Jörg Smotlacha
24. Februar 2014

Beinahe versöhnlich

Das Verhör: Live From KCRW“ von Nick Cave & The Bad Seeds

Nick Cave & The Bad Seeds: „Live From KCRW“, CD-Cover

Kurz vor Weihnachten letzten Jahres überraschte Nick Cave, der alte Haudegen, mit einem Live-Album. „Live From KCRW“ entstand während eines kleinen Club-Konzertes in Kalifornien und wurde von Caves Band Bad Seeds so sparsam wie perfekt instrumentiert. Aber braucht es nach 35 Jahren Bühnenkarriere und so unglaublich brillanten Vorläufern wie dem brachialen Birthday Party-Live-Album „The Birthday Party Live 1981-1982“ oder der Hit-Sammlung „Live Seeds“ und unzähligen wüsten Bootlegs noch eine weitere Live-Aufnahme des Großmeisters? Die Antwort lautet eindeutig ja.

Auf „Live From KCRW“ zeigt Cave seine ruhige, und dennoch dramatische Seite und spielt all seine Stärken als Songwriter aus. Angefangen mit dem heimlichen Hit des letzten Studio-Albums „Push The Sky Away“, dem böse drängenden „Higgs Bottom Blues“, über das melancholische, von Warren Ellis‘ Violine untermalte „Far From Me“, den alten kranken Hit „Stranger Than Kindness“ sowie das verhalten gespielte und fast versöhnlich gecroonte Todeszellen-Lied „The Mercy Seat“ bis hin zum beinahe ironisch und ausnahmsweise lautstark intonierten „Jack The Ripper“ – Nick Cave ist hörbar gut aufgelegt, und Warren Ellis, Martyn Casey, Jim Sclavunos und Barry Adamson begleiten ihn so zurückhaltend wie effektvoll.

Dazwischen liegen das überaus melancholische „And No More Shall We Part“, das Klavierstück „Wide Lovely Eyes“ und der chorlastige Song „Mermaids“ von „Push The Sky Away“, das wunderschön-traurige „People Ain’t No Good“ und das sphärische „Push The Sky Away“. Wer ein Nick Cave-Fan der alten Stunde ist und noch die frühen Birthday Party-Jahre kennt und die alten Klassiker von „From Her To Eternity“ bis „Tender Pray“ schätzt, mag sich an den neuen Facetten des Altmeisters erfreuen, der mehr denn je mit den Stimmungen zu spielen vermag – und anders als etwa vor zehn Jahren dabei auch nicht in Belanglosigkeiten abdriftet. Wer aber Cave noch für sich nicht entdeckt hat, kann hier einen der ganz Großen kennenlernen, ohne gleich an dessen ganz bösen Ecken und Kanten anzustoßen.

Nick Cave & The Bad Seeds: „Live From KCRW“, CD, 10 Songs, 52.15 min., Bad Seed Ltd./Rough trade

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Kategorien: Musik

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