Susanne Viktoria Haupt
16. März 2015

Noch einmal siebzehn

Seitenansicht: „Herzklopfen auf Französisch“ von Stephanie Perkins

Lässt einen noch einmal ein Teenager sein: Stephanie Perkins Buch „Herzklopfen auf Französisch“ Cover

Jeder Mensch hat ein „Guilty pleasure“ und ich mache da keine Ausnahme. Mein heimliches Vergnügen sind schnulzige Romane, die in Frankreich, vornehmlich Paris, positioniert sind. Und auch gerne mal ein Jugend-Roman, damit man sich einfach zwischendurch einmal wieder wie ein Teenie fühlen kann. Nein, hohe Literatur ist das dann keineswegs, aber dafür Balsam für die Seele und für den Kopf, der Tag ein und Tag aus denken, grübeln und kombinieren muss. Meine beste Freundin, ihres Zeichens Buchhändlerin und ein Mensch, der mich erschreckend gut kennt, hat mir erst vor Kurzem einen Jugendroman geschenkt. Auf Deutsch heißt er „Herzklopfen auf Französisch“ (in meiner Originalfassung „Anna and the french Kiss“), und erst musste ich peinlich berührt grinsen, da ich mich ertappt fühlte, aber anschließend kam die große Freude. Und Stephanie Perkins hat mir mit ihrem Roman wirklich große Lesefreude bereitet.

Die Geschichte dreht sich um die 17-jährige Anna, die in den USA zusammen mit ihrem kleinen Bruder bei ihrer Mutter wohnte. Dort hatte sie, trotz der Scheidung ihrer Eltern, ein schönes Leben. Ihre beste Freundin war immer an ihrer Seite und mit dem gleichaltrigen Christopher bahnte sich auch so langsam eine Romanze an. Ihr Vater jedoch, den man glatt als Nicholas Sparks-Verschnitt beschreiben kann, da er schnulzige und dramatische Liebesromane schreibt, die reihenweise verfilmt werden, hat andere Pläne mit seiner Tochter. Da sein Ansehen zunehmend steigt, möchte er Anna für ihr letztes Schuljahr auf das amerikanische Internat in Paris schicken. Anna ist, wie man sich unschwer vorstellen kann, weniger begeistert, packt jedoch ihre Sachen und macht sich auf in die Stadt des Lichts.

Als sie in Frankreich ankommt, hängt ihr Herz noch schwer in Amerika an ihrer gerade frisch erblühten Romanze, doch in Paris locken ganz neue Herausforderungen. Auch in Herzensangelegenheiten. Anna trifft den jungen Étienne, der sie gleich bei der ersten Begegnung um den Verstand zu bringen scheint. Anders als in anderen Jugend-Romanen – oder allgemein anders als in vergleichbaren Liebesgeschichten – gibt sich Anna ihren Gefühlen aber nicht gleich hin und macht es auch der schönen Stadt Paris sichtlich schwer, ihr Herz zu gewinnen. Außerdem hat Étienne eine Freundin und schließlich wartet in Atlanta immer noch Christopher, nach dem Anna große Sehnsucht hat. Anna überlegt, wägt ab, reflektiert und versucht, ihre Gefühle zu unterdrücken. Ach ja, das kennt man doch nur zu gut. Als dann jedoch Étiennes Beziehung immer mehr kippt und seine Mutter an Krebs erkrankt, steht Anna ihm ohne Kompromisse zur Seite. Diese neue Nähe innerhalb ihrer Freundschaft, gepaart mit eigenen Zukunftsvorstellungen, weiteren schicksalhaften Entwicklungen und Unsicherheiten wird für Anna zur harten Probe in ihrem jungen Erwachsenenleben…

„Herzklopfen auf Französisch“ mag wie ein gängiger Jugend-Liebesroman erscheinen, allerdings hat er mich mehrfach überrascht. Nicht nur weil, dass Anna und ihre neuen Freunde in Paris durch ihre ganz menschlichen Denk- und Handlungsweisen und ihre Fehler realistischer scheinen als anderswo dargestellt, sondern auch dadurch, dass Anna und Étienne eben mit ihren eigenen Gefühlen kämpfen müssen und dafür berechtigte Gründe haben. Vergeblich sucht man diese Momente, in denen auf einmal alles voller Sonnenschein ist und leicht erscheint. Bis zum Schluss verfängt man sich emotional in diese etwas reifere, aber dafür viel schönere Form der Liebe zwischen Heranwachsenden. Dass das Ganze mit einem Happy End endet, und zum Finale hin dann doch – glücklicherweise – earg plüschig wird, war klar. Aber das braucht ein Roman auch, der erstens für Jugendliche verfasst wurde und zweitens atrotzdem einige düstere Themen ankratzt. Perkins schafft es unglaublich gut, die verschiedenen Themen unter Kontrolle zu halten und den Roman weder zu kitschig, noch zu unrealistisch oder gar zu dramatisch erscheinen zu lassen. Hut ab – ich hätte mich gefreut, diesen Roman mit 17 Jahren zu lesen. Beim Lesen der üppigen 448 Seiten konnte ich mich jedenfalls einmal wieder dem Teil in mir hingeben, der ewig in den Teenager-Jahren hängen bleiben wird. „Herzklopfen auf Französisch“ ist ein Buch, das zum Träumen einlädt und daran erinnert, wie wunderbar das Verlieben doch sein kann. Trotz aller Widrigkeiten.

Stephanie Perkins: „Herzklopfen auf Französisch“, Roman, 448 Seiten, cbj, ISBN-13: 978-3570402207, 8,99 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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