rasen in der AWD-Arena

Die Grasnarben von unten - der Blickwinkel der Gegner

langeleine.de: Was macht ein Fußballprofi in seiner Freizeit? Guckt man da jedes Champions League-Spiel oder ist man einfach froh, wenn man mal nichts mit Fußball zu tun hat?

Lala: Nein, ich denke, alle Fußballer gucken Champions League! Barcelona oder Real - wenn man selber Fußball spielt, weiß man, was die für Qualität haben, und man schaut da gerne zu. Ich sehe auch gerne Bundesliga, wenn wir selber nicht spielen, oder Zweite Liga. Aber es gibt ja mittlerweile jeden Tag Fußball, und jeden Tag will ich das auch nicht sehen, Es gibt ja auch die Familie und mehr zu tun, als man denkt (lacht).

langeleine.de: Und was machst Du sonst in der Freizeit? Welche Orte in Hannover magst Du gerne?

Lala: Freizeit? (lacht) Ich trinke immer gerne Kaffee. Im Café Venezia zum Beispiel. Sonst bin ich viel mit den Kindern unterwegs, Spielplätze und so. Zirkus, auch Kino mit den Kindern oder mit meiner Frau. Aber sonst mache ich nichts Großartiges…

langeleine.de: Geht Altin Lala nicht auch mal in die Disco?

Lala: Ne, selten. Ich will ja die Spiele gewinnen. Wenn es gut läuft, gehe ich mit der Mannschaft. Sonst nicht unbedingt.

langeleine.de: Was gefällt Dir denn an Hannover besonders gut?

Lala: Dass es eine Großstadt ist und trotzdem ruhig. Ich bin es gewohnt, in einer Großtadt zu leben, und auch in einer geboren. Das gefällt mir, und deswegen fühle ich mich auch hier so wohl. Es gibt viele schöne Sachen in Hannover. Den Maschsee, die Herrenhäuser Gärten… Mittlerweile habe ich mich eingelebt und viele Freunde hier - das ist entscheidend.

Altin Lala und langeleine-Chefredakteur Jörg Smotlacha

Altin Lala und langeleine-Chefredakteur Jörg Smotlacha

langeleine.de: Themenwechsel - Als Fußballprofi hast Du ja eine sehr prominente gesellschaftliche Stellung. Aber wir alle sind auch hier in Hannover immer wieder von Ausländerfeindlichkeit betroffen. Zuletzt hat die Stadt Gesicht gezeigt gegen die NPD. Wie erlebst Du das? Hast Du damit einmal persönlich Probleme gehabt?

Lala: Für mich ist entscheidend, dass die neue Generation weiß, um was es geht. Ich denke, man sollte dieses Thema immer wieder ansprechen - dass die Jungen in der Schule zum Beispiel wissen, was früher gewesen ist, das ist wichtig. Aber dass man auch sagt, ok, hier stehen wir jetzt gemeinsam. Das beste Beispiel war die Weltmeisterschaft, wo die Leute mit deutschen Fahnen herumgefahren sind. Irgendwann durfte man das nicht als Deutscher - das ist auch nicht richtig. Als Ausländer versuche ich, die positivsten Seiten von der deutschen Mentalität mitzunehmen. Man muss sich einleben können, die Sprache lernen und trotzdem seine Traditionen nicht einfach aufgeben müssen. Dass man Identität nicht verliert, aber sich trotzdem wohlfühlt. Es ist für beide Seiten wichtig, es geht darum, Nähe zu suchen. Da wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht. Von der deutschen Seite, weil man alle Ausländer auf einen Haufen packte, und andersrum von den Ausländern, weil nicht alle bereit waren, zum Beispiel die Sprache zu beherrschen. Da ist die Nähe sehr fern. Beide Seiten können da etwas tun, voneinander lernen. Man muss Nähe suchen.

langeleine.de: Was macht Altin Lala in fünf Jahren?

Lala: Fünf Jahre, das ist eine gute Frage! Ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall werde ich hier in Hannover leben, mit meiner Familie. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag und möchte noch etwa drei, vier Jahre spielen, wenn die Leistung stimmt. Und dann würde ich gerne hier im Verein bleiben - aber davon kann ich nicht unbedingt ausgehen - oder etwas Selbständiges machen. Ich mache mir auf jeden Fall jetzt schon Gedanken.

ll: Und wo steht Hannover 96 in fünf Jahren?

Lala: Im Uefa-Cup! Das ist das Ziel. Man merkt, dass wir uns schon ein bisschen verbessert haben, aber das muss mittelfristig Schritt für Schritt gehen. Nicht auf einmal schnell nach oben - dann fällt man genauso schnell nach unten und das kann richtig wehtun! Wichtig ist, dass man konstant bleibt. Wir haben mit Herrn Kind einen Präsidenten, der zu einem großen Teil seinen Verdienst daran hat, warum wir hier stehen. Ich hoffe, dass er noch lange im Verein bleibt.

ll: Altin Lala, vielen Dank für das Interview!

weiterlesen:
Mit leisen Tönen zum Erfolg - Dieter Hecking im Portrait

(Interview: Jörg Smotlacha, Fotos: Henning Chadde (3), flickr.com (2))

2 Kommentare zum Artikel
““Ich bin nicht so ein Typ, der etwas Anderes sucht, wenn man etwas Gutes hat””

Marc schrieb am Dienstag, 16. Oktober 2007, 09:59

Altin Lalalalalaalalalaaa!!
Danke Jörg, gutes Interview!

ilmir shala schrieb am Donnerstag, 21. Februar 2008, 17:07

hallo ich bin selbst auch kosovo albaner un lala altin du bist der beste komme aus krushja madhe

Hier könnt Ihr einen Kommentar hinterlassen!