Marcel Seniw
20. Dezember 2013

„Tod oder Gladiolen!“

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim SC Freiburg

Ein Auswärtstor würde nicht nur ihm, sondern auch Trainer Mirko Slomka sehr helfen: 96-Stürmer Mame Diouf

Hallo liebe 96-Fans, ist Euch auch noch so schwindelig wie mir? Die emotionale Achterbahnfahrt der letzten Woche hat mich jedenfalls ganz schön durchgeschüttelt. Da spielen die Roten eine desolate erste Hälfte, lassen sich von den Null-Siege-Nürnbergern tatsächlich mit einem 0:3 in die Kabine ballern und holen dann in letzter Minute doch noch einen Punkt. War der Punkt verdient? Darüber lässt sich, aufgrund der mehr als eindeutigen Abseitsstellung von Mame Diouf beim 2:3-Anschlusstreffer, vortrefflich streiten. Viel wichtiger ist jedoch die Frage: Was kann Hannover 96 aus dieser Partie mitnehmen?

Fitness-Defizit oder mentale Blockade?

In den letzten Wochen war immer häufiger zu hören, dass der Kader von Hannover 96 ein Fitness-Problem habe. Die Spieler seien nicht ausreichend trainiert, so hieß es, weil Hannover 96 von allen Vereinen fast am wenigsten Kilometer in der Bundesliga herunterspult. Das Nürnberg-Spiel allerdings sprach eine andere Sprache: Hier konnte man erkennen, dass es nicht an der Fitness mangelt, wie drei Tore in der letzten halben Stunde des Spiels bewiesen. Mirko Slomka hat eher den Eindruck, dass das Problem an den Köpfen und nicht in den Beinen der Spieler liegt. Mentale Blockaden macht der Trainer als Ursache für den Negativ-Trend der letzten Wochen aus. Inwiefern der Last-Minute-Punktgewinn gegen Nürnberg die Psyche pushen konnte, werden wir nun vielleicht morgen in Freiburg sehen. Der ausgelassene Jubel der gesamten Mannschaft nach Dioufs zweitem Treffer macht jedenfalls Hoffnung, da der Teamgeist intakt scheint.

Rückrunde mit Slomka?

Morgen Nachmittag treffen mit dem SC Freiburg und Hannover 96 das heim- und das auswärtsschwächste Team der Bundesliga aufeinander. Sieben Pleiten aus sieben Versuchen auf des Gegners Platze stehen für den HSV aus Hannover zu Buche. Zieht man die 20-Punkte-Vorgabe von Martin Kind heran, ist 96 morgen zum Siegen verdammt, will die Mannschaft weiter mit Trainer Mirko Slomka zusammenarbeiten. Doch in den letzten Tagen schien es, das sich die Klubführung auch nicht mehr sicher ist, wie man weiterverfahren soll. So wurden etwaige Transferpläne erst einmal auf Eis gelegt, weil man zunächst einmal den letzten Hinrunden-Spieltag abwarten wolle. Eigentlich ein klares Indiz dafür, dass die Chefetage nicht mehr zu hundert Prozent hinter dem Trainer steht. Niemand möchte derzeit Spieler verpflichten, die ein eventueller Nachfolger von Slomka gar nicht haben will. Verwirrend scheint nun aber, dass Mirko Slomka dieser Tage erneut das Vertrauen ausgesprochen wurde und 96 mit ihm offenbar doch in die Rückrunde gehen will. Durchhalteparole oder Schulterschluss? Die Antwort darauf werden wir wohl sehr zeitnah erhalten.

„Also, das Rezept ist sehr einfach!“

Ein lustiger, aber dennoch strenger Niederländer prägte zu seiner Zeit als Trainer in Deutschland den Ausdruck „Tod oder Gladiolen“. Die Rede ist von Louis van Gaal, und so martialisch diese Redewendung auch klingen mag – sie passt wie die Faust auf die 96. Denn viele Anzeichen sprechen für ein Alles-oder-nichts-Spiel. Entweder holt Hannover morgen die ersten Auswärtspunkte – hier schreibe ich bewusst im Plural – oder aber die Tage Slomkas sind möglicherweise doch gezählt. Dass dem morgigen Gegner SC Freiburg in dieser Kolumne wenig Beachtung zukommt, tut mir leid für die jungen Wilden aus dem Breisgau. Aufpassen müssen die Roten allemal, denn die Freiburger sind fit. Der SC ist das laufstärkste Team der Liga und spielt einen schnellen Ball. Doch zurück zum Trainer aus der Landeshauptstadt. Slomka hat heute auf der Pressekonferenz sein Rezept für einen Sieg verraten. Wenn sich Ron-Robert Zieler in seinem 100. Bundesligaspiel kein Gegentor einfange und Mame Diouf seinen ersten Auswärtstreffer der Saison schieße, dann seien es sogar drei Punkte, die Hannover aus dem Breisgau entführen könne. „Also, das Rezept ist sehr einfach!“, scherzte Slomka. Es wäre ihm jedenfalls zu wünschen, dass das Spiel eine gute Wendung nimmt. Ich würde Mirko Slomka jedenfalls gerne weiter zu Scherzen aufgelegt sehen, während er ein 96-Logo über dem Herzen trägt. Mein Tipp daher: 96 schlägt Freiburg knapp mit 2:1.

Samstag, 21. Dezember 2013, 15.30 Uhr:
SC Freiburg – Hannover 96

(Foto: Wikipedia)

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Kategorien: Sports

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