Marcel Seniw
11. April 2014

Mirkos Rückkehr zu den Derby-Deppen

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Nordderby gegen den Hamburger SV

Steht mit seinem neuen Verein ebenso mit dem Rücken zur Wand wie sein ehemaliges Team: HSV-Trainer Mirko Slomka

Die Katastrophe von letzter Woche wirkt noch nach. Das lang ersehnte Derby bei Eintracht Braunschweig endete für Hannover 96 in einem Debakel. Mit einer 0:3-Niederlage im Gepäck reiste die Mannschaft von Coach Tayfun Korkut von dannen. Eintracht Braunschweig hingegen hat neuen Mut gefasst, und das Team könnte sogar absteigen – seinen Fans hatte es das gegeben, wonach sie lechzten. Für die Anhänger von Hannover 96 kam die Niederlage bei den ungeliebten Rivalen derweil gefühlstechnisch einem Abstieg in die zweite Liga schon sehr nahe. Was lässt sich also aus der erschreckend schwachen Partie mitnehmen? Allenfalls die Hoffnung, dass sie ein letzter Weckruf zum richtigen Zeitpunkt war.

Nicht einmal den Rasen ärgerten die Roten

Die Niederlage in Braunschweig sorgte für Erklärungsbedarf. Nach der Partie kam es zu einem denkwürdigen Dialog zwischen den Fans und der Mannschaft vor der heimischen HDI-Arena. Zwar konnte der flaschenwerfende Mob beruhigt werden, aber dennoch ist Korkuts Team seinen Anhängern einiges schuldig geblieben. Es muss sich den schlimmsten Vorwurf machen lassen: nicht alles gegeben zu haben. Wie sagte doch Rolf Rüssmann einst so schön: „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt!“ Doch nicht einmal den Rasen ärgerten die Roten. Die Einstellung der Spieler kam eher der einer fingernagelkauenden Oma gleich, die auf dem Platz auch noch ihr Gebiss verloren hat. Kämpfen bedeutet eben weit mehr als unmotivierte Fouls zu begehen wie Andre Hoffmann, für den die Saison nun beendet scheint. Das Sportgericht hat ihn nach seinem Tritt gegen Braunschweigs Mirko Boland für fünf Spiele zum Zuschauen verdammt.

Das letzte Derby

Hannover 96 steckt nun richtig tief im Abstiegskampf. Der Relegationsplatz ist nur noch zwei Punkte entfernt – er wird derzeit vom Hamburger SV belegt, auf den 96 morgen im letzten Derby der Saison trifft. Man hätte sich ein Wiedersehen mit Mirko Slomka sicher schöner vorstellen können. Fußballromantiker werden bei dieser Begegnung wohl kaum auf ihre Kosten kommen, denn Zeitpunkt und Umstände des Aufeinandertreffens der beiden befreundeten Vereine könnten schlechter kaum gewählt sein, und so könnte die Rückkehr von Slomka zu einem schlechten Horrorfilm werden. Der geschasste Trainer könnte seine alte Liebe noch tiefer in die Misere schießen lassen, denn sein Team hat am letzten Wochenende beim 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen gezeigt, dass es um seine prekäre Lage weiß und sich zu drei Punkten gefightet. Die wie paralysiert wirkenden Hannoveraner hingegen gehen reichlich verunsichert in das dritte Nordduell in Serie – und sie sind zum Punkten verdammt.

Wer soll es richten?

Nach dem Auftritt, den Hannover 96 letzte Woche in Braunschweig gezeigt hat, ist man geneigt, fast alle Spieler aus dem Kader zu werfen und die A-Jugend auf den Platz zu lassen – angeführt von Leo Bittencourt. Viele Fans haben in ihrer Frustration mit den Worten „Verräter“ und „Söldner“ beinahe inflationär um sich geworfen. Bittencourt, gerade erst in seiner ersten Saison bei 96, hatte nach dem Spiel in Braunschweig immerhin Tränen in den Augen. Der Zyniker in mir sagt: „Wenigstens einer, der sich mit 96 identifiziert“. Doch die Hoffnung und Verantwortung auf den Schultern des kleinen deutsch-brasilianischen Flügelstürmers abzuladen, wäre dann doch zu viel des Guten. Hoffen wir also, dass das gesamte Team die Zeichen der Zeit verstanden hat und sich die arrivierten Spieler ein Beispiel an Bittencourt nehmen. Denn das sind sie ihren Fans schuldig. Mein Tipp allerdings bleibt geprägt vom letzten Wochenende: Die drei Punkte gehen nach Hamburg, denn Hakan Calhanoglu wird 96 abschießen, und Slomka gewinnt bei seiner Rückkehr nach Hannover mit 3:1.

Samstag, 12. April 2014, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – Hamburger SV

(Foto: Wikipedia)

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Kategorien: Sports

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