Heike Werner
14. Juni 2008

Will sich nicht verschenken

Matthias Vogel: Comics sind der rote Faden durch sein Leben

Er ist 40 Jahre alt und lebt seit den 80er-Jahren in Hannover. Er zeichnet Comics, läuft gern und liest viel. Das scheint auf den ersten Blick so gut wie alles zu sein, was es über Matthias Vogel zu sagen gibt. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man noch viel mehr. Das braucht zwar ein wenig Zeit, aber damit sind wir direkt bei dem Menschen Matthias Vogel. Zeit ist etwas, was dem zurückhaltenden Künstler überaus wichtig ist. „Wenn ich genug Zeit habe, beende ich meine Zeichnungen oft schneller“, sagte er. Manchmal steht er aber auch kurz vor der Fertigstellung einer Geschichte und beginnt plötzlich noch einmal von vorn. Diesen Luxus kann er sich leisten, weil er von seiner Kunst nicht leben muss, sondern seinen Unterhalt als Grafiker in den Bereichen Grafik-Design, 3D und Illustration verdient. Aber auch das hat schließlich mit Kreativität zu tun.

Matthias Vogel

Matthias Vogel mag es, wenn die Dinge laufen

Matthias Vogel hat schon immer gern Comics gelesen und sich seit seiner Jugend daran probiert, selbst zu zeichnen. Das Interesse an der Comic-Kunst zieht sich seither wie ein roter Faden durch Vogels Leben. Zwar hatte er während seiner Ausbildung zum Zierpflanzengärtner nicht so viel Zeit für die Zeichnerei, doch als er das Studium der Germanistik und Philosophie begann, beschäftigte er sich wieder intensiver mit Comics. Dass er zwischenzeitlich in einem Buchhandel gearbeitet hat, „um Geld zu verdienen“, wie er sagt, hat mit Sicherheit dazu beigetragen, den bunten Bildergeschichten wieder näher zu kommen. Seitdem sind ihm seine Zeichnungen und die Leidenschaft, mit der er sich dem Ausdenken neuer Geschichten hingibt, immer wichtiger geworden.

Matthias Vogel, Skizze

Skizze von Matthias Vogel

Die Bedeutung kommt immer vom Betrachter

Nach der Bedeutung seiner mal bild-, mal textlastigen Stories gefragt, antwortet er mit einem Achselzucken. „Ein Kunstwerk wird immer durch den Betrachter mit Inhalt befrachtet. Eine Interpretation muss sich deshalb jeder selbst schaffen. Ich zeichne Comics, weil es mir Spaß macht“, sagt er. Deshalb lässt er sich auch nicht gern auf ein Genre festlegen. „Das entscheidet jeder für sich selbst“, meint er. Eine solche Entscheidung ist im Jahre 2003 sehr positiv für Vogel ausgefallen, wurde doch seine beeindruckende Comic-Reihe „Geschichten über den Schnee“ mit dem KOTA-Press Gold Award ausgezeichnet.

Comicstrip von Matthias Vogel

Comicstrip von Matthias Vogel

Nicht zuletzt seine Leidenschaft für das Zeichnen ist der Grund dafür, dass Matthias Vogel dem Comic-Zeichnen kompromisslos nachgeht. Sein Wunsch, mehr Zeit dafür zu haben und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen, bilden jedoch einen Widerspruch mit seiner Einstellung zur Erwerbstätigkeit. „Ich würde gern viel mehr zeichnen, aber davon leben müssen, will ich nicht“, sagt er. Menschen, die von ihrer Kunst leben könnten, seien in seinen Augen zwar gute Handwerker, gingen jedoch mit ihrer Arbeit auch immer wieder Kompromisse ein. „Man verschenkt sich regelrecht, wenn man für andere arbeitet, weil man seine eigene Kreativität und seine eigenen Gedanken und Ideen niemals vollständig ausleben kann“, erklärt er. Für ihn sei das nichts, betont er, der sich als Grafik-Designer auch jeden Tag aufs Neue ein bisschen verschenkt. Sich einer Beschäftigung hingeben zu können, die Zeit um sich herum vergessen zu können, das erfülle den Künstler mit Frust und Anstrengung, gleichzeitig beglücke und erfreue es ihn aber, führt Vogel doppelbödig aus. „Das ist schon ein Widerspruch, den man nicht immer aushält“, sagt er.

„Es wäre klasse, wenn man alles einfach laufen lassen könnte“

Wenn Vogel es gar nicht mehr aushält, zieht es ihn raus in die Natur. Laufen ist seine zweite Leidenschaft. „Wenn ich laufe, kann ich alles um mich herum für eine Weile vergessen und mich selbst erleben“, sagt Matthias Vogel. Am Schönsten findet er es folgerichtig, wenn es „einfach läuft“, wenn man sich nicht so anstrengen müsse, um einen Schritt vor den anderen zu setzen. „Es wäre klasse, wenn man in allen Lebensbereichen so handeln könnte“, meint er.

Nicht verpassen:
Matthias Vogel wird eine Auswahl seiner teils heiteren, teils tiefgründigen und oft doppelbödigen Comics am 27. Juni in einer Vernissage beim KULTURKIOSK von langeleine.de zur Schau stellen. Anschließend ist seine Ausstellung noch bis zum 31. August im Café Siesta im Kulturzentrum Faust zu sehen.

(Foto: Pressefoto)

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Kategorien: Kunst, Menschen

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