Henning Chadde
13. April 2015

Devil on your back…

Das Verhör: „The Band“ von Hodja

Staubtrocken, reduziert, schwarz und ekstatisch: Hodja „The Band“, Album-Cover

Reduziert-fokussierte Songs und Sounds sind derzeit – nicht nur, aber doch auffallend häufig im Duo-Format – in aller Rock- und Indie-Ohren. Von den verblichenen White Stripes mal ganz abgesehen, rocken und rollen sich seit längerem schlagfertige Zweier-Konstellationen wie Black Keys, Blood Red Shoes, Royal Blood, White Miles, Death Letters, die wiedererstarkten Death From Above 1979, aber auch die neuerdings zum Duo geschrumpften Picturebooks quer nach ihrem eigenen Staub-Stiefel durch den Gegenwarts-Rock und die Rock-Geschichte. Natürlich, diese Liste könnte unendlich lang weitergeführt werden, aber dennoch düfte bereits klar sein, welche nicht selten bluesdurchtränkte, staubtrockene Sound-Farbe der Verfasser dieser Zeilen mit den genannten Beispielen versucht, ins zugeneigte Lesergedächnis zu rufen.

Eine staubtrockene Farbe, der definitiv auch das Debüt der Kopenhagener Dark-Blues-Crooner Hodja zugerechnet werden kann. Denn was das Trio mit ihrem Erstling „The Band“ und der simplen Quersumme aus Gesang, Schlagzeug und Gitarre auftischt, scheint auf den ersten Blick zwar selbstbewusst achselzuckend aus der Zeit gefallen zu sein, weiß aber mit dem Willen zur absoluten Reduktion in diesen nicht selten überproduzierten Lautstärke-Zeiten um so mehr zu beeindrucken. Stehen bei Hodja doch allein die auf das Wesentliche entkleideten Songs im Vordergrund. Und das meint vor allem den inbrünstig-hingebungsvollen, nicht selten beschwörerisch-infernalischen Gesang von Frontmann Claudius Pratt. Nicht zuletzt durch seine Hauptband Referend Snake Oil Co. hat er sich den Ruf eines stimmlichen „Voodo Masters“ par Excellence eingehandelt. Eine Auszeichnung, die bei Hodja als ekstatisches Alleinstellungsmerkmal erst richtig zum Tragen kommt. Mit einer gehörigen Portion Wahnsinn und flirrender Sexyness versteht sich. Nachzuhören beispielsweise auf dem als Single ausgekoppelten „Devil On My Back“, das mit seinem Südstaaten- und Banjo-/Slide-Guitar-Vibe mühelos auch auf dem Soundtrack von „Django Unchained“ hätte Platz nehmen können. Ein Vergleich, der zwar auch von anderen Kritiken bereits bemüht wurde, der aber eben auch mehr als nur ins Auge springt, wenn man Kenner der Materie ist.

Und obwohl zwischen den Zeilen bei beinahe allen Songs auf „The Band“ ein stets cool zurückgelehnter, countryesker Grund-Drive mitschwingt, gehen Hodja in den zehn auf ihrem Debüt vertetenen Songs in schlanken 32 Minuten noch einige Schritte weiter. Da flirrt und krächtzt sich bei „Wool Sweaters“ und „The Rapture“ der Rock’n’Roll sägend in die Hirnrinde, beschwören gospelinspirierte Prediger-Balladen wie „Going Down“ oder das zurückgenommen-balladeske „Arlene“, „Your Eyes“ und das wunderbar auf Gesang und Akustik-Gitarre heruntergefahrene „Why Why Why“ die dunkle Seite der Gänsehaut und machen nicht zuletzt in ihrer Gesamtheit eines klar: Endlich einmal stimmt das tragende Attribut der Presseinfo zur Platte. Denn Hodja machen tatsächlich konsequent nichts anderes, als „bis auf die Knochen reduzierten, simplifizierten schwarzen Rock’n’Roll“. Und den beherrschen sie vor allem durch den Gesang bestechend herzergreifend. Der Lieblingssong des Verfassers dieser Zeilen ist „Fear“. Ohne erklärende Worte. Einfach selbst antesten.

Hodja: „The Band“, CD, 10 Songs, 32 min., Soap Box Music

  • Am morgigen Dienstag, dem 14. April, sind Hodja übrigens beim Ruby Tuesday im Café Glocksee zu Gast. Der Eintritt ist frei, los gehts gegen 22 Uhr
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Kategorien: Musik

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