Henning Chadde
27. November 2014

„Woe of sound“

Psychedelia-Blues-Rock-Gewitter: Die Schweizer Indie-Breitwand-Rocker Navel spielen heute im Mephisto auf dem Faust-Gelände

Halbnackte Song-Tüfftler mit dickem Sound-Gewand: Navel

Ihr habt Lust auf meterhohe, blues-getränkte, psychedelische Gitarrenwände? Auf eine Band, bei der absolute Wandlungsfähigkeit und die stetige Neugier, zu neuen Sound-Ufern aufzubrechen, sich nicht mit Glaubwürdigkeit und Genre-Authentizität beißt? Sondern sich im Gegenteil wie aus einem Guß ergänzt? Dann seit Ihr heute im Mephisto auf dem Lindener Faust-Gelände genau richtig. Denn da spielen die Schweizer Indie-Noise-Psychedelia-Heroen Navel auf und geben einen dicken Sound-Einblick in ihr nigelnagelneues Album „Songs Of Woe“.

Gestartet sind Navel bereits im Jahr 2003 als rumpelnd-krachende Grunge-Truppe mit exzessivem Habstarken-Einschlag, nachhaltig großer Klappe und jeder Menge Noise-Abfahrten. Nicht selten heimste sich Band-Mastermind, Sänger und Gitarrist Jari Antti seinerzeit den zweifelhaften Ruf ein, als der schweizerische Wiedergänger eines gewissen Kurt Cobains in die Wertung zu kommen. Was zwar durchaus als Kompliment zu verstehen ist, allerdings nur zur Hälfte in die Wahrheits-Wertung kommt. Gingen Navel fernab aller Grunge-Verweise doch stets ihren eigenen Weg und ließen ihren Songs weitaus mehr Raum, als bei reinem Gitarren-Moll-Mosh-Geriffe mit gesanglichem Hymnen- und Leidens-Potenzial zu verweilen. Ordentlich taktversetzt und nackenbrechend schwer? Kein Problem. Punkig verpogt mit bebenden Noise-Eruptionen? Geht klar. Schräg akustisch-verdrogte Balladen-Welten? Funktionierte durchaus ebenfalls.

Spätestens seit ihrem 2013 erschienenen Werk „Loverboy“ schlägt Navel – wohlgemerkt nach mehreren Besetzungs-Wechseln – andere, weniger stürmische, dafür umso abgeklärtere Pfade ein. Blues-, Americana- und Folk-Einflüsse kamen zum Gesamt-Sound hinzu und weiteten den Klang-Kosmos der Band um beinahe epochale Horizonte, ohne den Rock jemals aus dem Auge zu verlieren. Ihre Musik atmet seitdem vielmehr globale Anspruchsweite. Nunmehr heißt es also „Songs Of Woe“. Und wieder einmal mehr haben Navel ihrem kreativen Veränderungswillen eine weitere Facette hinzugefügt: beinahe britrockige Verspult- und Hall-Welten, die nicht selten an die ganz frühen Oasis, Blur und Inspiral Carpets erinnern. Plus staubigem Sixties-Beat-Einschlag. Und nicht zu vergessen jeder Menge Rock und Blues. „Geht nicht, weil passt nicht zusammen?“, meint Ihr? „Geht doch!“, hält der Verfasser dieser Zeilen dagegen. Also macht Euch Euer eigenes Bild – heute im Mephisto. Es soll Euer musikalischer Erlebnis-Schaden gewiss nicht sein.

Donnerstag, 27. November 2014:
Navel, Kulturzentrum Faust, Mephisto, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 12 Euro

reinhören:
Navel – „The Sun For Me“

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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