Susanne Viktoria Haupt
20. April 2015

There’s No Business Like Show Business

Seitenansicht: „Lieber jetzt als irgendwann“ von Lauren Graham

Warmherzig, aber literarisch nur lauwarm: Lauren Grahams „Lieber jetzt als irgendwann“, Buchcover

Franny Banks, benannt nach J.D. Salingers „Franny and Zooey“, hat den großen Traum, Schauspielerin zu werden. Aber nicht unbedingt für Film und Fernsehen, sondern viel lieber für das Theater. Für ihren Traum hat sie schon einige Opfer auf sich genommen. Zum einen hat sie sich von Clark, ihrem College-Freund, mehr oder weniger getrennt. Der ging nämlich nach Chicago, um dort Jura zu studieren, und Franny wollte lieber in New York bleiben – in der Nähe des Broadways. Sie hat sich selbst eine Frist von drei Jahren gesetzt. Wenn sie in dieser Zeit nicht den ultimativen Durchbruch schafft, würde sie zu Clark ziehen, ihn heiraten und wie ihr Vater Englisch unterrichten. Und es ist durchaus nicht so, dass sie ihren Plan B wirklich schlecht finden würde. Nach einigen Momenten erscheint er ihr sogar sehr verlockend, aber ihre Frist ist noch nicht abgelaufen. Sechs Monate stehen noch an, und Franny versucht sich knallhart durchzubeißen. Allerdings steht ihr ihr innerer Schweinehund dabei ebenso sehr im Weg, wie die ganze Schauspiel-Szene mit ihren Anforderungen und ihrer Falschheit. Unterstützt wird Franny von ihrer lieben Freundin und Mitbewohnerin Jane, der Produktionsassistentin, ihrem Mitbewohner Dan, dem – hoffentlich irgendwann – angehenden Drehbuchautor und ihrem niedlichen und überfürsorglichen Vater, der mehrfach die Woche anruft. Und diese Freunde braucht Franny auch, denn: There’s No Business Like Show Business.

Kunst ist gleich Kunst?

Immer wieder versuchen sich Schauspielerinnen und Schauspieler auch als Autoren. Das ist wie bei Musikern. Und irgendwie lohnt es sich ja auch, denn die meisten haben eine große Fan-Base, die ihnen ihr Werk ohnehin aus den Händen reißt. Kunst ist ja nun mal irgendwie Kunst. Egal in welcher Sparte. Oder etwa nicht? Lauren Graham ist da keine Ausnahme. Dank ihrer unglaublich liebenswerten und beeindruckenden Rolle der Lorelai Gilmore in der Serie „Gilmore Girls“ – ich oute mich gerne als Fan -, in der sie eine junge, clevere und alleinerziehende Mutter spielt, ist sie seit längerer Zeit in aller Munde. Anschließend drehte sie sehr erfolgreich die Serie „Parenthood“, die mich zwar persönlich nie erreichte, aber die ihr in den USA zu vielen Lorbeeren verhalf. Zu ihren engsten Freunden gehören großartige Frauen wie Diane Keaton und Ellen DeGeneres. Erstere war auch maßgeblich daran beteiligt, dass Graham den Roman „Lieber jetzt als irgendwann“ überhaupt geschrieben hat. Und Ellen DeGeneres lässt es sich auch nicht nehmen, das Buch ihrer Busenfreundin Graham bald als TV-Serie zu produzieren.

Es hätte gut werden können, ist es aber nicht

Die Voraussetzungen klingen also herrlich. Eine smarte Frau, die ebenso smarte Frauen an ihrer Seite hat, mit einem ganzen Paket an Erfahrungen. Wer könnte denn eigentlich besser über eine Frau schreiben, die versucht als Schauspielerin Fuß zu fassen, wenn nicht eine Schauspielerin selbst? Doch leider gibt es da eine kleine, aber nicht unbedeutende Stilfrage. Und die nennt sich Erzählton. Grobgesagt ist der Plot rund um Protagonistin Franny Banks eine sichere Sache, bei der wenig schiefgehen kann. Und genau das hilft den Lesern dann auch ein wenig über die nicht vorhandene Erzählfähigkeit von Lauren Graham hinweg. Denn ohne die sichere Story hätte der Roman völlig verloren. Die Figuren werden nicht wirklich greifbar und Grahams schreibt zwar charmant, aber „Lieber jetzt als irgendwann“ geht am Ende nicht einmal als gehobenere Chick-Lit durch. Da lässt sich nur hoffen, dass Graham und DeGeneres für die Verfassung des Drehbuchs zur TV-Serie ein paar versierte Autoren an die Seite bekommen. Geeignet nur für ganz harte „Gilmore Girls“-Fans, die literarisch nicht viel erwarten.

Lauren Graham: „Lieber jetzt als irgendwann“, Roman, 432 Seiten, Fischer Taschenbuchverlag, ISBN-13: 978-3596198443, 9,99 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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