Susanne Viktoria Haupt
3. Juni 2015

„Zeichen setzen statt zu diskutieren!“

Wo viele nur reden, schreiten andere engagiert zur Tat: Im Mai startete der hannoversche Verein Helden e.V. die Aktion „Happy Box“. Ziel: Flüchtlinge aktiv aus der Mitte der Gesellschaft heraus zu unterstützen. Ein Interview

„Es gibt nicht das Ideal“, sagt Happy Box-Aktivist Mathias Herwix. Rein kann also alles, was benötigt wird und Freude macht

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland – und entgegen vieler Meinungen ist die Aufnahme von Hilfsbedürftigen einfach unsere eindeutige menschliche Pflicht. Dass mit der Aufnahme aber nicht einfach alles getan ist, zeigt sich immer wieder. Unterm Strich fängt dort nämlich erst die richtige Arbeit an. Man muss nicht nur Unterkünfte bereitstellen und die Versorgung sichern, sondern auch zusehen, wie die Menschen angemessen integriert werden können. Und Integration funktioniert am Besten, wenn nicht nur alle mit anpacken, sondern das auch noch auf eine liebevolle Art und Weise tun. Damit jeder – auch die, die wenig Zeit haben – nun ihren Beitrag dazu leisten können, hat sich der Verein Helden e.V. gegründet und bietet mit seiner Aktion „Happy Box“ die ideale Möglichkeit dazu. Im Gespräch mit langeleine.de gibt Mathias Herwix von Helden e.V. Auskunft und Antworten.

langeleine.de: Im Mai ist Eure Aktion „Happy Box“ in Hannover gestartet. Was hat es damit genau auf sich und wer steckt dahinter?

Mathias Herwix: Wir wollen ganz einfach Zeichen setzen, statt nur darüber zu diskutieren. Viele Hannoveraner wollen etwas für Flüchtlinge tun, haben aber nicht die Zeit, sich direkt mit oder in einer Unterkunft zu engagieren. Bei Happy Box kann man schnell und ganz einfach ein Willkommenspaket packen und an einer Sammelstelle abgeben – Zeichen gesetzt und fertig! Hinter der ganzen Aktion steht ein sehr engagiertes Team aus Ehrenamtlichen. Seit einem halben Jahr organisieren wir jetzt schon die Aktion. Viel Grundarbeit war am Anfang nötig, aber jetzt freuen wir uns sehr an der Umsetzung. Wir sind zwischen 20 und 35 Jahre alt und mit ganz verschiedenen Backgrounds. Vom Studenten bis zum Buchhalter haben wir alles dabei.

ll: Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen und was möchtet Ihr damit erreichen?

Herwix: Die Idee ist entstanden, als wir uns überlegt haben was man für Flüchtlinge tun kann. Wir wollten unbedingt etwas machen, hatten aber alle wenig Zeit für eine intensive Patenschaft mit den Flüchtlingen und so kamen wir auf die Idee. Das Ziel ist dabei, dass wir den Menschen hinter der Fluchtgeschichte zeigen, dass wir in Deutschland mehr können, als nur negativ über sie zu berichten und in Talkshows über sie zu diskutieren. Wir wollen gemeinsam etwas verändern. In der Zukunft wollen wir über Happy Box den Austausch fördern und die Ängste von einigen Hannoveranern abbauen.

Einstehen für eine gute Sache: Werbeaktion von „Happy Box“ auf der Lister Meile

ll: Auf welche Schwierigkeiten seid Ihr bisher bei der Planung und Ausführung gestoßen?

Herwix: Bisher sind die Medien noch nicht ganz auf uns angesprungen, was es sehr schwer macht die Aktion bekannter zu machen. Außerdem war die Koordination aller Flüchtlingsheime eine Aufgabe für uns. Dadurch dass die Zahlen der Flüchtlinge sehr schwanken, konnten wir außerdem schwer planen. Am Anfang dachten wir, es werden rund 1.500 Willkommenspakete gebraucht. Jetzt schätzen wir die Zahl auf zirka 3.000 Boxen.

ll: Mit welchen Organisationen arbeitet Ihr zusammen und wie kommt die Happy Box schlussendlich an den Menschen?

Herwix: Happy Box ist eine Aktion von Helden e.V.. Ein Verein, der sich gerade erst gegründet hat und sich momentan voll auf die Umsetzung von Happy Box kümmert. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern und dem Organisations-Team wollen wir die gesammelten Boxen in kleinen Feiern an die Flüchtlinge übergeben.

ll: Wie sieht die ideale Happy Box aus und was kann eigentlich alles hinein?

Herwix: Das tolle an der Aktion: es gibt nicht „das Ideal“! Jeder muss sich selber fragen, worüber würde ich mich freuen und was könnte ein Flüchtling brauchen. Da kommen ganz tolle Ideen von den Hannoveranern selber. Als Inspiration kann man aber zum Beispiel Rasierer und Rasierschaum für Männer, Süßigkeiten, etwas Regionales oder ein Buch zum Deutsch lernen, nennen.

Haben auch schon fleißig gepackt: die NDR-Moderatoren Ann-Kathrin Schröder und Michael Thürnau

ll: Welche Erfolge konntet Ihr in der – wenn auch kurzen – bisherigen Zeit verbuchen?

Herwix: Vielleicht unsere größten Erfolge sind die vielen positiven Rückmeldungen. Natürlich freuen wir uns aber auch sehr, dass die NDR-Moderatoren Ann-Katrin Schröder und Michael Thürnau die Aktion mit eigenen Boxen unterstützen. Auch die Profis von Hannover96 haben uns unterstützt. Von ihnen bekamen wir Fanartikel und Autogrammkarten.

langeleine.de: Was habt Ihr euch mit der Happy Box für die Zukunft vorgenommen?

Herwix: Schwere Frage und eine kurze Antwort ist kompliziert. Je nachdem wie das Projekt in diesem Jahr angenommen wird, haben wir schon Anfragen aus mehreren deutschen Städten, die Happy Box bei Erfolg gerne selber bei sich organisieren wollen. Außerdem würden wir gerne mehr Material zum Thema Hannover und Flüchtlinge erstellen und zu Verfügung stellen.

ll: Warum ist es wichtig, dass die Hannoveraner anfangen „happy zu packen“?

Herwix: Schön gesagt. Hannover ist eine sehr tolerante Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger auch. Das zeigt sich immer wieder bei den verschiedensten Gelegenheiten. Selten kann man aber direkter ein Zeichen geben, als bei Happy Box. Einfach und unkompliziert kann man so Flüchtlingen sagen: „Hey, Du bist Willkommen!“. Wir sagen ganz klar zu allen: „Zeichen setzten statt zu diskutieren!“

ll: Vielen Dank für das Gespräch, Mathias.

  • Noch bis zum 17. Juni 2015 können engagierte Hannoveraner ihre Boxen packen. Die Abgabestellen und weitere Informationen sind unter www.deinehappybox.de zu finden. Die Redaktion von langeleine.de ist auch schon fleißig am Packen…

(Fotos: Pressefotos/Happy Box)

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Kategorien: Lokales, Menschen, Politik

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