Marcel Seniw
27. Februar 2015

Zum Siegen verdammt

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den VFB Stuttgart

Weigert sich, „das Spiel kleinzureden“: 96-Sportdirektor Dirk Dufner vor der Partie gegen den Tabellenletzten aus Stuttgart

Zunächst einmal eine Richtigstellung: In der letzte Woche schrieb ich, dass Tayfun Korkut seine Koffer packen könne, wenn 96 nicht siegen würde. Das sollte natürlich nur für eine Niederlage gelten. Und am Ende der 90 Minuten gegen den 1.FC Köln stand ein Remis. Aber wieder kein Sieg. Zuletzt gelang ein solcher den Roten vor fünf Spieltagen. Noch deutlicher fällt die Bilanz der letzten elf Spieltage aus: nur ein Sieg. Hannover 96 ist immer weiter in der Tabelle abgerutscht. Und nun geht es gegen das Tabellen-Schlusslicht VfB Stuttgart. Ein Spiel, das den Trainer nun wirklich zum Siegen verdammt. Zumal 96-Sportdirektor Dirk Dufner aich auf der Pressekonferenz ausdrücklich weigerte, „dass Spiel kleinzureden“.

Der letzte Pass kommt nicht an

Doch ich will eigentlich gar nicht so negativ rüberkommen. Ich bin immer noch der Meinung, dass sich bei Hannover 96 spielerisch einiges verbessert hat. Die auf Ballbesitz ausgerichtete Speileanlage gefällt mir, als heimlicher Bayern-Fan ist das aber auch kein Wunder. Was mir allerdings nicht gefällt, sind die Einbrüche der 96er in der jeweils zweiten Hälfte aller Spiele und die Tatsache, dass der „letzte Pass“ meist nicht ankommen will. Die Einbrüche in Halbzeit zwei lassen sich teilweise auf taktische Umstellungen in der Halbzeit, Auswechslungen zum falschen Zeitpunkt oder sogar mangelnder Fitness zurückführen, wobei Letzteres eigentlich nicht der Fall sein dürfte. Doch auch wenn der Trainer unter Zugzwang steht, wäre eine Entlassung Korkuts vielleicht sogar ein Rückschritt. Man bräuchte dann jemanden, der die Kohlen aus dem Feuer holt. Mit einem neuen Trainer käme wieder eine neue Philosophie, welche die Spieler verinnerlichen müssen und für die es keine Garantie gibt, das es mit ihr auch klappt. Das Beispiel VFB Stuttgart zeigt ganz deutlich: Ein Trainerwechsel kann auch zum Misserfolg führen.

Die fetten Jahre sind vorbei: der VFB Stuttgart

Der VFB Stuttgart gehört eigentlich zu den privilegierteren Teams in Deutschland. Vor acht Jahren wurde der VFB sogar Deutscher Meister, und mit Mercedes Benz steht ein recht potenter Sponsor hinter den Schwaben. Doch die fetten Jahre scheinen vorbei beim VFB. Europa, einst als dauerhaftes Ziel auserkoren, kann schon seit geraumer Zeit kein Anspruch der Schwaben mehr sein. Zu Saisonbeginn wurde, um das zu ändern, noch der Meistertrainer von 2007, Armin Veh, verpflichtet. Der allerdings schmiss die Flinte ins Korn, als er merkte, dass er die Mannschaft nicht mehr erreichen würde. So wurde der Feuerwehrmann des letzten Abstiegskampfes, Huub Stevens, ein erneutes Mal verpflichtet. Stevens sollte noch einmal alles besser machen. Doch auch der „Knurrer von Kerkrade“ konnte bisher keine Wende herbeiführen. Stuttgart dümpelt am Tabellenende herum und das Beispiel zeigt: Trainerwechsel sind kein Zaubermittel.

Die Luft wird dünner

Was erwartet uns also morgen in Hannover? Ich denke, dass es zu keinem schön anzuschauenden Spiel kommen wird. Viel Kampf wird sich auf dem Platz abspielen, da beide Mannschaften auch viel Grund zur Wiedergutmachung haben. Vor allem bei den Stuttgartern könnte dieses Wiedergutmachen für verkrampfte Waden sorgen. Für 96 geht es einzig und allein darum, dem anhaltenden Negativtrend endlich ein Ende zu setzen und mit einem Sieg die vergangenen Spiele wieder etwas geradezurücken. Denn sollte auch gegen den Tabellenletzten kein Sieg im Heimspiel auf der Anzeigetafel steht, dann wird die sowieso schon dünne Luft noch dünner. Sollte gar eine Niederlage gegen den VFB geschluckt werden müssen, dann kann ich mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen, dass wir Tayfun Korkut in der Folgewoche noch auf der 96-Bank sehen werden. So traurig das auch klingen mag. Übrigens gibt es diese Woche keinen Tipp von mir. Der Grund ist einfach: Ich habe es mir zu sehr angewohnt, in der sieglosen Zeit auf einen Sieg der 96er zu tippen, so dass ich diese Woche einfach mal gar nichts voraussage. Dann kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen!

Samstag, 28. Februar 2015, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – VFB Stuttgart

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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