Henning Chadde
17. März 2014

Auch vor die Preisgeld-Ernte hat Gott die Arbeit gestellt

Scharfzüngiger Blick in den Literatur-Zirkus: John Niven liest heute in der Buchhandlung Lehmans aus seinem Roman „Straigt White Male“

Autor mit Kult-Appeal und literarisch sezierendem Durchblicks-Vermögen: John Niven

Mit seinem Roman „Kill Your Friends“ landete der Ex-Platten-Manager und Schriftsteller John Niven im Jahr 2005 einen weltweiten Überraschungserfolg, der ob seines doppelbödig scharfzüngien Blickes in die Machenschaften der Musik-Industrie absoluten Kult-Status erreichte und dessen Verfilmung gegenwärtig in den Startlöchern steht. Mit seinem 2013 erschienenen Roman „Straight White Male“ knüpft Niven nun überaus gekonnt an den ironisch sezierenden Blick des Vorgängers an. Wobei erwähnt werden muss, dass er in der Zwischenzeit mit „Coma“ (2009), „Gott bewahre“ (2011) und „Das Gebot der Rache“ (2012) nicht weniger als drei weitere, hochgelobte Werke in die Welt entließ.

In „Straight White Male“ widmet sich Niven nunmehr dem Literaturbetrieb, seinen Protagonisten, Stolperfallen und nicht selten irrigen Erwartungshaltungen. Der Protagonist ist auf den ersten Blick ein Autor alter Schule und alten Schreib-Adels. Kennedy Marr ist Ire, zynisch bis zum Anschlag, hat einen ausgewiesenen Hang zum Alkohol und ist obendrein sexsüchtig. Trotz vergangener literarischer Erfolge bringt ihn sein exzessiver Lebensstil zunehmend an den Rand des Bankrotts, denn eine neue durchschlagende literarische Idee ist bei weitem nicht in Sicht und Marrs Bedeutung als Schriftsteller infolgedessen am stetigen Schmelzen wie die Polkappen. Gänzlich unerwartet wird er plötzlich in England für einen überaus hochdotierten Literaturpreis vorgeschlagen. Die Rettung? Mitnichten, denn um an das bitter benötigte Geld zu kommen, gilt es einen ganzen Haufen unangenehmer – und für einen Zyniker wie Marr nicht gerade konfliktfreier – Auflagen zu erfüllen, die es mehr als nur in sich haben und Marr sein ganzen Können an literarischer und kultureller Trickserei abverlangen…

Derzeit ist John Niven mit „Straight White Male“ auf Lese-Tour in Deutschland unterwegs, heute macht er in der Buchhandlung Lehmanns in Hannover Halt. Niven gilt als absolutes Unterhaltungs-Tier, das, auch wenn er auf Englisch liest, sein Publikum vom Start weg zu begeistern weiß. Unterstützt – und kongenial ins Deutsche übertragen – wird er dabei vom Ex-Muff Potter-Frontmann und Autor Nagel, der zuletzt selbst mit seinem 2012 in der Reihe Heyne Hardcore erschienenen Roman „Was kostet die Welt“ überzeugte. Das nennt man mal einen literarischen Doppel-Whopper, wie er im Buche steht. Äußerst unterhaltsam.

Montag, 17. März 2014:
„Straight White Male“, Lesung mit John Niven, Übersetzung und Moderation: Nagel, Lehmanns Media, Georgstraße 10, 30159 Hannover, Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro

(Foto: Pressefoto, Eric Weiss)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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