Vom Gruppenzwang und seinen Folgen
von Heike Werner Sonntag, 3. Februar 2008Premiere im Ballhof zwei: “Die Superhelden” nach dem Stück “The Spider Men” von der irischen Autorin Ursula Rani Sarma
Der Kampf um Anerkennung - Lebensinhalt vieler Jugendlicher
Freundschaft und Anerkennung
David überredet seinen Freund Michael, mit ihm eine Nacht im Wald zu campen. Er will seinen Eltern eins auswischen und ihnen zeigen, dass sie mit ihren Vorschriften bei ihm nicht ankommen. Michael hingegen ist gern bei seinen Eltern und möchte eigentlich nicht, dass sie sich Sorgen machen. Trotzdem geht er mit, bereut diese Entscheidung aber spätestens, als er vor Kälte seine Füße nicht mehr spürt.
Ungefähr zur gleichen Zeit spielen sich unter den Freunden der beiden Ausreißer ganz andere Szenen ab. So möchte Darren, dass Karen ihn mag und setzt sich für Stoner ein, den offensichtlich niemand mag, und der so dringend jemanden zum Reden braucht und meint, dass die Menschen einander grundsätzlich mehr zuhören sollten. J.T. hingegen will mit Jacob Schluss machen, weil er befürchtet, ihre Beziehung könne auf einer Party auffliegen. Und die Armbänder - der letzte Schrei -, mit denen alle zeigen können, wie viel sexuelle Erfahrung sie bereits haben, trägt Karen nur, um nicht ausgelacht zu werden.
Das schreckliche Ende
Ungeachtet all dieser kleinen Sorgen und Nöte wartet Sarah sehnsüchtig auf ihren Bruder David und dessen Freund Michael, den sie schon lange anhimmelt und von dem sie hofft, dass er ihren Nasenring cool findet. Doch David und Michael bleiben verschwunden, kommen nicht nur diese Nacht nicht nach Hause, sondern die nächste auch nicht. Eine Katastrophe, zumal die Jugendlichen schnell die bittere Erkenntnis haben, dass einer der beiden nie wieder nach Hause kommen wird.
Die irische Theaterautorin Ursula Rani Sarma geht mit ihrem Stück “The Spider Men” der Frage nach, nach welchen Schemata die Welt der Jugendlichen in der heutigen Zeit geregelt ist, und wie einflussreich und beeinflussend Gruppenzwänge und Konventionen sein können. Und sie zeigt auch, in welchen Katastrophen diese Form der Gleichschaltung enden kann. Erst das unvorhergesehene Schreckensereignis bringt die Jugendlichen dazu, über sich selbst und das Leben nachzudenken und ihre eigene Persönlichkeit sowie Wahrheit und Ehrlichkeit finden zu müssen - fernab von Teenager-Labels und Coolsein.
“The Spider Men” wurde im Rahmen des renommierten Jugendtheaterprogramms Shell Connections über 30 mal in Irland, Großbritannien und Europa gezeigt, bevor es im Juli 2006 am Royal National Theatre in London präsentiert wurde. Die deutsche Inszenierung von Anna Opel feiert heute Abend im Ballhof zwei Premiere und wird vom freestyle4Xperts-Theaterjugendclub aufgeführt. Regie führt Barbara Kantel.
Sonntag, 3. Februar 2008:
“Die Superhelden”, Deutschsprachige Erstaufführung des freestyle4Xperts-Theaterjugendclubs, Ballhof zwei, Knochenhauerstr. 2, 30159 Hannover, Beginn: 15 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro
(Foto: pixelio.de)
Rubrik: Tagestipps, Bühne
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