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Die Halbzeit-Schizophrenie

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim 1.FC Köln

Vermisst bei seiner Mannschaft „die anderen Tugenden“, vermeidet aber das Wort „Abstiegskampf“: 96-Trainer Tayfun Korkut

Es könnten ganz dunkle Wolken über Hannover aufziehen. Wer Dirk Dufner am vergangenen Sonntag nach der 1:2-Heimpleite gegen Paderborn vom Platz rauschen sah, bei dem bimmelten die Alarmglocken. Der Manager war sichtlich bemüht, den Fragen des Feld-Reporters auszuweichen, obwohl dieser die Trainer-Frage dann doch noch nicht ausformulierte. Doch nach vier Spielen und nur einem Punkt in der Rückrunde rücken die Abstiegsplätze immer näher, und wenn das Team von Trainer Tayfun Korkut nicht langsam mit dem Siegen beginnt, dann wird es auch zwangsläufig für den Trainer eng. Dufner ist sich zumindest sicher, dass „wir das dringend benötigte Ergebnis holen können“. Im selben Satz verlangte der Manager jedoch auf sehr subtile Art und Weise auch den Turnaround im Spiel gegen den 1.FC Köln, speziell was die Körpersprache, das Zweikampfverhalten und generell das Spielerische anginge. Und das Wörtchen „Körpersprache“ löst in der Regel bei jedem Trainer während einer Flaute die Alarmglocken aus.

Der große Druck

Auf der Pressekonferenz vor dem anstehenden Auswärtsspiel gegen den 1.FC Köln verdeutlichten die Korkut und Dufner mehrmals, dass für sie jetzt nur noch Ergebnisse zählen. Der Chefcoach sprach von „Ergebnisdruck“: „Wir müssen jetzt punkten, das ist Fakt. Da brauchen wir auch nichts schönzureden!“ Doch trotz dieser Worte des Trainers wurde die anhaltende Flaute von Mangager Dufner sogleich schöngeredet, als er die aktuelle Situation mit der Flaute in der Hinrunde verglich. Auch da habe Hannover 96 in der Kritik gestanden und dann auswärts in Dortmund gewonnen. Leider klingt diese Analyse aber mehr nach Durchhalteparole, als nach wahrer Überzeugung in die eigene Stärke.

Der 1. FC Köln: Zuhause keine Macht

Mit dem 1.FC Köln trifft die Mannschaft von Korkut morgen auf ein Team, das vor heimischer Kulisse bislang überhaupt nicht überzeugen konnte. Mit gerade einmal vier Heimtreffern und acht Punkten stehen die Kölner in der Heim-Tabelle auf einem Abstiegsplatz. Und gerade dem als nicht gerade zimperlich geltenden Köln-Fan stößt das auf. Letzte Woche ging es im Rhein-Derby gegen Leverkusen um die Wurst, doch auch der Karneval konnte der Karnevalstruppe nicht helfen. Man unterlag mit 0:1 und die Kölner Zuschauer stürmten den Platz – um ihren Jungs Feuer unterm Hintern zu machen. Das war zwar hirnlos und zog drakonische Strafen nach sich, doch motiviert genug sollten die Kölner nun sein, nach drei Spielen endlich einmal wieder ein eigenes Tor zu erzielen.

Nach dem Auswärtsfluch kam die Halbzeit-Schizophrenie

Um gegen den 1.FC Köln gewinnen zu können, sind laut Tayfun Korkut auch mal wieder die „anderen Tugenden“ gefragt, welche die 96er auf den Platz bringen müssen. Im Klartext möchte der Trainer also auch mal wieder ein dreckiges Spiel gewinnen, so wie gegen Köln schon in der Hinrunde. Frühe Führung, spielerischer Krampf, Halten des Ergebnisses und am Ende wurde der Dreier eingefahren. So soll es auch am Samstagabend laufen. Und wenn Hannover 96 es schaffen sollte, konstant über 90 Minuten gut zu spielen und seine aktuelle Halbzeit-Schizophrenie abzustellen – zuletzt gab es in der ersten Halbzeit häufig guten Ballbesitz-Fußball, doch in der zweiten ging dem Team die Luft aus -, dann könnte es in der Hochburg der torlosen Remis in der Tat endlich einmal wieder zu einem Dreier reichen. Wenn nicht, da spekuliere ich jetzt einfach mal wild, war es das für den Trainer von Hannover 96. Doch daran glaube ich nicht: Mit Ach und Krach wird Hannover 96 mit 1:0 gewinnen. Die Null wird auch ohne den gelb-gesperrten Christian Schulz stehen, selbst wenn wieder Kölner Zuschauer auf den Platz stürmen.

Samstag, 21. Februar 2015, 18.30 Uhr:
1.FC Köln – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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