Henning Chadde
27. Oktober 2014

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Das Verhör: „Condemned to hope“ von Black Moth

Blutjung und dem Doom ergeben: Black Moth – „Condemned To Hope“, Album-Cover

Hell yeah, die Gitarren knarzen, die Bässe pumpen, ordentlich Verzerrung und Fuzz linst um die breitwandige Sound-Ecke, der Groove hat neben ordentlich Zack auch geschmeidige Doom-Abfahrten, und der Gesang reiht sich vorderfrontig gleichwertig ein, anstatt in mäandernden Shouts und Growls allein zur vermeintlichen Aggressionssteigerung denn aussagekräftigen Durchschlagskraft beizutragen. Bands, die im gegenwärtigen, wiedererstarkten Stoner Rock-Zirkus diese Grundzutaten innovativ passgenau zu bedienen wissen, können eigentlich nicht mehr sonderlich viel falsch machen. Können sie sich doch der zugeneigten Aufmerksamkeit ihrer Genre-Fans zunächt einmal sicher sein.

In diesem Sinne haben die aus Leeds stammenden Stoner-Doom-Schwermetaller Black Moth auf ihrem zweiten Album „Condemned To Hope“ alles richtig gemacht. Man hält sich nicht zu starr an die üblichen Genre-Überväter von Kyuss, Konsorten & Co., zitiert natürlich Sabbathsche Sound-Verweise – klar, die haben es schließlich auch vorgemacht -, pumpt seinen Stil ansonsten aber selbstbewusst mit positiv-schleppendem weiblichen Gesang und jeder Menge Krach-Inspiration aus allen nur erdenklichen Gitarren-Richtungen auf, um schließlich doch immer wieder im Doom-Schoße der guten, alten Tante Schlepp-Rock seine Heimat zu finden.

Richtig innovativ kommt das – wie bei vielen anderen Genre-Vertretern der härteren Seventies-Psych-Rock-Gangart – beim ersten Hördurchgang zunächst nicht in die Wertung. Es entwickelt aber – vorausgesetzt, man kann den mittlerweile wieder mannigfaltig aus dem Boden sprießenden Stoner Rock-Spielarten insgesamt etwas abgewinnen – bei weiteren Durchgängen eine nicht zu verachtende Sogkraft, die ein ums andere Mal Aufhorchen lässt und Kopfnicken macht. Nachzuhören beispielsweise an denen in seiner Riffigkeit deutlich an den Dark-Noise-Stonern Kylesa angelehnten Nackenbrechern „The Undead King Of Rock ‚N‘ Roll“ und „The Last Maze“. Wobei angemerkt werden muss, dass bei Black Moth die weiblichen Vocals von Harriet Bevan im Gegensatz zu den soeben Genannten deutlich konsequenter im Mittelpunkt und somit eingangs erwähnten, positiven Vordergrund stehen. Dass Black Moth sich allerdings nicht nur noisigem Doom- und Riff-Weiten hinzugeben wissen, beweisen schließlich die fast schon garage-punkigen Stomper „White Lies“, „Set Yourself Alight“ und dass pissed programmatische „Stinkhorn“. Klar, alles überzogen mit einer ordentlichen Schippe Knarz, Psychedelia und Wüsten-Groove, der in seiner überraschenden Geschwindigkeit aber definitiv dazu geeignet ist, Black Moth im Abgang ein wohltuendes Alleinstellungsmerkmal im unendlich weiten Stoner-Kosmos zuzusprechen.

Respekt also, denn hier ist eine – man höre und staune – blutjunge Band am Start, die in Zukunft noch von sich hören lassen wird und sich selbstbewusst deutlich zu Großem berufen fühlt. „Condemned To Hope“ weist definitiv in die richtige Richtung. Und weiß spätestens nach dem vierten Hördurchgang dann doch ordentlich feist im Lautstärke-beseelten Wahrnehmungs-Mittelpunkt zu landen.

Black Moth: „Condemned To Hope“, CD, 11 Songs, 43 min., New Heavy Sounds

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Kategorien: Musik

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