Marcel Seniw
9. April 2015

Ein taumelnder Boxer

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin

Brachte sein Team in Frankfurt in arge Bedrängnis: 96-Routinier Christian Schulz

Liebe Fußballfreunde, war das nicht eine geradezu christliche Einlage zum Osterfest letzte Woche, die unser Abwehrspieler Christian Schulz uns da geboten hat? Der Vize-Kapitän von Hannover 96 hat wieder einmal gezeigt, dass Nächstenliebe in Hannover noch groß geschrieben wird – selbst in Zeiten ärgster Not. Solch ein Osterei wie die Vorlage zum Frankfurter 2:0 hätte der vor knapp einem Jahr fast zu Hannover transferierte Stefan Aigner auch nicht erwartet. Ein Vize-Kapitän wirbt halt gerne einmal für seinen Verein, selbst wenn er dazu ein Beinahe-Eigentor beisteuern muss. Doch das Ende vom Lied war dann ein beiden Mannschaften wenig helfendes 2:2. Hannover kämpfte sich zwar noch auf starke Art und Weise zu einem Remis, doch die Entstehung des Rückstandes war ebenso unnötig wie die Niederlage gegen den BVB eine Woche zuvor.

Die Direktive bleibt gelassen

Es ist fast nicht mehr zu glauben, was da auf dem Grün momentan vor sich geht. Hannover 96 spielt immer wieder ballbesitzorientierten Fußball, der bis ungefähr 20 Meter vor dem gegnerischen Tor wirklich schön anzuschauen ist. Doch der verdammte letzte Pass will einfach nicht sitzen. Denke ich zurück an die Endphase der Slomka-Ära, dann bin ich heilfroh, dass 96 das Fußballspielen langsam wieder gelernt hat. Wäre da nicht die prekäre Punktesituation, würde man sich fast die Finger lecken können, denn der Umbruch wäre geschafft. Hannover hält jedenfalls weiter treu an Korkut fest – und das völlig zu recht. Es fehlt wohl nur der eine Sieg, damit der Knoten platzt, die Nervosität schwindet und der Fußball wieder leichter wird. Morgen gegen die Berliner Hertha sollte er dann aber auch gelingen.

Irgendwann muss es doch passen!

Eine kleine Anekdote am Rande: Vor dem Hinrundenspiel zwischen Berlin und Hannover in der Hauptstadt habe ich hinter einer Theke gestanden und mich angeregt mit einem Gast am Tresen unterhalten. Dieser kam nicht so ganz meiner provokanten Aussage „Hannover wird auswärts ohnehin einer eingeschenkt“ klar. Ich musste ihm dann nach dem Hannoverschen 2:0-Auswärtssieg dummerweise einen Drink spendieren, da er mich lügen gestraft hatte. Und in dieser Woche fühle ich mich fast genauso wie damals: Ich bin der Meinung, dass 96 morgen verliert, auf dumme Art und Weise wohl wieder, aber 96 verliert. Und genau daraus schöpfe ich Kraft. Das kann ja alles nicht ewig so weitergehen. Irgendwann muss es doch passen!

Auch das Orakel ist verwirrt

Und mittlerweile spricht selbst mein Fifa-15-Orakel gegen Hannover 96. Inzwischen spiele ich das Game semiprofessionell und hätte gedacht, dass ich im Offline-Betrieb des Spiels die Hertha auch auf dem schwersten Schwierigkeitsgrad ziemlich wegledere. Doch Pustekuchen! 62 Prozent Ballbesitz und 10 Schüsse aufs Tor waren einfach nicht genug. Und dann hab ich in der 93. Minute auch noch das 0:1 kassiert… Das Spiel war einfach nicht zu gewinnen, da das Team auch virtuell in der aktuellen Form agiert – die wird tatsächlich berücksichtigt! Alles spricht jetzt gegen Hannover. Doch sollte man einen taumelnden Boxer unterschätzen? Natürlich nicht – auch nicht mit Christian Schulz.

Freitag, 10. April 2015, 20.30 Uhr:

Hannover 96 – Hertha BSC Berlin

(Foto: Northside/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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