Marcel Seniw
7. November 2013

Das einzig wahre Niedersachsen-Derby

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig

Freuen sich auf ein hoffentlich friedliches Spiel und einen Sieg ihrer Mannschaft: die Fans von Hannover 96 in ihrer Nordkurve

Liebe 96-Fans, liebe langeleine-Leser, die Kolumne zum Niedersachsen-Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig wird wenig zum Lachen bieten, soviel nehme ich vorweg. Die Situation vor dem lang ersehnten Spiel gegen den Erzrivalen ist einfach zu angespannt, zu ernst, um sich mit belustigenden Anekdoten auseinanderzusetzen. So gern ich auch über die „verbotene Stadt“ namens „Peine-Ost“ schwadronieren würde, die Story des in der Landeshauptstadt ausgesetzten Schweins mit 96-Schal betrachten würde, so sehr muss ich mich an dieser Stelle zusammenreißen und die Fakten zum morgigen Spiel aufzeigen. Denn keine Partie in der Bundesliga, nicht einmal das Duell Schalke gegen Dortmund ist so brisant wie das Derby Hannover gegen Braunschweig, das anders als etwa das Duell mit den Wolfsburgern für beide Seiten eine lange Tradition und eine lange Vorgeschichte hat.

Prävention im Vorfeld

Leider dominiert aber die Sorge vor Ausschreitungen die sportliche Rivalität: Selten ist es vorgekommen, dass monatelang vor einer Partie zwei Vereine in so engem Dialog miteinander standen, um präventive Maßnahmen in Zusammenhang mit befürchteten Eskalationen zu organisieren. Beispielsweise bat 96 die DFL, die Partie nicht am Todestag von Robert Enke, dem 10. November, austragen zu müssen. Noch beispielloser ist es, dass sich Innenminister, Polizeichef, Einsatzleiter der Polizei, Funktionäre und Verantwortliche sowie ehemalige Spieler zusammengesetzt haben, um einen gemeinsamen Appell zur Fairness an die Fan-Lager der Klubs zu richten. Die aktuellen Spieler widmeten dem Thema Fairness auf den Tribünen ihre Aufmerksamkeit in Form eines offenen Briefes. Allen Beteiligten scheint die Brisanz dieser Partie am zwölften Spieltag bewusst zu sein. Allen, außer einem. Die Hörgeräte von Klub-Präsident Martin Kind scheinen irgendwie in den letzten Monaten den Geist aufgegeben zu haben. Anders ist seine Aussage „Für mich bleibt es ein Spiel von 17, das wir natürlich gewinnen wollen“ nicht zu erklären. Sensibilität gegenüber den Fans bleibt bei Kind wohl eher klein geschrieben.

Polizei und Stadionbetreiber sind gewarnt

Öl ins Feuer zu gießen, dessen bedarf es wohl nicht mehr angesichts der angespannten Lage. Es wird mit Randale gerechnet. Der Einsatzleiter der hannoverschen Polizei, Guido von Cyrson, gab zur Kenntnis, dass die Partie Schalke gegen Dortmund verglichen mit dem Niedersachsen-Derby „eine Kleinigkeit“ gewesen sei. Das erste Bundesliga-Duell zwischen 96 und dem BTSV seit 1976 stehe deshalb unter besonderer Beobachtung, zumal sich „Randale-Touristen“ angekündigt hätten. In sozialen Netzwerken kursieren Gerüchte, das Hooligans aus anderen deutschen Städten und sogar aus dem Ausland – namentlich aus Polen und der Schweiz – anreisen wollen, um Hannover in Angst und Schrecken zu versetzen. Beängstigend, immerhin geht es doch hier eigentlich nur um die schönste Nebensache der Welt, die nun von asozialen Chaoten in den Dreck gezogen wird. Idioten gibt es leider auf beiden Seiten und diesen Anti-Fans wird die Dunkelheit des Abendspiels leider auch noch zugute kommen. Doch die Polizei ist vorbereitet: Sieben Hundertschaften werden unterstützt von Spezialkräften aus Bremen. Auch im Stadion wird die Sicherheit bei einem Bundesligaspiel neu definiert: Die Ordnungskräfte wurden von 580 auf 700 aufgestockt. Es werden nur alkoholfreie Getränke serviert, wie man es sonst nur von Europa League-Abenden kennt, und die Stadionkapazität wurde um 2.000 Plätze reduziert, um Pufferzonen in Form von freien Blöcken zu installieren.

Was dürfen wir erwarten?

Solange die Rivalität auf dem Grün ausgetragen wird, darf man sich auf ein emotionales Spiel freuen. Hannover 96 könnte sich mit einem Sieg über Braunschweig aus der momentan anhaltenden Abwärts-Spirale befreien und seine Fans für die letzten drei Niederlagen entschädigen. Doch angesichts der prekären Personallage ist nicht zwingend mit einem Sieg zu rechnen, zumal Braunschweig am vergangenen Wochenende den ersten Heimsieg seit Wiederaufstieg gegen eine starke Leverkusener Mannschaft einfuhr. Mit Sane und Marcelo fehlt bei Hannover 96 gleich die gesamte Innenverteidigung gesperrt. Vertreter Schulz ist für morgen Abend noch fraglich, ebenso wie Stürmer Artur Sobiech. Die Hoffnungen liegen somit einmal mehr auf den Füßen von Mamé Diouf, der nach seiner Sperre wieder in die Startelf zurückkehren wird. Ich freue mich jedenfalls wahnsinnig auf das Spiel und hoffe, dass die wahren Fans allesamt heile zu Hause ankommen und drei Punkte bejubeln können.

Freitag, 8. November 2013, 20.30 Uhr:
Hannover 96 – Eintracht Braunschweig

(Foto: Robert96/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Lokales, Sports

Kommentiere diesen Artikel