Mit leisen Tönen zum Erfolg
von Marcus Krämer Dienstag, 4. Dezember 2007Dieter Hecking ist mit Hannover 96 auf dem Weg nach oben - ein Portrait
Am vergangenen Freitag hat Hannover 96 mit dem 3:0-Sieg in Rostock nach zuvor zwei Niederlagen in Folge einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Damit scheint der Weg in den UEFA-Cup wieder offen, liegt der Tabellensiebte doch derzeit nur einen Punkt hinter dem FC Schalke 04 und zwei Punkte hinter dem Karlsruher SC. An dem Aufschwung, den Hannover 96 zurzeit erlebt, hat Trainer Dieter Hecking einen entscheidenden Anteil.
Hat den richtigen Riecher: Dieter Hecking
Die Niedersachsen stehen mit drei Punkten Rückstand auf den Vierten Bayer Leverkusen auf Platz sieben. Das Restprogramm bis zur Winterpause mit einem Auswärtsspiel in Cottbus und dem Heimspiel gegen Werder Bremen ist machbar, Torwart Robert Enke forderte schon vor dem Rostock-Spiel medienwirksam insgesamt sechs Punkte, um den Rückstand nicht größer werden zu lassen. Trainer Dieter Hecking werden solche Worte freuen, auch wenn der gebürtige Castrop-Rauxeler kein Mann der lauten Töne ist und lieber bescheiden im Hintergrund arbeitet. Aber Hecking will seinem Team in kleinen Schritten eine Erfolgsmentalität einimpfen, um sich auf lange Sicht in den oberen Regionen zu etablieren.
Guter Zweitligaspieler
Als Spieler war der 43-Jährige nur mäßig erfolgreich, bei seinen Clubs Borussia Mönchengladbach, Hessen Kassel, Waldhof Mannheim, VfB Leipzig, TuS Paderborn-Neuhaus, Hannover 96 und Eintracht Braunschweig absolvierte Hecking 36 Bundesliga-, 203 Zweitliga- und 141 Regionalligaspiele. Seine größten Erfolge waren die Aufstiege mit Leipzig und Hannover, den VfB brachte er in die Bundesliga und seinen heutigen Club nach Jahren der Bedeutungslosigkeit in die zweite Liga. Der ganz große Durchbruch wollte allerdings nie gelingen, nach Beendigung seiner Karriere wurde aber schnell deutlich, dass er für den Trainerposten wesentlich mehr Talent mitbrachte. Den jeweiligen Gegebenheiten bei seinen Vereinen angemessen, hatte Hecking von seiner ersten Station an Erfolg. Beim SC Verl in seiner Heimat Westfalen wurde ihm zwar nach nur einem halben Jahr gekündigt, doch das lag an Heckings Ankündigung, den SC wieder verlassen zu wollen.
Erste Erfolge in Lübeck
Beim Regionalligisten VfB Lübeck, wo Hecking in der Endphase der Saison 2000/01 anheuerte, verpasste der Vater von fünf Kindern im ersten Versuch den Aufstieg in die zweite Liga. Doch schon ein Jahr später holten die Lübecker das nach, in der Spielzeit darauf wurde der Klassenerhalt geschafft. 2004 war ein Jahr der gemischten Gefühle, dem Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale folgte der Abstieg zurück in die Regionalliga - Hecking trat daraufhin zurück, der junge Coach wollte mehr.
Deshalb ging Hecking zu Alemannia Aachen, dort wurde er der breiteren Öffentlichkeit als guter Trainer bekannt. Der damalige Zweitligist spielte lange um den Aufstieg in die Bundesliga mit. Nachdem die Aachener in der Saison davor das DFB-Pokalfinale gegen Champions-League-Teilnehmer Werder Bremen verloren hatte, durften sie international starten und lieferten im UEFA-Pokal tolle Auftritte. Nach Siegen gegen Lille und Athen schieden sie erst gegen AZ Alkmaar aus.
Klare Ansprache
Der Rest ist bekannt: 2006 stieg Hecking mit einem Jahr Verspätung mit der Alemannia in die Bundesliga auf, doch nach nur drei Spieltagen im Oberhaus nahm er aus persönlichen Gründen das Angebot von 96 an - Heckings Frau wohnt mit den Kindern in der Nähe von Hannover. Doch was macht die Arbeit Heckings bei den Rothosen aus?
Zunächst ist festzuhalten, dass Hecking im Gegensatz zu seinem Vorgänger Peter Neururer ein Mann der leiseren Töne ist, sich aber trotzdem den Respekt seiner Spieler erarbeitet. Intern hat der 43-Jährige eine klare Ansprache, nach außen wird aber selten Kritik an Spielern laut. Nur wenn einer seiner Jungs ausschert und selbst den Weg über die Medien wählt, schlägt Hecking zurück. So wie gerade im Fall Mike Hanke. Der Stürmer beschwerte sich nach neun torlosen Spielen über zu geringe Unterstützung seiner Mitspieler. Hecking konterte daraufhin: “Er macht ja keine schlechten Spiele, aber es ist immer gut, sich erst mal an die eigene Nase zu fassen.” Es gehört aber genauso zu seinem Arbeitsstil, dass Hanke trotz der Kritik weiter in der Startelf bleibt und keinen Denkzettel bekommt. Hecking steht zu seinen Spielern und hält auch in schlechteren Zeiten zu ihnen.
Die Neuen schlagen ein
Außerdem bewies Hecking in den letzten Jahren häufig den richtigen Riecher, wenn es um Verstärkungen ging. Hanke hatte zwar vorübergehend eine kleine Krise, mit fünf Treffern gehört er neben Szabolcs Huszti aber zu den besten Torschützen. Auch Sergio Pinto und Christian Schulz waren in ihren vorherigen Clubs keine Leistungsträger und sind in Hannover voll eingeschlagen. Und in der Winterpause plant Hecking die nächsten Coups, Valerien Ismael vom FC Bayern soll genauso verpflichtet werden wie Gerald Asamoah. Der Schalker wartet immer noch auf ein Angebot der Königsblauen und es verdichten sich die Anzeichen, dass der Vertrag des Nationalspielers nicht verlängert wird. Die 96er haben bereits die Fühler nach Asamoah ausgestreckt, zumal der Stürmer schon einmal in Hannover spielte.
An solchen Planspielen erkennt man, dass Hecking mit den Niedersachsen noch viel vorhat. “Wir haben die Möglichkeit, uns in der Spitzengruppe festzusetzen, wenn wir so konzentriert weiterspielen”, sagte der Trainer zuletzt. Mit solchen Aussagen setzt er seine Mannschaft nicht unnötig unter Druck, wenn am Ende dann doch ein UEFA-Pokalplatz herausspringt, hat Hecking alles richtig gemacht.
Quelle: www.openpr.de/news/174659.html
(Foto: www.hannover96.de)
Rubrik: Sports, Menschen
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