Henning Chadde
10. Februar 2014

Die großen Brüder lassen grüßen

Das Verhör: „LSD On CIA“ von LSD On CIA

Zappelt, hektiziert, grooved und rockt: „LSD On CIA“, Album-Cover

Jung, wild, wahnsinnig, talentiert – und dazu das passende Gespür für die zeitgenössischen Zutaten eines amtlich dampfenden Rock-Kessel Buntes. Keine Frage, die drei Kopenhagener Herren von LSD On CIA rund um den Sänger und Gitarristen Mikkel Konyher wissen, wo der angesagte Trend-Riff-Gott dieser Tage seinen Most holt. Umso erstaunlicher, da die Bandmitglieder alle erst ein zartes Alter von Anfang zwanzig an den Tag legen, und ihr Sound-Mix von der Musik-Journaille großmundig begeistert in der Schnittmenge der frühen Chilli-Peppers, Muse, Queens Of The Stone Age, Placebo, Jane’s Addiction und den Beastie Boys verortet wird. Nun ja, sollten diese Superlative stimmen, scheint es also, als ob LSD On CIA ordentlich in den Plattenschränken ihrer großen Geschwister gestöbert hätten, um sich das Beste für ihren eigenen Zappel- und Groove-Cocktail herauszusuchen. Und erstaunlich: Dieser ist durchaus schmackhaft ungestüm und transportiert mitnichten den faden Plagiats-Beigeschmack, der bei der vorangegangenen Aussage noch vermutet werden könnte.

Im Gegenteil: Auf ihrem am 28. Februar dieses Jahres erscheinenden selbstbetitelten Debüt-Album erboxt sich die positiv respektlose Lebendigkeit der Jugend ihren eigenen Platz im Underground-Rock und verteidigt diesen mit dem vorauseilenden Ruf, zu allererst eine astreine Live-Band zu sein, die bis zum Umfallen alles gibt, was in ihr steckt. Ständig wechselnde Song-Varianten und beinahe sekündliche Rhythmuswechsel inklusive. Bisweilen auch auf Platte nicht unanstrengend, immer aber abgefahren bemerkenswert. Aus der Sicht des großen Bruders quasi. Wobei dieser sich zugeneigt dennoch nicht dem Eindruck erwähren kann, dass von den drei jüngeren „Sound-Geschwistern“ hier zwar eine ganze Menge grandioser, passender Versatzstücke zusammengeworfen werden, diese sich im Laufe der Karriere vermutlich aber noch deutlicher herauskristallisieren könnten, um ein bleibendes und unumstößliches Alleinstellungsmerkmal hervorzubringen. Anyway, der süße Vogel Jugend halt. Hochtalentiert und überaus bemerkenswert kommt das Debüt allemal in die Wertung.

Nachzuhören auf Songs wie dem Zappel-Opener „Guns Blazing“, dem folgenden „Now You know“ dem wunderbar groovenden „Dive Into The Dark“ und nicht zuletzt den beiden Single-Auskopplungen „Anal Sunshine“ und „Part Of The Monster“. Respekt. Und verdammt abitioniert. Bisweilen vielleicht einen Tacken drüber, denn bei einigen Songs wird deutlich, dass LSD On CIA einfach alles wollen – und das am Besten sofort -, weil sie einfach sauviel können und tatsächlich famose und talentierte Musiker sind. Aber gerade diese positiv hörbare Ungeduld und dieses ungestüme „Zerren und Flehen“ in der Kreativ-Brust der Band macht den hektisch-flirrenden Charme dieses durchaus außergewöhnlichen Debüts aus. Bei LSD On CIA darf man jedenfalls definitiv gespannt sein, was die Zukunft bringen wird.

LSD On CIA: „LSD on CIA“, CD, 14 Songs, 38.25 min., Noisolution

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Kategorien: Musik

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