Marcel Seniw
31. Januar 2014

Effektivität trifft auf Attraktivität

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach

Artjoms Rudnevs in gewohnter Jubelpose, hier noch im Dress von Lech Posen

Es geht doch! Hannover 96 hat am vergangenen Samstag zum ersten Mal in dieser Saison Auswärtspunkte eingefahren. Und dann waren es sogar gleich drei an der Zahl. Der erste Auswärtssieg der Saison wurde im kleinen Derby gegen den VFL Wolfsburg errungen. Doch bevor man nun in wilde Euphorie verfällt, sollte man den Ball lieber erst einmal flachhalten. Denn in der letzten Woche hatte ich kurz angerissen, dass der neue Trainer Tayfun Korkut seiner Mannschaft eine neue Spielidee verpassen möchte: Weg vom Konterfußball hin zu mehr Ballbesitz und Spielkontrolle. Eine solche Metamorphose funktioniert aber nun mal nicht einfach über Nacht.

Ungewohnte Effektivität

Zum Rückrundenauftakt in Wolfsburg muss man konstatieren: Ausgerechnet der Konterfußball von Hannover 96 war ziemlich beeindruckend. Zwar hatte Hannover wenig Spielkontrolle, dafür war das Team aber gnadenlos effektiv in der Umschaltbewegung und im Abschluss. Also eigentlich alles beim Alten – nur mit Erfolg. Der doppelte Bittencourt sowie der hölzerne Rudnevs waren eiskalt im Abschluss und bescherten den Roten drei Punkte. Eine Sache aber ist extrem aufgefallen: Die Defensive stand ausgezeichnet und war Grundlage des hannoverschen Sieges. Zwar ballerten die Wolfsburger Akteure aus allen Lagen auf den Kasten von Schlussmann Zieler, doch bis auf den Olic-Abpraller, der den zwischenzeitlichen Ausgleich bedeutete, kamen die Abschlüsse der Wölfe meist aus der zweiten oder gar dritten Reihe. Auf diese Leistung lässt sich jedenfalls aufbauen.

Sexy Borussia

Mal sehen, ob die Roten im bevorstehenden Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach nun den nächsten Schritt in der Entwicklung des geplanten Spielsystems machen können: eigene Dominanz durch Ballbesitz. Zugegeben: Mit der Mannschaft vom Niederrhein hat 96 einen dicken Brocken vor der Brust, der selbst ziemlich auf Dominanz durch Ballbesitz zielt. Die Gladbacher Borussia hat in der Hinrunde oft faszinierend attraktiven Fußball zelebriert. Das Sturmduo, bestehend aus Max Kruse und dem Brasilianer Raffael hat schon so mancher Abwehr einen Knoten in die Beine gespielt. Aber nicht nur die Offensive spielt eine überragende Saison. Auch Torwart Marc Andre ter Stegen ragt aus einer funktionierenden und taktisch sehr gut aufgestellten Mannschaft heraus. Der FC Barcelona steht kurz vor der Verpflichtung des jungen Nationalkeepers. Darüber hinaus ist Trainerfuchs Lucien Favre ein weiterer Erfolgsgarant, der scheinbar für jeden Gegner ein passendes Rezept parat hat. Dass die Fohlen-Elf letzte Woche gegen die Über-Bayern verloren haben, macht sie an diesem Wochenende nur noch gefährlicher für Hannover 96. Die Borussen wollen ihren Platz an der Sonne – derzeit Rang vier – sicher nicht kampflos hergeben.

Und sonst so?

In der Winterpause ist personell einiges passiert: Hannover 96 hat sich mit dem Schweizer Erstligisten FC Thun auf eine Leihe von Adrian Nikci geeinigt und Stürmer Deniz Kadah wechselt zum türkischen Erstligisten Caykur Rizespor. Aber die Roten waren auch aktiv. So wurde neben Neuzugang Artjoms Rudnevs mit Frantisek Rajtoral auch noch Verstärkung für die rechte Abwehrseite gefunden. Der 27-jährige tschechische Nationalspieler kommt auf Leihbasis von Viktoria Pilsen und verstärkt das Team von Tayfun Korkut bis Saisonende. 96 soll aber über eine Kaufoption für den international erfahrenen Rajtoral verfügen. Abschließend komme ich selbstverständlich wieder zu meiner Lieblingsbeschäftigung während des Kolumnen-Schreibens. In dieser Saison lag ich ja mit meine Tipps meist gründlich daneben. Immerhin hatte ich letzte Woche das richtige Ergebnis, nur eben für das falsche Team. Da das so gut lief, werde ich also wieder gegen die Roten tippen. Zum einen, da die Gladbacher wirklich eine harte Nuss darstellen, zum anderen weil ich als Fußballfan mit einem gehörigen Maß an Aberglauben ausgestattet bin. Lange Rede, kurzer Sinn: Hannover 96 kassiert gegen die Gladbacher Borussia eine 1:2-Heimniederlage. Hoffentlich klappt das wieder so gut wie gegen die Wölfe!

Samstag, 1. Februar 2014, 18.30 Uhr:
Hannover 96 – Borussia Mönchengladbach

(Foto: Roger Gorączniak/Wikipedia)

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Kategorien: Sports

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