Susanne Viktoria Haupt
5. Mai 2014

Ein Thrill für zwischendurch

Seitenansicht: „Schwesterlein muss sterben“ von Freda Wolff

Fließt federleicht durchs literarische Thriller-Wasser: „Schwesterlein muss sterben“ von Freda Wolff, Buchcover

Merette Schulmann ist Psychologin. Die eigentlich aus Hamburg stammende Frau hat schon etliche Patienten erfolgreich von ihren kleineren und größeren seelischen Sorgen befreit. Ihre 20-jährige Tochter Julia, eine begeisterte Kunststudentin, ist gerade in ihre erste eigene Wohnung nach Bergen gezogen. Alles fließt gleichmäßig vor sich her, und nichts deutet auf den fatalen Sturm hin, der sich vor dem Mutter-Tochter-Paar aufzubauen droht. Doch Aksel, ein neuer Patient von Merette, flößt ihr schon bei der ersten Begegnung Angst ein. Direkt zu Beginn brüstet sich der junge Mann damit, dass er seine Stiefschwester umgebracht hat. Aber nicht nur das. Denn während Merette mit dem Geständnis völlig überfordert wirkt, macht Aksel direkt die Schwachstelle der sonst so souveränen Psychologin aus: ihre Tochter Julia. Während Merette sich zwar Gedanken macht, aber dennoch Distanz zu halten versucht, wartet Julia auf ihre Freundin Marie aus Oslo, die allerdings spurlos verschwunden bleibt. Jedoch ist alsbald nicht nur Marie wie vom Erdboden verschluckt, sondern auch Aksel. Meretts Alarmglocken schellen erst auf, als Julia ihr von ihrem neuen Freund berichtet, der einem Treffen mit der Mutter großzügig aus dem Weg zu gehen scheint. Merette zählt eins und eins zusammen, vermutet Aksel hinter dem neuen Freund ihrer Tochter und macht sich auf die Suche nach ihrem Ex-Patienten. Dabei begegnet sie mehreren ominösen Badeunfällen, die immer an den Orten geschahen, an denen sich Aksel aufhielt und immer Parallelen zu seiner Stiefschwester aufweisen. Die Sorge um ihre Tochter steigt ins Unermessliche…

„Schwesterlein muss sterben“ ist ein in Norwegen platzierter Thriller, geschrieben von dem deutschen Autorenpaar Wolfram Hänel und Ulrike Gerold. Die beiden in Hannover lebenden Schriftsteller schreiben bereits seit über 20 Jahren im selben Raum – „Schwesterlein muss sterben“ ist ihr erstes gemeinsames Werk unter dem Pseudonym „Freda Wolff“. Es ist ein leichter, flüssig zu lesender Thriller, der aber nicht viele Überraschungen bereithält. Ausgestattet mit einer einfachen Sprache und vorhersehbarem Spannungsbogen ist „Schwesterlein muss sterben“ zwar kein Kandidat für die Bestenliste der Thriller, jedoch ein solides Werk von zwei Autoren, die ihr Handwerk aus dem FF kennen und wissen, wie sie schnell und einfach unterhalten können. Für Einsteiger ins Thriller-Genre, die zart besaitet sind, dürfte dies ein passendes Werk sein, da „Schwesterlein muss sterben“ seine Leser zwar nicht um den Schlaf bringt, aber dennoch locker an das Lese-Zittern heranführt.

Freda Wolff: „Schwesterlein muss sterben“, Thriller, 400 Seiten, Rütten & Loening, ISBN-13: 978-3352008740, 14,99 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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