Marcel Seniw
6. November 2014

Übergabe der roten Laterne

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Hertha BSC Berlin

Die Heim-Mannschaft ist statistisch gesehen eindeutig im Vorteil: Hertha BSC Berlin gegen Hannover 96

Geht doch, Hannover 96! Den von mir letzte Woche vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt ausgerufenen Charaktertest hat die Mannschaft beim 1:0-Sieg bravourös bestanden. Zumindest in Sachen Einstellung und Kampfgeist, denn vor dem gegnerischen Tor will es irgendwie immer noch nicht so recht klappen. Sinnbildlich dafür steht das Eigentor von Frankfurts Alexander Madlung, welcher den 96ern den späten Sieg noch ermöglichte. Aber dieses Spiel hätte auch eine ganz andere Wendung nehmen können, wenn der reguläre Treffer von Eisenschädel Jimmy Briand gezählt hätte. Doch das Leben ist kein Konjunktiv, wie auch Briand an diesem Abend spüren musste. Hätte er seinen Kopf nicht ganz so tief gehalten, hätte er sich eine klaffende Platzwunde an selbigen ersparen können. Sieben Stiche und einen mit der Zeit rot anlaufenden Turban später trabte Briand wieder auf den Platz und unterstrich damit die Bereitschaft der Mannschaft, bis an die Schmerzgrenze und sogar darüber hinaus zu gehen. Alles in allem war das Spiel gegen Frankfurt mal wieder eine gute Partie von 96 und daran sollte man nun morgen in Berlin anknüpfen.

Brüder im Geiste

Hannover 96 und Hertha BSC Berlin verbindet auf den ersten Blick nicht viel miteinander. Zwar denkt jeder 96-Fan gern an die eine Berliner Nacht aus dem Jahr 1992 zurück, als der damalige Zweitligist aus Hannover DFB-Pokalsieger wurde, doch dann hört es eigentlich schon wieder auf. Immerhin: In dieser Saison scheint die Berliner Hertha zum Bruder im Geiste der Hannoveraner zu werden. Die Berliner schicken sich nämlich momentan dazu an, den Mannen von der Leine den letzten Auswärtstabellenplatz streitig zu machen. Da steht bei der Hertha derzeit ein mageres Pünktchen aus fünf Gastspielen, was im Klartext bedeutet: Nach Hannovers Sieg in Dortmund haben die Berliner nun die rote Auswärtslaterne. Doch daheim läuft es bei den Herthanern besser. Dort konnten immerhin schon drei Siege eingefahren werden. Wenn man die nackten Zahlen betrachtet, wird es also eigentlich langsam Zeit für eine Fanfreundschaft zwischen den beiden Lagern. Geteiltes Leid werfe ich da mal in den Raum. Ob es vor dem Spiel eine feierliche Übergabezeremonie der roten Laterne geben wird – aus Hannoveraner Sicht wäre das eine Zeremonie wert – wage ich allerdings doch zu bezweifeln.

Bestimmt eine enge Kiste

Wie anfangs bereits erwähnt, hapert es bei den Roten mit der Chancenverwertung. Mit gerade einmal sieben Treffern ist es Tayfun Korkuts Mannschaft aber immerhin geglückt, satte 16 Punkte mitzunehmen, und so steht das Team momentan auf dem sechsten Rang, der gleichbedeutend wäre mit der Teilnahme am internationalen Geschäft. Doch viele der bisherigen Auftritte der 96er hinterließen beim eigenen Anhang irgendwie eher einen Kater als eine Jubelstimmung. Hoffnung gibt alleine der letzte Auftritt gegen Frankfurt: Wenn 96 die Leistung so auch in Berlin auf den Platz bringen kann, dann könnte sogar gegen die heimstarken Herthaner etwas zu holen sein. Doch bin ich heute einfach mal ein Zweck-Pessimist und tippe gegen Hannover: Jos Luhukays Mannschaft erringt einen knappen 2:1-Heimsieg. Denn leider glaube ich eher daran, dass wir morgen wieder eine erschreckend schwache Auswärtspartie von Hannover 96 zu sehen bekommen. Gerne lass ich mich eines Besseren belehren. Vielleicht verteilt die Hertha ja als guter Gastgeber Geschenke für die Überbringer der rote Laterne.

Freitag, 7. November 2014, 20.30 Uhr:
Hertha BSC Berlin – Hannover 96

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Kategorien: Sports

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