Marcel Seniw
24. Januar 2014

Willkommen, Tayfun!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim VFL Wolfsburg

Geht mit viel Elan in die Rückrunde der aktuellen Bundesliga-Saison: Tayfun Korkut, der neue Cheftrainer von Hannover 96

Liebe Freunde des gepflegten Ballsports, die Fastenzeit ist um! Der Ball rollt wieder in der Fußball-Bundesliga und bei unseren Roten kehrte während der Pause Aufbruchsstimmung ein. Kurz nach den Feiertagen kam die Meldung: Hannover 96 trennt sich von Mirko Slomka. Den Verantwortlichen bei Hannover 96 sei dieser Schritt extrem schwer gefallen, so hieß es. Angesichts der Erfolge und der Geschichte, die 96 mit dem ehemaligen Trainer Slomka verbindet, ist diese Aussage mehr als verständlich. Das Minimalziel von 20 Punkten am Ende der Hinrunde konnte Slomka mit seinem Team nicht mehr erreichen. So kam es, dass man den als Co-Trainer geplanten Tayfun Korkut kurz vor Jahresende mit seinem ersten Vertrag als Chef-Coach ausstattete. Eine mutige Entscheidung: Tayfun Korkut hat bislang keinerlei Erfahrung als Chef-Trainer. Uns allen bleibt also nur zu sagen: Mach es gut, Mirko! Wir freuen uns, Dich irgendwann wieder an der Seitenlinie zu sehen.

Wer ist Tayfun Korkut?

Als ich hörte, dass Hannover 96 einen völlig unbekannten Trainer verpflichtete, dachte ich zuerst: Will Dirk Dufner als nächster die Koffer packen? Ich war etwas verdutzt, schließlich konnte ich mit dem Namen Tayfun Korkut nichts anfangen. Doch spätestens nach dem bescheidenen, aber dennoch selbstbewussten und eloquenten Auftreten des 39-Jährigen gebürtigen Stuttgarters bei seiner Antritts-Pressekonferenz war ich gespannt auf den neuen Trainer. Der Deutsch-Türke startete seine Karriere im Profi-Fußball 1994 bei den Stutgarter Kickers, von denen er nach nur einem Jahr Regionalliga den Sprung in die Türkei zu Fenerbahce Istanbul wagte, wo er bis ins Jahr 2000 spielte. Von dort wechselte er nach San Sebastian. Nach drei Jahren war dieses Kapitel allerdings wieder beendet und Korkut zog es für ein Jahr zu Espanyol Barcelona. Nach seinem dortigen Engagement ging es wieder zurück in die Heimat seiner Eltern. 2004 spielte Korkut ein Jahr für Besiktas Istanbul und im Jahr darauf für den bei uns eher unbekannten Verein Gençlerbirliği Ankara, bei dem er seine Karriere als Profi-Fußballer beendete. Von 1995 bis 2003 bestritt Korkut 42 Partien für die türkische Nationalmannschaft. Nach seinem Rücktritt besuchte Korkut den Fußballlehrer-Lehrgang des DFB. Korkut gehörte dem „Goldenen Jahrgang“ 2010 an, zu dem außerdem Markus Gisdol (Hoffenheim), Thomas Schneider (Stuttgart) und Markus Weinzierl (Augsburg) zählten. Die bisherigen Stationen des Rookies lesen sich wie folgt: Real Sociedad San Sebastian U-19, TSG 1899 Hoffenheim U-17, VfB Stuttgart U-19 und zuletzt Co-Trainer der türkischen Nationalmannschaft. Auch wenn es sehr gewagt scheint, einen unerfahrenen Trainer zu installieren, bei 96 ist man guter Dinge und vollends überzeugt von der Wahl des neuen Coachs.

Was hat sich sonst getan bei den Roten?

Unter der Woche wurden Adrian Nikci und Ali Gökdemir von Tayfun Korkut aussortiert. Zuvor wurde der zehn Zentimeter zu kleine Null-Minuten-Brasilianer Franca nach Brasilien verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Zuwachs gab es für den Sturm. Artjoms Rudnevs, der leicht hölzern wirkende Lette, kommt von der Bank des anderen HSV aus dem hohen Norden mit der Empfehlung von zwölf Treffern aus dem Vorjahr und einer Menge Minuten auf der Bank der Hanseaten in dieser Saison. Rudnevs hat sich laut Korkut bereits gut in die Mannschaft integriert und soll dem Team sofort weiterhelfen. Ansonsten gibt es kaum etwas Neues, mal abgesehen vom neuen Trainerstab. Mame Diouf ist weiterhin wechselwillig und wahrscheinlich momentan etwas bockig, da der neue Trainer ihn nicht auf die Insel nach Cardiff City wechseln ließ. Diouf soll, Stand heute zumindest, die Saison in Hannover beenden und sich dann einen neuen Verein suchen.

Tayfun Korkut sprengt den Rahmen…

Die erste Kolumne im Jahre 2014 ist ganz schön lang geworden. Eigentlich würde ich gerne noch ansprechen, was Tayfun Korkut ändern will und muss, doch irgendwie muss ich auch noch etwas zum kommenden Gegner VFL Wolfsburg loswerden. So viel sei dennoch verraten: Korkut will weg vom Konterfußball und auf ein ballbesitzorientiertes Spiel hinarbeiten. Nun aber zu den Wölfen. Der große Automobil-Hersteller, der das Trikot der Wolfsburger schmückt, hat mal wieder die Kasse geöffnet. Circa 20 Millionen Euro wurden locker gemacht, um Kevin de Bruyne von der Bank des FC Chelsea zu verpflichten. De Bruyne war eines der heißest umworbenen Talente in der momentanen Transferperiode. Ein echtes Ausrufezeichen der Wölfe und ein Fingerzeig in Richtung Konkurrenz: Wenn VW ernst macht, kann da noch einiges nachfolgen. Zudem hat sich Dieter Heckings Truppe mittlerweile richtig gut entwickelt. Seit neun Spielen sind die Wölfe in der Bundesliga ungeschlagen, stehen auf Rang fünf in der Tabelle und haben Tuchfühlung zu den Champions League-Rängen aufgenommen. Wolfsburg ist heiß auf den Rückrundenstart und wird es den Roten nicht leicht machen. Daher lautet mein Tipp für die Partie: Wolfsburg schlägt Hannover mit 3:1. Hoffentlich liege ich mal wieder falsch.

Samstag, 25. Januar 2014, 15.30 Uhr:
VFL Wolfsburg – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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