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18. Dezember 2014

„Die Kinder haben total gerne meine Haare angefasst“

An einer Kapstädter Grundschule förderte die 20-jährige Alexandra aus dem niedersächsischen Weener Schüler in Mathe und Englisch. Sie engagierte sich drei Wochen als Freiwillige in Südafrika

Hat ihr Wunschprojekt gefunden: Alexandra mit ihrer Schulklasse in Kapstadt

Alexandra wollte immer schon einmal nach Afrika. „Für Kapstadt habe ich mich schließlich wegen der Sehenswürdigkeiten entschieden“, erzählt sie. Tagsüber half sie im Unterricht einer zweiten Klasse, in der Freizeit und an den Wochenenden hatte sie die Möglichkeit, Land und Leute genauer kennenzulernen, nachdem sie ihr Wunschprojekt im Internet mithilfe des Freiwilligendienstes VoluNation gefunden hatte.

An kalten Tagen ausnahmsweise einen Tee

Vor dem Unterricht mussten sich die etwa 200 Schüler jeden Tag auf dem Hof aufstellen. Oft gab es eine kurze Ansprache und es wurde gebetet, erinnert sich Alexandra. Bevor der Unterricht beginnen konnte, ging es zunächst in den Essensraum, denn alle Schüler bekamen zum Frühstück eine Schüssel Brei. „Den Nachschlag haben wir Freiwilligen ausgeteilt. Wer noch etwas wollte, durfte sich melden und bekam dann von uns noch eine Kelle, aber mehr nicht.“ Alexandra arbeitete gemeinsam mit zwei anderen Freiwilligen an der Schule, einer Österreicherin und einem Iren. „Wir wohnten auch zusammen in einer Gastfamilie. Jeden Morgen hat uns die Gastmutter zur Schule gebracht, nach Hause ging es am Nachmittag zu Fuß.“

Nach dem Frühstück begann der Unterricht. Die Kinder saßen an kalten Tagen mit Schal und Jacke im Unterricht, denn eine Heizung gibt es nicht. „In Kapstadt kann es im Juli und August ziemlich frisch werden.“ Beschwert haben sich die Schüler nicht, sie kennen es nicht anders. An besonders kalten Tagen gab es für sie ausnahmsweise einen heißen Tee.

„Sie waren dann richtig ausgelassen und fröhlich“: Am Besten gefielen Alexandra die Bewegungsspiele nach dem gemeinsamen Essen

In Alexandras zweiter Klasse waren 18 Kinder, die alle in schwierigen Verhältnissen aufwachsen. „Im Mathe- oder Englisch-Unterricht habe ich Übungen vorbereitet und mich um diejenigen Kinder gekümmert, die zusätzliche Unterstützung benötigen.“ Einigen fiel es schwer, sich zu konzentrieren. Viel Spaß hat ihr der Englisch-Unterricht gemacht. „Englisch ist die erste Fremdsprache der Kinder. Zuhause sprechen sie Afrikaans. Ich habe ihnen zum Beispiel kurze Geschichten oder Märchen vorgelesen.“ In den Pausen wurde auf dem Schulhof gespielt und getobt. „Die Kinder haben mich dabei umarmt, wollten immer auf den Arm und haben total gerne meine Haare angefasst.“

„Viele Schüler hatten es nicht eilig, nach Hause zu kommen“

Auch beim Mittagessen halfen die Freiwilligen von VoluNation wieder mit. „In der Küche haben drei Frauen gearbeitet und mittags Reis und Gemüse und Suppe gekocht.“ Ein einziges Mal gab es Fleisch. Die Lehrer hatten Geld zusammengelegt und Hühnchen gekauft. „Einige Kinder wussten nicht, wie sie es essen sollen. Sie kannten es nicht“, erzählt Alexandra. Nach dem Essen hatte sie mit den Zweitklässlern Zeit für Bewegungsspiele. „Sie sollten einen Ausgleich bekommen. Wir haben ‚Reise nach Jerusalem‘ gespielt oder zwei Gruppen gebildet und einen Staffellauf gemacht.“ Für Alexandra war es besonders schön, dass die Kinder bei diesen Spielen viel gelacht haben und Spaß hatten. „Sie waren dann richtig ausgelassen und fröhlich.“ Nach einer weiteren Stunde im Klassenzimmer ging der Schultag allmählich mit einem Gebet gegen 14 Uhr zu Ende. Alexandra wartete noch auf die beiden anderen Freiwilligen, die mit den höheren Klassen länger Unterricht hatten. Die Zeit hat sie genutzt und sich mit ihren Kindern weiter beschäftigt. „Viele Schüler hatten es nicht eilig, nach Hause zu kommen.“ Für den Nachhauseweg durfte sich jedes Kind noch einen Apfel mitnehmen.

An den Wochenenden war Zeit, Südafrika näher kennenzulernen. Auf einer Safari sah sie Elefanten und Löwen, und einmal zeigten die Gasteltern ihnen die Küste mit den berühmten Pinguinen. „Zum Kap der guten Hoffnung sind wir ohne die Gastfamilie gefahren. Wir haben uns einen Mietwagen genommen.“ Das letzte Wochenende hat sie im Zentrum Kapstadts verbracht. Der Tafelberg durfte auf der Liste der vielen Sehenswürdigkeiten natürlich nicht fehlen.

Über VoluNation

VoluNation ist Spezialist für weltweite Freiwilligenarbeit. Neben einem umfassenden Beratungsangebot bietet VoluNation kurzfristig buchbare Freiwilligenprojekte in mehreren Staaten Afrikas, Asiens und Südamerikas an.

weitere Infos:
www.volunation.com

(Fotos: Pressefotos/VoluNation)

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Kategorien: Menschen, Politik

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