Jörg Smotlacha
11. Mai 2015

Volle Aschenbecher und ausgestopfte Tiere

Das Verhör: „On Emery Street“ von Seb Black

Brüchig und voller Schönheit: Seb Blacks Debüt-Album „On Emery Street“

Es könnte sein, dass Tom Waits in Kanada einen kleinen Cousin hat. Und es könnte sein, dass der ihn mit seinem neuen Album „On Emery Street“ ein bisschen überboten hat. Denn die Mischung aus Elektro-Rock, Blues-Roots, rotzigem Folk und Punk ist flirrend, elektrisierend und obendrein noch sehr tanzbar. Sebastian Schwartz, wie Seb Black bürgerlich heißt, erzählt von Sex-Shops, Pitbulls, vollen Aschenbechern, ausgestopften Tieren und leeren Bierdosen. Und der versierte Musiker und Produzent nutzt dabei vom Klavier bis zum Banjo so ziemlich jedes Instrument, ohne sich jemals in Beliebigkeit zu verlieren. Das Ergebnis ist so erfrischend wie sexy. Und damit auch genug der Vergleiche mit Altmeister Waits

Beginnend mit dem leicht industrial-lastigen Titelsong entwickelt „On Emery Street“ eine eigene Welt voller musikalischer und textlicher Bastarde, mal böse drängend, mal umschmeichelnd. „No Friend of Mine“ überzeugt mit einer dancefloor-tauglichen Bassline, „Go Out in Style“ treibt durch den Gesang mächtig nach vorne, während die Rhythmen eher als Popkultur-Persiflage zu hören sind und „What Is It“ verbreitet dann schließlich auch ein kleines bisschen Wahnsinn, bevor „Got No Twist“ die ganze Bandbreite von Seb Blacks eigenwilliger Stil-Mixtur aufmacht: Banjos verbreiten Western-Atmosphäre, dann folgen Bläser, Frauen-Chöre und Metal-Gitarren. Nein, er ist nicht zu fassen, dieser Seb Black.

Und das Gute ist, dass der Kandier die Qualität auch auf der zweiten Hälfte des Albums hält. Von „Way Down The Line“, dem ein Hauch von Reggae innewohnt, über die Folk-Punk-Stücke „Hard Times“ und „Trouble“ bis hin zum finalen balladesken „2nd Best“ – stets betritt Seb Black neue musikalische Pfade und trifft doch den gleichen Nerv: Seine Songs handeln von Außenseitern und sind so brüchig, dass es schon wieder schön ist. „On Emery Street“ ist Seb Blacks Debüt-Album. Eine Europa-Tournee ist angekündigt. Auf die weitere Entwicklung dieses außergewöhnlichen Musikers darf man wirklich gespannt sein.

Seb Black: „On Emery Street“, CD, 13 Songs, 43:24 min., Noisolution / Indigo

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Kategorien: Musik

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