Jörg Smotlacha
17. April 2015

Verlieren ist das neue Gewinnen

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Bayer 04 Leverkusen

Schon wieder Christian Schulz: Der Abwehrspieler von Hannover 96 wird Papa. Das hat zwar nichts mit Bundesliga zu tun, ist ja aber ganz erfreulich

Hannover 96 ist die Mannschaft der Stunde. Denn der Traditonsverein aus Niedersachsen schickt sich an, Unglaubliches zu vollbringen: nicht abzusteigen, ohne in der Rückrunde einen einzigen Sieg zu landen. Und ein und denselben Trainer die ganze Saison lang zu beschäftigen. Während andere, deutlich besser gestellte Teams, den ihren tränenreich gehen lassen (Dortmund) oder gern zum Arzt schicken würden (München), hält Hannover an seinem eisern fest. Das ist konservativ, das ist gut. Man muss schon sagen, dass diese Taktik so genial wie perfide ist: Mit seinem Ballbesitz-Fußball dominiert das Team von Trainer Tayfun Korkut jeden Gegner und gewinnt doch kein Spiel. Verlieren ist das neue Gewinnen.

Im Kabinengang die Fresse polieren

Warum dieser Plan aufgehen kann, liegt an den Kontrahenten – und der Tatsache, dass die cleveren Hannoveraner das Spiel, schlau wie sie sind, durchschaut haben: Der HSV aus Hamburg zum Beispiel, dessen Bundesliga-Uhr mächtig an Batterie-Verlust leidet, hat es sich zur Aufgabe gesetzt, den Rest der Saison gänzlich torlos zu bleiben, jede Woche einen neuen Trainer zu engagieren und sich jeweils im Kabinengang gegenseitig die Fresse zu polieren. Und der SC Paderborn, dessen Spezialität darin bestand, dass Tor aus 82,3 Metern Entfernung zu treffen, leidet seit Monaten darunter, den Ball in eben jenen 82,3 Metern Entfernung nicht mehr zu Gesicht zu bekommen.

Super: Die Relegation gegen Braunschweig bringt auch die Ultras zurück

Bleibt als potentieller Gegner im Abstiegskampf der VFB Stuttgart, der alle Jahre wieder zum Ende der Saison Huub Stevens als Retter engagiert und damit warum auch immer jedes Mal durchkommt. Was soll man da sagen? Das so einfache wie sichere Konzept wird wieder funktionieren. Macht aber nichts, da Hannover ja der 16. Platz reichen wird. Zwei Relegationsspiele gegen Eintracht Braunschweig machen die Kassen voll, bringen die Ultras zurück und lassen sich auch mit 0:0 und 1:1 gewinnen. Wie das geht, verrät zur Not Mirko Slomka. Kein Problem also.

Wie die Weltmeister

Morgen gibt es übrigens ein Bundesliga-Spiel gegen Leverkusen, in der Bay-Arena genauer gesagt, denn die Sponsoren wollen ja auch genannt werden. Leverkusen wird 2:0 gewinnen gegen übermächtige, aber gewohnt unglückliche Hannoveraner. Macht aber auch nichts, denn das Hauptthema des Tages ist der mögliche Abgang des Bayer-Torwarts Bernd Leno, der es sich – seinem Kollegen Marc-André ter Stegen folgend – in Spanien auf der Reservebank von Real Madrid gemütlich machen möchte. Das gibt viel Geld. Und Ron-Robert Zieler wird einen weiteren Konkurrenten los. Wahre Weltmeister findest Du nicht auf der Straße, sondern nur in Hannover. Uns allen ein schönes Spiel!

Samstag, 18. April 2015, 15.30 Uhr:
Bayer Leverkusen – Hannover 96

(Foto: Northside/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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