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Arbeiten!

von Jörg Smotlacha      Donnerstag, 1. Mai 2008

Der 1. Mai bietet die Gelegenheit, den Wert der eigenen Arbeit richtig einzuordnen - oder auch nicht

“Wir wollen alles...” - Plakat für die Revolutionäre 1. Mai-Demo Wuppertal 1997

Utopien und Kekse: Plakat für die Revolutionäre 1. Mai-Demo Wuppertal 1997

Irgendwie ist er ja wirklich zum Feiertag geworden, der 1. Mai: Wir freuen uns - in Zeiten des Klimawandels komischer Weise umso mehr - über den endlich durchscheinenden Frühling oder Sommer, ist auch egal, und gehen raus, feiern. Wir haben frei, vermutlich gute Laune, und lassen es uns gut gehen; es sei denn, der Kater von gestern, von all den “Tanz in den Mai”-Veranstaltungen, hindert uns daran, selbiges zu tun, und feiern einfach durch - möglichst bis ins Wochenende hinein.

Fast vergessen all die Tradition: Es war gegen Ende des amerikanischen Bürgerkriegs 1865, als die Gewerkschaften erstmals die Forderung nach der Einführung des Acht-Stunden-Tags erhoben. Bis dahin war es völlig normal, 11, 12 oder 13 Stunden zu arbeiten - arbeiten, schlafen, arbeiten, schlafen und so fort… Was das mit dem 1. Mai zu tun hat? Der 1. Mai galt in den USA traditionell als “Moving day”, als Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen, häufig verbunden mit Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel. Und deswegen traten am 1. Mai 1886 rund 400.000 Beschäftigte in den USA in einen Streik, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Und in Deutschland? Auch hier hat der 1. Mai eine lange Tradition: 1890 beteiligten sich etwa 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an Streiks, Demonstrationen und sogenannten “Maispaziergängen”, um auch hierzulande bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. 1919 wurde der 1. Mai von der Weimarer Nationalversammlung erstmalig zum gesetzlichen Feiertag bestimmt. Doch erst und ausgerechnet 1933 wurde der Mai-Feiertag dauerhaft zum nationalen, gesetzlichen Feiertag. Schnell hatten die Nationalsozialisten seine Bedeutung als “Feiertag der nationalen Arbeit” erkannt.

Zum Glück hat der “Tag der Arbeit” alle Missbräuche (einigermaßen) unbeschadet überstanden: Er gilt allgemein noch immer als “Kampftag der Arbeiterklasse” und wird von Gewerkschaften, Arbeitern, sozialistischen Gruppierungen und kulturellen Interessenverbänden gleichermaßen gefeiert. Wie wir das finden? Vielleicht sollten wir uns unserer Arbeit besinnen - und des Wertes, den diese haben kann, wenn sie selbstbestimmt und freiwillig ist. Dafür sollten wir kämpfen, und das sollten wir feiern. Prost!

Donnerstag, 1. Mai 2008:
1. Mai-Feiertag, “Tag der Arbeit”, Eintritt frei

(Foto: Plakat für die Revolutionäre 1. Mai-Demo Wuppertal 1997)

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