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Diabolisch gut

Das Verhör: In Laudanum: „Short Cuts From Weird Places“

Der Soundtrack für einen David Lynch-Film: „Short Cuts From Weird Places“ von In Laudanum, CD-Cover

Lang erwartet und endlich geschafft: Das hannoversche Duo In Laudanum hat seine neue CD „Short Cuts From Weird Places“ veröffentlicht. Und das Ergebnis ist so zeitlos gut, dass man sagen mag: Diese Musik ist vollständig unabhängig von Ort und Umständen der Entstehung. Kein Wunder: Die beiden einzig fixen Bandmitglieder Alice und Frank verfolgen ihre Vision von Sound und Text so straight und authentisch, dass man sie in keine Schublade stecken mag und darf. Vom rockigen Opener „Ain’t No Coke“ bis zum versöhnlich-schrägen „Peppermint Sally“ – In Laudanum hudigen ihren Vorbildern und sind doch so eigen wie kaum eine zweite Band aus Hannovers Untergrund.

Hannover? Die „Short Cuts“ klingen nach allem, nach Desert-Rock, Höllen-Country, Psychedelic Noir und Bartender Blues, nur nicht nach der Landeshauptstadt. Und noch nicht mal nach staubigem Glocksee-Übungsraum, aus dem In Laudanum doch kommen. Respekt! Man kann, wenn man mag, Woven Hand, Nick Cave, Iggy Pop, die Dead Brothers („Mocking Bird“), Leonard Cohen („Last Train“) und sogar die guten alten Beasts Of Bourbon („Them Good Ol‘ Boys“) heraushören – und landet doch vor allem immer bei In Laudanum. Und das mit stimmig-zweistimmigem Gesang und wunderbar kranken Gitarren-Riffs, die in einen David Lynch-Film so gut passen würden wie in einen Tom Waits-Soundtrack.

Defintiv zur hannoverschen Platte des Jahres wird das Album aber durch seine Kompaktheit. Da ist kein Ton zuviel, kein Song über und kein Intro zu lang. In Laudanum können sphärisch schön sein, melancholisch düster und rockig weirdo. Nie aber langweilen Alice und Frank auch nur eine Sekunde lang. Fünfeinhalb Jahre, nachdem das Duo beim Kulturkiosk von langeleine.de [1] aufspielte, haben sie ihre Musik nun auf einen diabolisch-guten Punkt gebracht. „From Nowhere“, „Last Train“ oder „Down Baby Down“ – die unendliche Wüste fängt hier in Hannover an. Und In Laudanum wissen ein Lied davon zu singen. Danke dafür!

In Laudanum: „Short Cuts From Weird Places“, CD, 13 Songs, 53:51 min., Selbstvertrieb

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